Wie sich die Flüchtlingssituation in Herscheid entwickelt hat

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Über 3 000 Quadratmeter groß ist das Grundstück, auf dem der ehemalige Hof Boeley sowie ein Nebengebäude steht. Die Verwaltung hat keine Verwendung mehr für die Immobilie und sucht Kaufinteressenten.

Zu Beginn der großen Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 fehlte in der Ebbegemeinde vor allem eines: eine Struktur. An wen sollen sich die neuen Mitbürger bei Problemen im Alltag wenden? Wo sollen sie wohnen? Wie erlernen sie unsere Sprache?

Auf all diese und viele weitere Fragen wurden längst Antworten gefunden, im Miteinander von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern. „Die Abläufe haben sich eingespielt“, sagt Bärbel Sauerland, Fachbereichsleiterin aus dem Rathaus.

Der betriebene Aufwand sei zwar groß gewesen, doch dieser habe sich gelohnt: Viele Flüchtlinge bestreiten ihren Alltag inzwischen selbstständig, einige von ihnen haben Arbeitsplätze und eigene Wohnungen gefunden. Doch auch diejenigen, die weiterhin in den gemeindlichen Unterkünften wohnen, scheinen sich in Herscheid (den jeweiligen Umständen entsprechend) wohlzufühlen. Ein Lohn der geleisteten Integrationsarbeit.

Weil die Zahl der Zuweisungen aktuell gen null tendiert, besteht kein Bedarf für eine Fortsetzung des ehrenamtlichen Sprachunterrichts. Andere Angebote der Hilfestellungen, etwa bei Arztbesuchen oder Behördengängen, bestehen weiterhin und werden auf Nachfrage vermittelt.

Die Situation habe sich deutlich entspannt, sagt Bärbel Sauerland und meint damit auch die anfängliche Wohnungsnot. In Spitzenzeiten waren es über 150 Flüchtlinge in Herscheid. Die Verwaltung musste reagieren, entschied sich für eine dezentrale Unterbringung und gegen Containerlösungen. Von einigen der damals gekauften beziehungsweise gemieteten Immobilien trennen sich die Herscheider nun wieder.

Der Vertrag mit der katholischen Kirchengemeinde ist nach zwei Jahren ausgelaufen; das einstige Pfarrhaus an der Gartenstraße wird nicht mehr als Unterkunft genutzt. Im Hof Boeley, einem im 17./18. Jahrhundert erbauten Bauernhaus in Hüinghausen, wohnen aktuell zwar noch Personen, für sie werden aber Mietwohnungen gesucht. Das Grundstück samt Wohnhaus und Nebengebäude steht indes bereits zum Verkauf und wird unter anderem über die Gemeinde-Homepage beworben.

An den länger bestehenden Einrichtungen in der Müggenbrucher Kurve (frisch renoviert, nur noch der Außenanstrich fehlt) und in der Winzenbecke will die Gemeinde festhalten. Auch der einstige Pflanzenhof an der Valberter Straße soll langfristig genutzt werden.

Offen ist hingegen die Zukunft des ehemaligen Schullandheims Stucken. Auch dieses hatte die Gemeinde gekauft, allerdings nicht als Unterkunft benötigt. Wie Bauamtsleiter Lothar Weber verriet, habe er bereits Kaufanfragen für das Gebäude erhalten. Dieses ist jedoch als Schullandheim genehmigt. „Eine Nutzung als normales Wohnhaus gleicht einem baurechtlichen Spagat“, verdeutlicht Weber.

Was mit dem alten Herscheider Bahnhofsgebäude – ebenfalls im Gemeindebesitz – geschieht, dazu konnte Weber keine Angaben machen. Darin wohnen neben Flüchtlingen auch langjährige Mieter. Aufgrund der direkten Nähe zum Gerätehaus hatte Bürgermeister Uwe Schmalenbach in der Vergangenheit bereits anklingen lassen, dieses Haus, sofern es nicht mehr bewohnt wird, für Feuerwehrzwecke zu nutzen.

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