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Situation spitzt sich zu: Kaum noch Platz für Flüchtlinge

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Von: Dirk Grein

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Die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen – wie hier in einer Gemeinschaftsschule in Schleswig Holstein – ist für die Gemeindeverwaltung in Herscheid keine Option, das betont Bürgermeister Uwe Schmalenbach.
Die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen – wie hier in einer Gemeinschaftsschule in Schleswig Holstein – ist für die Gemeindeverwaltung in Herscheid keine Option, das betont Bürgermeister Uwe Schmalenbach. © scholz /DPA

Die Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen sind in Herscheid nahezu am Ende. Die Gemeindeverwaltung schafft zwar weitere Übergangslösungen, wird aber an der Nutzung von Containern nicht vorbeikommen – sofern diese überhaupt lieferbar sind.

Herscheid - Noch in der dritten Januarwoche soll die erste Familie in einem ehemaligen Klassenzimmer der Grundschule Herscheid einziehen. Dort waren bereits im Frühjahr, zu Beginn des Krieges in der Ukraine, Mobiliar und Matratzen eingelagert worden, falls diese Räume benötigt werden – genau das ist nun der Fall.

In der Schule können die sanitären Einrichtungen sowie der bereits im letzten Frühjahr von der Gemeinde aufgestellte Duschcontainer genutzt werden. Da mit weiteren Zuweisungen zu rechnen sei, sollen nach und nach weitere Klassenzimmer belegt werden, erzählte Fachbereichsleiterin Bärbel Sauerland im Sozialausschuss. Sie betonte zugleich: „Das ist nur eine Übergangslösung.“

Wohnungsmarkt nahezu erschöpft

Die Gemeinde stecke in einer schwierigen Situation: Die eigenen Unterkünfte (Winzenbecke, Valberter Straße und Müggenbruch) sind voll, die dortigen Zimmer zum Teil doppelt oder gar dreifach belegt. Der lokale Wohnungsmarkt sei erschöpft: Verfügbare Mietwohnungen seien kaum noch vorhanden und leerstehende Wohnhäuser passen entweder vom Zuschnitt her nicht für die Unterbringung oder wären mit hohen Kosten und zeitaufwendigen Instandsetzungen verbunden.

Daher muss sich die Gemeinde anders behelfen: Im November 2015 – während der damaligen Flüchtlingskrise – wurde das einstige Schullandheim Stucken erworben. Dieses blieb zunächst ungenutzt, unter anderem wegen der Lage im Außenbereich. Nun allerdings wird auch dieses Gebäude, das Platz für etwa 30 Personen bietet, benötigt. Eine Nutzung sei spätestens ab Februar angedacht, gab Bürgermeister Uwe Schmalenbach zu verstehen. Dort sollen bevorzugt Personen untergebracht werden, die über ein eigenes Fahrzeug verfügen – insbesondere manche Flüchtlinge aus der Ukraine seien motorisiert.

Bauchschmerzen wegen Zusammensetzung

Zurzeit befinden sich nach Angaben der Flüchtlingsbeauftragten Meryem Yilmaz 75 Personen aus der Ukraine (hauptsächlich Frauen und Kinder) in Herscheid. 37 wohnen in den Unterkünften, die anderen haben Wohnungen beziehen können. Hinzu kommen 60 Personen aus anderen Ländern. Neben alleinstehenden anerkannten Männern aus Syrien werden der Gemeinde auch Flüchtlinge aus Russland zugewiesen. Pro Woche seien es zurzeit drei Zuweisungen: Je nach dem, ob es sich um Einzelpersonen oder Familien handele, seien dies bis zu acht Menschen. Bei der Unterbringung soll auf die jeweiligen Belange der Personen Rücksicht genommen werden.

Das Aufeinandertreffen von ukrainischen und russischen Flüchtlingen bereite ihr „Bauchschmerzen“, kommentierte Angelika Hahn (FDP). Auch Bürgermeister Uwe Schmalenbach konnte nicht abschätzen, „wie verträglich“ diese Situation sei. Er betonte jedoch, dass die Menschen aus demselben Grund ihre Heimat verlassen und in die Fremde fliehen.

Im November 2015 kaufte die Gemeinde das leerstehende Schullandheim Stucken für die Unterbringung von Flüchtlingen. Dieses blieb wegen der Lage im Außenbereich bislang ungenutzt; das soll sich im Februar ändern.
Im November 2015 kaufte die Gemeinde das leerstehende Schullandheim Stucken für die Unterbringung von Flüchtlingen. Dieses blieb wegen der Lage im Außenbereich bislang ungenutzt; das soll sich im Februar ändern. © grein

Vor diesem Hintergrund betonte er, dass die Gemeinde weiter dezentrale Lösungen suche. Die Belegung von Turnhallen, wie in vielen anderen Kommunen bereits geschehen, sei keine Option. „Wir brauchen vernünftige Wohnverhältnisse – aber die gibt es zurzeit so nicht mehr“, benannte der Bürgermeister die grundsätzliche Problematik.

Die noch verfügbaren Unterbringungskapazitäten reichen bei weiterhin kontinuierlichen Zuweisungen lediglich noch ein paar Wochen aus. Daher müsse die Gemeinde bereits jetzt überlegen, wie es danach weitergehen könnte. Dabei spielen offenbar auch Container eine Rolle, von denen die Verwaltung zunächst absehen wollte, doch die Situation spitzt sich jetzt zu.

Der Bürgermeister sprach im Ausschuss von Mobilheimen, die jedoch von vielen Kommunen benötigt werden; neben der Beschaffung sei auch die Suche nach einem geeigneten Standort vor Ort problematisch. Schmalenbach versicherte, dass die Verwaltung die Situation „mit Hochdruck“ bearbeite, um den flüchtenden Menschen helfen zu können.

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