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Freche Anfragen bringen Forstbesitzer auf die Palme

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Von: Dirk Grein

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Die Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten bei ihren Sturmeinsätzen viele Laubbäume, die auf Wege und Straßen gestürzt waren, beseitigen.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten bei ihren Sturmeinsätzen viele Laubbäume, die auf Wege und Straßen gestürzt waren, beseitigen. © Foto: Feuerwehr

Die Situation für die heimischen Forstbesitzer war schon aufgrund der Borkenkäfer-Katastrophe angespannt. Doch die Stürme der letzten Tage hat diese weiter zugespitzt. „Uns geht immer mehr verloren“, sagt Rolf Brühne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft.

Herscheid - Diesem Verbund gehören in Herscheid knapp 200 Mitglieder an, die etwa 1 700 Hektar Wald besitzen. Das genaue Schadensmaß nach den Stürmen können sie nur schätzen. Denn ein Betreten der Waldflächen sei weiterhin lebensgefährlich und daher nicht möglich. Doch bereits jetzt ahnt Rolf Brühne: „Da ist einiges umgefallen.“

Neben der Quantität sorgt ihn die Qualität des Schadenholzes: Nach dem Befall durch den Borkenkäfer seien in den letzten Monaten ganze Fichtenbestände gefällt worden. Ohne diesen Schutz und bedingt durch die massiven Regenfälle hätte es nun den Laubbäumen an Standfestigkeit gefehlt. „Die konnten sich bei den aufgeweichten Böden und den heftigen Böen einfach nicht mehr halten“, berichtet Brühne.

Laubholz habe im Vergleich zu Nadelholz eine höhere Wertigkeit, erzählt der Vorsitzende. Die erlittenen Verluste für die Waldbauern dürften daher groß sein.

Umso mehr verärgert ihn das Verhalten einiger vermeintlicher Sparfüchse: So häufen sich in diesen Tagen die Anfragen von Bürgern, die den Waldbesitzern das gefallene Sturmholz für kleines Geld abkaufen wollen. „Das geht so nicht“, betont Brühne, der sich schützend vor seine Mitglieder stellt.

„Uns geht immer mehr verloren“,  bedauert Rolf Brühne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid.
„Uns geht immer mehr verloren“, bedauert Rolf Brühne, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid . © Archivbild: Cedric Nougrigat

Denn die Forderungen der Allgemeinheit – das bezieht der Vorsitzende ausdrücklich nicht nur auf Herscheid – seien gestiegen. Der Wald werde zunehmend ausschließlich als Erholungsgebiet betrachtet und als solches vorausgesetzt, getreu der Devise: „Der Wald ist doch für alle da.“ Dem widerspricht Brühne ganz entschieden: In erster Linie handele es sich um privaten oder kommunalen Wald. Daher könne man nicht einfach die Motorsäge ansetzen, um fremdes Eigentum zu zerstückeln: „Das ist Wertholz.“ Werde dieses in kleine Stücke geschnitten oder gehackt, dann können die Besitzer damit kein Geld mehr verdienen.

Genau dieses Ziel des Wirtschaftens sei ohnehin schwierig: Nachdem mit der Fichte der Brotbaum des Sauerlandes in weiten Teilen verschwunden ist, beschäftige sich die Forstbetriebsgemeinschaft intensiv mit einem Wiederaufforstungskonzept. Aufgrund der hohen Auflagen ein schwieriges Unterfangen, beschreibt Brühne die Herausforderungen.

Wie der Herscheider Wald der Zukunft aussehen wird, sei zurzeit noch nicht absehbar. Zunächst wollen sich die Forstbesitzer um die Behebung der Sturmschäden kümmern – sobald dies wieder möglich ist. „Wir haben schon massig angeschobene Bäume gesehen – da reicht ein Windstoß und die krachen runter“, weiß Bühne nicht, wann eine Begehung stattfinden kann.

Landesbetrieb: Sturmschäden sind nicht vergleichbar mit dem Kyrill-Ausmaß

„In den östlichen Teilen des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland haben die Stürme starke Schäden hinterlassen“, teilt der Landesbetrieb Straßen und Holz mit. Generell habe es Einzel-, Gruppen- und wenige flächige Würfe von allen Baumarten gegeben. Neben den bereits aufgerissenen Beständen der Borkenkäfer-Kalamität seien auch vitale Fichtenbestände sowie Buchenbestände von Würfen und Brüchen betroffen. Nach ersten Schätzungen ist die Schadholzmenge jedoch geringer als nach den Stürmen Kyrill (2007 / 15 Millionen Festmeter Holz) und Friederike (2018 / 2 Millionen Festmeter Holz). Da viele Waldwege aktuell noch durch umgestürzte Bäume versperrt sind, ist eine genaue Lageeinschätzung noch nicht überall möglich. Eine genauere Mengeneinschätzung könne erst erfolgen, wenn die Wege freigeräumt sind. Der Landesbetrieb warnt vor diesem Hintergrund vor dem Betreten der Wälder: Viele Waldwege seien durch umgestürzte Bäume versperrt und nicht passierbar. Die quer über dem Weg liegenden Äste und Stämme seien eine große Gefahr. Der Versuch sie zu überklettern, könne lebensgefährlich sein. Ineinander verkeilte Äste und Stämme stehen häufig unter Spannung, die sich spontan oder durch das Überklettern lösen kann. 

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