Interview: Ein Jahr nach dem Räriner Tornado

„Festzelt ging senkrecht nach oben“

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Momente, die Thomas Felske vermutlich nie vergessen wird: Der Löschgruppenführer betrachtete am Tag nach dem Tornado das zerstörte Festzelt, das am 13. August 2018 senkrecht in die Luft gezogen, umhergewirbelt und einige 100 Meter vom Feuerwehrhaus in Rärin komplett zerstört auf eine Wiese krachte.

Herscheid – Seit 20 Jahren wohnt Thomas Felske in Rärin. Einen Tornado wie am 13. August letzten Jahres hat der Leiter der Feuerwehr-Löschgruppe Rärin noch nie erlebt. Im Interview mit Redakteur Dirk Grein spricht Felske über die Geschehnisse vor einem Jahr und die Auswirkungen auf das Bergfest.

Noch elf Tage bis zum Räriner Bergfest: Was überwiegt bei Ihnen – Vorfreude oder Anspannung? 

Felske: Beides. 14 Tage vorher wird es bei mir immer flau im Magen. Obwohl wir dieses Fest nun schon so lange ausrichten, gibt es immer wieder neue Herausforderungen – durch die Geschichte im letzten Jahr hat sich ohnehin einiges geändert. 

Wie präsent sind denn die Bilder vom 13. August 2018 bei Ihnen? 

Felske: Bei mir sind sie extrem präsent. Wir waren im Begriff, das Festgelände nach dem Fest aufzuräumen, als wir diese dunklen Wolken gesehen haben, die auf uns zukamen. Zu diesem Zeitpunkt waren nur acht Leute vor Ort. Wir haben uns dazu entschlossen, alles wetterfest zu machen. Dazu zählte auch, dass wir das große Festzelt sturmsicher machen wollten. Dann ging alles so schnell: Irgendwie merkte man, dass etwas in der Luft nicht stimmt; man spürte förmlich das Ansteigen des Luftdrucks. Ich stand in einer Bude, die plötzlich um zehn Zentimeter angehoben wurde. Als ich da rausgesprungen bin, sah ich, wie das Festzelt senkrecht in die Luft nach oben ging und meine Kameraden, zum Teil mit ihren Kindern und einer Ehefrau, durch die Luft flogen. Das sind Dinge, die man als Feuerwehrmann nur einmal im Leben erlebt. 

Aber Sie waren doch bereits an vielen Einsatzorten... 

Felske: Das stimmt. Aber wir Feuerwehrleute kommen ja bei unseren Einsätzen immer erst dann, wen schon etwas passiert ist. Das ist etwas ganz anderes, als wenn einem selbst etwas passiert. 

Glücklicherweise ist bei dem Tornado niemand ernsthaft verletzt worden. Was ist geblieben von diesem Vorfall? 

Felske: Auf dem Schaden sind wir sitzengeblieben, das zerstörte Zelt ist nicht ersetzt worden. Wir haben verschiedene Dinge bei der Versicherung eingereicht, aber da hat sich bis heute nichts getan. 

Erfreulich war die Ihnen entgegengebrachte Hilfsbereitschaft.

Felske: Auf jeden Fall. Sofort nachdem die Nachricht die Runde gemacht hatte, erklärte sich der Herscheider Motorradclub bereit zu helfen und auch die anderen Löschgruppen haben uns unterstützt. Das war eine große Solidargemeinschaft und ist es immer noch. Wir haben zum Beispiel von der Feuerwehr Brüninghausen Ausrüstung erhalten und die Kameraden aus Kleinhammer stellen uns auch Ausrüstung zur Verfügung, die dort nicht mehr benötigt wird. 

Wird es denn beim nächsten Bergfest wieder ein großes Festzelt geben?

Felske: Ja, das geht aber nur, weil die Herscheider Löschgruppe ihr Partyzelt bei uns aufbaut und somit zum Gelingen unseres abgespeckten Festes beiträgt. 

Stichwort abgespeckt: Der Tanzabend am Samstag entfällt in diesem Jahr. Ist das eine Konsequenz, die ausschließlich auf den Tornado zurückzuführen ist?

Felske: Nicht nur. Es war für uns immer schwierig, die zwei Tage zu stemmen. Das ist schon Knochenarbeit: der Aufbau, das Betreiben des Festes und das Aufräumen hinterher. Unsere Mitgliederzahl ist zwar in Ordnung, aber zehn Helfer mehr zu haben, wäre für solche eine Veranstaltung schon nicht schlecht. Ohnehin war der Samstagabend für uns eine organisatorische Herausforderung.

Was meinen Sie genau? 

Felske: Wir mussten das Gelände mit Absperrgittern absichern, unter anderem auch, weil wir versucht haben mit dem Sicherheitsdienst eine Einlasskontrolle durchzuführen. Wir haben eine umfangreiche Beleuchtung aufbauen müssen, um Parkplätze und Eingang auszuleuchten – all das fällt jetzt weg. Und wir haben in der Vergangenheit auch mit ein paar Leuten Ärger gehabt, die hier alkoholisiert hingekommen sind. Wenn man sich dann um 4 Uhr in der Nacht als Veranstalter vor das Festgelände stellen muss, um zu sehen, wie die Klamotten durch die Gegend fliegen und die Personen sich an die Wäsche gehen, dann fragt man sich schon, für wen man das überhaupt macht. 

Und wie lautet die Antwort auf diese Frage? 

Felske: Wir haben natürlich auch eine Verantwortung, weil kaum jemand noch solch große Veranstaltungen durchführt. Deswegen haben wir uns dazu durchgerungen, das Bergfest in diesem Jahr nur noch an einem Sonntag zu feiern, um die Logistikarbeit und auch die Kosten zu schmälern. 

Betreffen die Änderungen auch das Konzept für den Sonntag? 

Felske: Nein, der Frühschoppen hat sich bewährt und ist eine schöne Veranstaltung. Nach der Eröffnung durch die Jagdhornbläser spielt die Feuerwehr-Kapelle. Das sollte man auch erwähnen: Der Musikzug spendet seine Gage an unseren Förderverein und spielt sogar noch eine Stunde länger als üblich, wenn es gut angenommen wird. Auch Geschicklichkeitsspiel und Verpflegung bleiben erhalten. 

Wie zukunftsfähig ist diese Form des Bergfestes? 

Felske: Das hängt von mehreren Faktoren ab. Ursprünglich war es ja auch so vorgesehen, dass die Arbeiten für den Neubau des Feuerwehr-Gerätehauses in diesem Sommer schon in vollem Gange sind. Dann wäre ein Großteil unseres Parkplatzes weggefallen und wir hätten uns einschränken müssen. Wenn das neue Gerätehaus gebaut ist mit seiner großen Fahrzeughalle, dann könnten wir uns auch vorstellen, dass wir das Fest wieder anders gestalten. Wir warten dringend auf die Baugenehmigung und den Baustart. Vielleicht überdenken wir das Veranstaltungskonzept dann wieder. 

Was wünschen Sie sich denn für das Bergfest am 11. August? 

Felske: In erster Linie, dass wir nicht noch einmal so etwas erleben müssen und dass das Fest ohne Zwischenfälle gut über die Bühne geht. Und natürlich hoffen wir auf den Zuspruch aus der Bevölkerung und auf gutes Wetter.

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