1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Finanzieller Überlebenskampf: Corona bremst Fitnesshalle aus

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Die zuletzt wieder gestiegenen Coronazahlen in Herscheid wirkten sich auf den Trainingsbetrieb im Crossfit aus. „In den letzten zwei Wochen war es vergleichsweise ruhig“, erzählt Betreiber Mike Schirmer.
Die zuletzt wieder gestiegenen Coronazahlen in Herscheid wirkten sich auf den Trainingsbetrieb im Crossfit aus. „In den letzten zwei Wochen war es vergleichsweise ruhig“, erzählt Betreiber Mike Schirmer. © Foto: Grein

Die Aufhebung war nur von kurzer Dauer: Für den Besuch von Fitnessstudios bleibt die 2 G-plus-Regel bestehen – zumindest vorerst. Weniger der Inhalt, sondern vielmehr die Kurzfristigkeit der raschen Änderungen stellt Mike Schirmer vor Probleme: „Wer soll denn da noch durchblicken?“, fragt der Betreiber des Herscheider Crossfit.

Herscheid - Ein Großteil seiner Besucher sei geboostert. Wer die Auffrischungsimpfung noch nicht erhalten habe, der lasse sich tagesaktuell testen, erzählt Schirmer aus dem Alltag seiner Sportbox am Mühlenweg. Die von der Landesregierung aufgestellten Schutzvorgaben werden unter den Mitgliedern nicht großartig thematisiert: Schirmer spricht von einer entspannten Atmosphäre zwischen Hanteln und Fitnessgeräten. Die Leute kommen zu ihm, der eigenen Gesundheit wegen – dazu gehöre eben neuerdings auch das Testen, das Impfen sowie das Vorzeigen der jeweiligen Nachweise.

Dass auch er sich immer wieder durch Gesetzestexte arbeiten muss, um veränderte Anforderungen umsetzen zu können, daran habe er sich zwangsläufig gewöhnen müssen, meint der 48-Jährige. Er ergänzt: Für den Start in seine sportliche Eigenständigkeit hätte er sich vermutlich keinen schlechteren Zeitpunkt wählen können. Doch wer konnte schon mit den allumfassenden Auswirkungen eines Virus rechnen?

Kurz nach der Eröffnung kam der Lockdown

Im Oktober 2020 eröffnete der Herscheider in der einstigen Ausstellungshalle (in der zuvor Ofen und Kamine zu sehen waren) das Crossfit – dies sollte ein Treffpunkt für Fitnesssportler werden, die gemeinsam in Gruppen trainieren wollen. Doch dazu kam es vorerst nicht: Keine zwei Wochen später erließ die Regierung den Lockdown – und der Herscheider musste seine Halle knapp ein halbes Jahr lang schließen.

Genau ein zahlendes Mitglied hatte er zu diesem Zeitpunkt, das übrigens trotz Schließung dem Crossfit treu blieb. Doch die zuvor getätigten Investitionen in Umbau und Ausrüstung konnten natürlich bei Weitem nicht gedeckt werden. „Schlimmer geht es nicht“, fasst der Betreiber die wirtschaftlichen Folgen zusammen.

Weil er nur wenige Tage am Markt war und daher keine Bilanzen aus der Vergangenheit vorweisen konnte, blieben staatliche Hilfen aus. Die Rechnungen für Miete und Heizung mussten hingegen bezahlt werden. Eine schwierige Zeit für ihn und seine Familie, die mit Gelegenheitsjobs und finanziellen Reserven überbrückt werden konnte.

Nach dem Lockdown und der Wiedereröffnung kamen prompt die ersten Kunden: Mit einer Handvoll Leuten wurden die ersten Kurse durchgeführt, der Trainingsbetrieb sei zufriedenstellend gewesen. Insbesondere im Sommer 2021, als sich die Pandemie eine Pause zu nehmen schien, lief es rund.

In Dortmund kennengelernt: Das steckt hinter dem Crossfit-Konzept

Sport habe für ihn schon immer einen hohen Stellenwert gehabt, berichtet Mike Schirmer, der seit 2006 in Herscheid lebt. Eher zufällig sei er jedoch vor fast zehn Jahren über eine Crossfit-Box in Dortmund „gestolpert“. Damals habe es noch nicht so viele Einrichtungen in der heimischen Region gegeben. Zunächst war er selbst Mitglied und ging regelmäßig zum Training. Doch irgendwann wuchs in ihm der Gedanke, eine solche Sporthalle auch in Herscheid zu etablieren. Nach dem Erwerb eines dafür notwendigen Trainerscheins ist er nun dazu in der Lage, die Trainingspläne für seine Mitglieder auszuarbeiten. Einer der grundlegenden Unterschiede zu anderen Fitnessstudios: Im Crossfit werden verstärkt Gruppenkurse angeboten, bei denen die Teilnehmer gemeinsam die unterschiedlichen Elemente aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationsübungen absolvieren. Das fördere Teamgeist und Motivation, sagt Schirmer.

Doch mit den steigenden Fallzahlen vor Ort ließ auch die Resonanz schlagartig nach. „In den letzten zwei Wochen war es vergleichsweise ruhig“, erzählt Schirmer. Der erhoffte Schub an Neumitgliedern zum Jahreswechsel – der Zeit der guten Vorsätze – blieb aus.

So richtig ins Rollen kommt der Betrieb nicht, immer wieder erweise sich Corona als Bremsklotz. „Der Betrieb wächst sehr langsam, sodass wir weiter im Anfangsstadium stecken“, schätzt der Herscheider seine Situation ein. Von diesen strukturellen Hindernissen lässt er sich nicht entmutigen: Sein Projekt habe er trotz der Startschwierigkeiten längst nicht aufgegeben; er glaubt fest an dessen Erfolg. Immerhin sei er inzwischen in der Lage, durch die Mitgliedsbeiträge die laufenden Kosten zu bezahlen; mehr werfe der Betrieb zurzeit aber nicht ab.

Das kurzfristige Ziel müsse es sein, mehr Mitglieder zu gewinnen. Dafür will Mike Schirmer Firmen und Institutionen ansprechen. Um diese Gespräche zu vereinfachen, würde er es begrüßen, wenn die Regierung die Corona-Maßnahmen lockern würde. Das würde die Hemmschwellen senken, die zurzeit für viele mit dem Besuch einer Sporthalle wie dem Crossfit verbunden sind: Dann hofft der 48-Jährige, den durch die Pandemie verursachten schleppenden Startprozess abschließen und den Betrieb ankurbeln zu können.

Auch interessant

Kommentare