Dr. Matthias Heider besucht Unternehmen in Friedlin

Firma Gris: Mehr Arbeitsplätze durch Anbau einer neuen Halle

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Herscheid - Um 1 700 Quadratmeter wächst das Herscheider Unternehmen Gris derzeit mit dem Anbau einer neuen Halle. Diese schauten sich der Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Heider und Sandra Pawlas, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, gestern bei einem Besuch an und informierten sich über die Auswirkungen des Arbeitsmarktes auf das Herscheider Unternehmen.

Bis zum Jahresende beschäftigt das Unternehmen 70 Arbeitnehmer und durch die Erweiterung sind für das kommende Jahr noch einmal fünf bis sieben Stellen zu besetzen, erklärte Geschäftsführer Claus Weber. Innerhalb von drei Jahren sei die Mitarbeiterzahl um 20 Personen gestiegen.

Der Bau der neuen Halle, die im Oktober fertig sein soll, ist bei der Vergrößerung nicht das Problem, sondern auch genügend Fachkräfte zu bekommen. Dass dies schwierig ist, dem stimmten auch Knut Schönewald, technische Leitung, Christian Brenneisen, Leitung Qualitätswesen, und Ulrich Frenschkowski, Vertriebsleitung, im Gespräch mit Dr. Matthias Heider und Sandra Pawlas zu.

„Zum einen ist Flexibilität gefragt, jemand der alles kann, da man nicht jeden Arbeitsplatz doppelt besetzen kann“, begründete Claus Weber. Und zum anderen seien die Ansprüche gewachsen. Die Qualität müsse immer besser werden, bei gleichzeitiger Preisreduzierung. „Zudem müssen wir die Kunden öfter beliefern, aber gleichzeitig sind die Lieferzeiten für die Materialen länger und das Verständnis der Kunden gering“, sagte Claus Weber.

Den Ausbildungsberuf des Stanz- und Umformmechanikers, der in dem Unternehmen vielfach benötigt wird, gebe es erst seit einigen Jahren und das Problem sei, dass viele Schüler den Beruf nicht kennen würden. Generell gehe die Tendenz an Auszubildenden nach unten und viele der Bewerber, die sich doch dafür entscheiden würden, wollen Werkzeugmechaniker werden. Dabei sei die Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker umfangreicher. Derzeit werden bei Gris zwei junge Leute dazu ausgebildet.

Der technische Leiter Knut Schönewald zeigte Dr. Matthias Heider und Sandra Pawlas unter anderem auch Stanzteile.

Sandra Pawlas nutzte das gestrige Gespräch, um auch auf die generelle Situation auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam zu machen. Sie berichtete, dass in Herscheid derzeit 130 Arbeitslose gemeldet seien. Darin seien jedoch alle Berufe enthalten und viele davon schon länger arbeitslos. Dafür gebe es auch Qualifikationsangebote, eine Umschulung dauere zwei Jahre, was vielen zu lang sei. Ein Argument von Menschen mit Familie sei häufig, dass sie sich eine Umschulung nicht leisten könnten und eine Qualifizierung immer noch möglich sei, wenn der Arbeitsmarkt wieder schlechter sei.

Was das Thema Flüchtlinge angehe, habe die Agentur für Arbeit gute Erfahrungen gemacht. Natürlich laufe nicht alles immer rund, aber „es gibt auch viele positive Beispiele“, sagt Sandra Pawlas. Andererseits wurde im Gespräch mit der Firma Gris auch deutlich, dass die Unternehmen bei der Einstellung von Flüchtlingen an ihre Grenzen stoßen, da Arbeitskräfte benötigt werden, um die Aufträge zu bewältigen. „Flüchtlinge sind keine Fachkräfte und es dauert, sie dazu machen zu können“, sagte auch Dr. Matthias Heider. Sandra Pawlas erklärte: „Das duale System gibt es woanders nicht.“ Viele Flüchtlinge würden nicht verstehen, dass der erste Baustein des Arbeitens in Deutschland das Lernen sei und sie ohne Kenntnisse nicht sofort arbeiten können.

Kapazitäten erhöhen

In der neuen Halle sollen die Maschinen für die Schleiferei untergebracht werden – zwei neue und die beiden bereits vorhandenen. Zudem wird eine neue Gleitschleifanlage ergänzt sowie zwei Hartdrehmaschinen und eine 100 Prozent optoelektronische Sortieranlage mit automatischer Verpackung. Zudem soll die Logistik durch die Erweiterung verschlankt werden. Fertiggestellt werden soll die Halle im Oktober.

60 Jahre Gris Umformtechnik

Die Firma Gris ist ein klassischer Umformbetrieb, der seit 60 Jahren besteht und ein direkter Zulieferer für die Automobilindustrie mit unter anderem Komponenten für den Motor, Getriebe und diverse Befestigungen ist. In dieser Zeit hatte das mittelständische Unternehmen drei verschiedene Namen. Die meisten Bürger werden die Firma noch als L. Schulte kennen. Diese ging insolvent, weshalb die Firma Knipping aus Kierspe, einer der größten Kunden, das Unternehmen 2000 aufkaufte. 2005 wurde die Firma dann von der französischen Lisi-Gruppe aufgekauft. Damit sei es zum kompletten Stillstand gekommen, was wie Geschäftsführer Claus Weber erklärt, in dieser Branche mit einem Rückschritt gleichzusetzen sei. 2012/13 kam es dann zu einem erneuten Verkauf an die französische Gris-Gruppe, was, wie die Unternehmungsleitung schildert, jedoch ein Glücksfall gewesen sei, da sich das heimische Unternehmen nun entwickeln kann. Derzeit wird Gris zum Beispiel erweitert. Das französische Unternehmen produziere ähnliche und teilweise gleiche Teile, arbeite jedoch mit einem anderen System. Das Herscheider Unternehmen arbeitet im Folgeverbund-System. Das bedeutet, es wird am Streifen gestanzt und geformt und erst am Ende ausgestanzt.

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