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Fast fünf Jahrzehnte für den Wald da: Förster Klaus Kermes in den Ruhestand verabschiedet

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Von: Dirk Grein

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Herscheids Revierförster Klaus Kermes (Dritter von links) wurde von Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid und des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wird Synes Kelch (Dritter von rechts).
Herscheids Revierförster Klaus Kermes (Dritter von links) wurde von Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, der Forstbetriebsgemeinschaft Herscheid und des Regionalforstamtes Märkisches Sauerland in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wird Synes Kelch (Dritter von rechts). © Foto: Grein

Zufall oder Bestimmung? Als Klaus Kermes Anfang der 1970er Jahre zu einer Berufsberatung ging, da fischte er mit einem flinken Griff aus einem großen Stapel an Informationsblättern jenes mit der Überschrift „Der Revierförster“ heraus. Heute, fast 50 Jahre später, passen die Beschreibungen, die er damals las, zwar längst nicht mehr zu den veränderten Herausforderungen. Aber Klaus Kermes kann am Ende eines bewegten Berufsleben als Förster festhalten: „Das ist der schönste Beruf auf dieser Welt.“

Herscheid - Die Arbeit in der Natur, das Mitgestalten derselben, der Kontakt zu den Waldbesitzern – all das mache den Reiz dieser Tätigkeit aus, der in letzter Zeit jedoch arg gelitten habe. Vier Jahre lang habe er sich fast ausschließlich um „Müllentsorgung“ kümmern müssen, bedauert Kermes und zielt damit auf die Auswirkungen der Borkenkäfer-Plage an. Ganz wesentliche Aufgaben wie die Pflege der Bestände oder der Wegebau seien in dieser Zeit viel zu kurz gekommen, dafür habe der bürokratische Aufwand stark zugenommen.

Wenig verwunderlich also, dass Kermes seinem Ruhestand mit gemischten Gefühlen entgegenblick. Froh sei er, dass er sich fortan nicht mehr täglich um das Thema Borkenkäfer kümmern muss. Dennoch sei er auch enttäuscht, dass er begonnene Dinge jetzt nicht mehr gemeinsam mit den Bürgern zu einem Ende bringen könne; exemplarisch nannte er das Stichwort Gestaltung des Klimawaldes.

Startbedingungen in Herscheid schlecht

Bei seiner offiziellen Verabschiedung im Rathaus wurde Kermes mit Lob überhäuft. Bürgermeister Uwe Schmalenbach erinnerte an die schwierigen Startbedingungen: Als Kermes im Jahr 2014 seine Aufgaben in Herscheid übernahm, hätten die Kommune und die Forstbetriebsgemeinschaft wenig Freude am Wald gehabt. Damit spielte der Bürgermeister – ohne es konkret anzusprechen – auf die Schwierigkeiten im Umgang mit Kermes’ Vorgänger an.

Doch Verpasstes konnte aufgearbeitet, Kontakte reaktiviert werden. Kermes sei es gelungen, in Zusammenarbeit mit den gut 200 Mitgliedern der Forstbetriebsgemeinschaft wieder eine hervorragend funktionierende Einheit zu formen. Dies konnte auch dessen Vorsitzender Rolf Brühne bestätigen: „Wir sind auf einem guten Weg“, richtete er dankende Worte in Richtung des scheidenden Revierförsters.

Bürgermeister Schmalenbach ergänzte, dass Klaus Kermes zu einem der prägenden Gesichter des Herscheider Waldes geworden sei. Mit ihm verlieren die Waldbesitzer Fachkompetenz aus 47 Jahren Berufsjahren. Davon konnte auch Herscheids erfahrener Bauamtsleiter Lothar Weber profitieren: „Ich habe viel gelernt über Wald und dessen Bewirtschaftung“, erzählte Weber.

Nachfolger tritt in große Fußstapfen

Den eingeschlagenen Weg der Kommunikation will Synes Kelch fortsetzen: Der 23-jährige Forstinspektor hat Anfang November die Nachfolge von Klaus Kermes angetreten. „Es ist nicht die leichteste Zeit für einen solchen Beginn“, gibt Kelch zu. Ihm obliegt die Aufgabe, die Abfuhr der verbliebenen Borkenkäferbestände fortzusetzen und zugleich die entstandenen Flächen wieder dem Wald zu überführen.

Dabei wird der junge Mann aus Ennepetal den Kontakt zu den Waldbesitzern, die in der Forstbetriebsgemeinschaft vereint sind, suchen, um gemeinsam nach den bestmöglichen Nutzungsmöglichkeiten zu suchen.

Für diese Mammutaufgabe wünschte ihm Klaus Kermes ein sicheres Händchen und gute Entscheidungen. Zudem versicherte er seinem Nachfolger, in Herscheid eine „wunderschöne Gemeinde“ vorzufinden, in der man sich beruflich wohlfühlen könne. Er sei zwar seit 31 Jahren in Valbert heimisch, wisse aber die Vorzüge der Ebbegemeinde zu schätzen, so Kermes. Daher werde er auch im nun beginnenden Lebensabschnitt des Ruhestandes sicherlich viele Abstecher nach Herscheid machen.

Zudem wolle er sich verstärkt seinem Hobby, der Jagd, widmen, aber auch dem Reisen, dem Lesen und der Schafzucht. Aber zunächst werde er sich sechs Wochen lang in einen Schaukelstuhl setzen, erklärte Kermes mit einem Lächeln – und schob nach: „Danach fange ich dann an zu schaukeln.“

Drei Fragen an den scheidenden Revierförster Klaus Kermes

Herr Kermes: Sie gehen zu einem speziellen Moment in den Ruhestand: Sind Sie froh, dass die Borkenkäfer-Problematik Sie nun nicht mehr täglich beschäftigt, oder doch eher traurig, dass Sie diesen Prozess des Wandels nicht zu einem Ende bringen können?

„Ich gehe mit einem lachenden und weinenden Auge. Lachend, weil ich aus diesem Stress ausbrechen kann, der eigentlich mit meinem Wunsch, Förster zu sein, nicht kompatibel ist. Damit meine ist das permanente Abschneiden und Aufmessen von Holz. Ich bin froh, dass ich diesen Verwaltungsstress nicht mehr habe. Traurig bin ich, weil ich das Gefühl habe, den Aktiven ein Stück angebissenes Brötchen zu hinterlassen.“

Wie ist die Perspektive für unseren Wald: Ist er tot?

„Nein, der Wald ist definitiv nicht tot. Er wird diverser und er wird jünger werden. Möglicherweise werden wir nicht mehr mit solch langen Umtriebszeiten rechnen können wie jetzt im Augenblick, da wir 80 bis 100 Jahre für eine Fichte rechnen. Fichte wird sowieso deutlich an Gewicht verlieren. Ich glaube aber nicht, dass sie gänzlich verschwinden wird, es wird meiner Meinung nach immer noch Standorte geben, an denen auch die Fichte ihr Auskommen finden wird.“

Was wünschen Sie sich für den Herscheider Wald?

„Ich wünsche mir, dass wir einen Wald finden werden, der den zukünftigen Herausforderungen gewachsen ist. Ich glaube noch nicht, dass es mit dem Klimawandel zu Ende ist. Die günstigen Prognosen besagen, dass noch eine weitere Erwärmung stattfinden wird. Daher wünsche ich mir, dass der Wald klimafest wird und bleibt – das schafft er nur, wenn er divers ist.“

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