Der Marktführer mit Sitz am Müggenbruch

Formen für die Industrie, Möbel fürs Bad – Firma Henneke gelingt bemerkenswerter Spagat

Die erste CNC-Fräse für die Holzverarbeitung der Firma Henneke
+
Die erste CNC-Fräse für die Holzverarbeitung, angeschafft 1994, gehört noch heute zum Maschinenpark der Firma. Sie steht symbolisch für den Unternehmergeist von Frank Henneke.

Eine auffällige Beschilderung sucht man vergeblich: Das Firmengebäude ist schlicht und im Vergleich zu umliegenden Betrieben bescheiden klein. Dass hier, direkt gegenüber des Sportplatzes Müggenbruch, ein bundesweiter Marktführer angesiedelt ist, dürfte nur den wenigsten bekannt sein.

Doch der Firma Henneke ist es mit handwerklichem Geschick, unternehmerischem Mut und zukunftsgerichteten Ideen gelungen, die eigenen Produkte zur international gefragten Marke zu formen. „Linke Hände? Die gibt es nicht“, lacht Frank Henneke. Der 57-Jährige schwört darauf, dass harte Arbeit und regelmäßiges Üben sich auszahlen. Diese Überzeugung trieb ihn bereits 1988 an: Nach erfolgreicher Tischlerausbildung wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit; er gründete die Henneke Formenbau GmbH.

Heute, 33 Jahre später, steht dieses Unternehmen an der Schwelle zur Neuzeit. Während sich andere Handwerksbetriebe vor der Digitalisierung scheuen und diese als Gefahr ansehen, sieht Frank Henneke genau darin eine große Chance, sein Unternehmen für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen: Fortschritt durch Innovationen.

Handwerkliche Präzision der Firma Henneke

Das Faible für die Entwicklungen der Technik gehört quasi zur Philosophie des Unternehmens. Ein Beispiel: „Das braucht man doch nicht“, hörte Frank Henneke von vielen Seiten, als er 1994 die erste CNC-Fräse anschaffte. Für den holzverarbeitenden Bereich ein Novum, weil computergesteuerte Geräte zu diesem Zeitpunkt in dieser Branche kaum zum Einsatz kamen. Doch Henneke setzte auf Präzision für den Formenbau und scheute das Risiko dieser großen Investition für seine kleine Firma nicht. Und die sollte sich auszahlen: „Das war fantastisch“, erinnert sich der Firmengründer. Seine Formen sind seither von der Großindustrie gefragt, dienen unter anderem der Anfertigung von feuerfesten Bauteilen für die Stahlindustrie.

Ein weiteres Beispiel für den Unternehmermut: Als für viele andere Firmen das Internet noch ein Fremdwort war, ließ Henneke auf Rat eines befreundeten IT-Experten Ende der 1990er Jahre die erste eigene Homepage einrichten. Die Adresse ist bis heute unverändert – sie ist für das Unternehmen zur weltweit genutzten Visitenkarte geworden.

Den wohl wichtigsten Entwicklungsschritt verdankt das Unternehmen einem Vertretergespräch, in dem der Geschäftsführer den Werkstoff Corian kennenlernte. Basierend auf dem Tischler-Fachwissen der Mitarbeiter konnte mit diesem verformbaren Stoff ein neuer Geschäftsbereich erschlossen werden: die Anfertigung von Arbeitsplatten, Badmöbeln und weiteren Einrichtungsgegenständen für Haushalte und Büros.

Viel Zeit und Herzblut ist in dieses Meisterstück geflossen - Mühe, die sich gelohnt hat, denn Nico Henneke bestand seine Meisterprüfung mit Erfolg

Ob im Kaufhaus des Westens in Berlin oder bei der Lufthansa in Frankfurt – die in Herscheid angefertigten Produkte stehen in vielen deutschen Metropolen und auch im Ausland. Insbesondere die Waschtische seien zurzeit gefragt, erzählt Henneke, der unter anderem die Schweiz als eine der für ihn lukrativsten Handelsregion einschätzt. Besonders stolz ist Henneke darauf, die betriebliche Zukunft seines Unternehmens in guten Händen zu wissen. Denn Sohn Nico hat nach dem Abitur seine Tischlerausbildung und parallel seinen Bachelor absolviert und im direkten Anschluss die Schule zum Tischlermeister abgeschlossen. Dieses vierjährige triale Studium vereinte handwerkliches Basiswissen mit kaufmännischen Bestandteilen – und ermöglicht ihm den Einstieg in die Firma seines Vaters.

Daran war längst nicht immer zu denken: Denn Nicos Interesse für das Handwerk hielt sich in jungen Jahren in Grenzen. Erst ein Praktikum mit 15 Jahren bei der Plettenberger Tischlerei Crummenerl ebnete den Weg. Jetzt, als frisch gekürter Meister, will er sich nicht nur den handwerklichen Hersausforderungen stellen, sondern auch den digitalen Möglichkeiten, die sich der Firma bieten.

Vater Frank Henneke steht vor einer Tür im Betrieb. Doch auf dem Bild des Handys zeigt sich die erweitere Realität: Darauf wird ein Waschtisch in die Umgebung projiziert, in der gewünschten Größe, Form und Farbe.

„Ein Stichwort ist die erweiterte Realität“, sagt Nico Henneke und zückt sein Handy. Mit diesem projiziert er einen Waschtisch an die nackte Wand vor ihn: Größe, Farbe, Form – alles ist mit wenigen Fingerbewegungen einstellbar. So könne der Kunde direkt auf dem Handy sehen, wie sein Wunschbadezimmer aussieht.

Hatte er vor wenigen Jahren noch nie einen Tisch gebaut, spürt man dem heute 23-Jährigen bei dieser Vorführung die Begeisterung für sein Handwerk an. Dass harte Arbeit sich auszahlt, wie Vater Frank Henneke es stets betont und durch den Werdegang seines Unternehmens bewiesen hat, kann auch Sohn Nico bestätigen. Mit einem Augenzwinkern sagt der Jung-Tischlermeister: „Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.“

Weitere Infos finden Sie unter https://corian.henneke.com/

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.