Einsatzkräfte fragen sich, wie sie mit der wachsenden Respektlosigkeit umgehen sollen

Feuerwehrmann bei Brandwache mit Messer bedroht

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Die Polizei rückte mit einem Diensthundeführer zur Herscheider Gemeinschaftshalle aus. 

Herscheid – Übergriffe auf Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr häufen sich auch im beschaulichen Herscheid. Ein Vorfall in der Gemeinschaftshalle erhitzt die Gemüter und wirft die Frage auf, wie mit der gesunkenen Hemmschwelle einiger Bürger umzugehen ist.

Ein Patentrezept für derlei Vorfälle hat auch Wehrleiter Andre Zimmermann nicht parat. Seit etwa zwei Jahren sei ein verändertes Verhalten in Teilen der Bevölkerung zu merken, meint er. Beleidigungen und Drängeleien seien keine Seltenheit mehr. 

Die Vorfälle in der Gemeinschaftshalle stellen vor diesem Hintergrund eine neue Dimension dar. Ein 24-jähriger Herscheider soll dabei Einsatzkräfte der Feuerwehr mit einem Messer bedroht haben. Verletzt wurde zwar niemand. Dennoch blieben die Mitglieder der Wehr ratlos und fassungslos zurück. 

Die Polizei-Pressestelle schildert den Vorfall in der Gemeinschaftshalle wie folgt: Sie wurde am vergangenen Samstag um 23.12 Uhr nach Herscheid gerufen. In der Halle feierte eine geschlossene Gesellschaft eine Hochzeit. 

Ein ungebetener Gast war dabei nach einem Gerangel des Gebäudes verwiesen worden. Der 24-jährige Herscheider war mit dieser Entscheidung allerdings nicht einverstanden. Er kehrte nach wenigen Minuten zurück zur Gemeinschaftshalle und war im Besitz eines Messers. Dieses richtete er in bedrohende Weise auf die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die wegen der Brandwache vor Ort war. 

Die Polizei, die auch mit einem Diensthundeführer und seinem Vierbeiner angerückt war, konnte den Aggressor überwältigen und in Gewahrsam nehmen. Den jungen Herscheider erwartet nun eine Anzeige wegen Bedrohung.

Nachvollziehbar oder begründbar sind solche Aktionen nicht. Mangelnden Respekt beklagte Andre Zimmermann bereits in der Vorwoche: Während die Feuerwehr eine Ölspur, die sich quer durch Herscheid zog, beseitigte, wurden die Einsatzkräfte von ungeduldigen Fahrern beschimpft: „Ich muss nach Hause, beeilt Euch“, seien noch die freundlichsten Bemerkungen gewesen. Andere Zeitgenossen ließen sich auch von Pylonen nicht abschrecken, die kurzerhand zur Seite geschoben wurden. 

In unschöner Erinnerung sind den Beteiligten auch die Begleiterscheinungen des Unfalls in den Silbergkurven Mitte Januar geblieben. Dabei hatte ein Senior die Aufforderungen der Polizei missachtet; er versuchte sich mit seinem Auto an der Warteschlange und dem Unfallort vorbeizudrängeln. Letztlich wollte er sogar eine Polizistin mit seinem Wagen zur Seite schieben, weshalb ihm letztlich die Schlüssel seines Fahrzeugs abgenommen wurden. 

Auch Probleme mit Gaffern an Unfall- und Einsatzorten nehmen zu. Ohne Scheu zücken Schaulustige ihre Handys, um Videos oder Bilder zu machen. Moralische Bedenken scheinen sie nicht zu kennen und auch keine Gewissensbisse, weil sie die Arbeit der Rettungskräfte möglicherweise behindern. 

Herscheids Wehrleiter spricht von einem gesellschaftlichen Problem: „Es geht um Respekt und um die Anerkennung unserer Arbeit. Unser Ziel ist es, Gefahren für die Bürger abzuwehren.“ 

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