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Falsche Polizisten: 9 Betrugsversuche in 3 Straßen an 1 Vormittag

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Von: Dirk Grein

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Neun Senioren aus Herscheid erhielten am Dienstag Anrufe von falschen Polizisten.
Neun Senioren aus Herscheid erhielten am Dienstag Anrufe von falschen Polizisten. © Foto: polizeiberatung.de

Taschendiebstähle in Werdohl, Meinerzhagen und Altena, ein Raub in einer Tiefgarage in Lüdenscheid. Bei all diesen Fällen waren am Wochenende Senioren die Opfer. Auch in Herscheid trieben Betrüger ihr Unwesen: Sie gaben sich am Telefon als Polizisten aus und tischten ihren Gesprächspartnern Lügengeschichten auf, mit der Absicht, diese hinters Licht zu führen.

Herscheid - Die Masche der „Falschen Polizisten“ sei nicht neu, sagt Herscheids Bezirksdienstbeamte Dagmar Eckhardt. Die Intensität am Dienstagvormittag sei allerdings beachtlich und erschreckend gewesen: Insgesamt neun Fälle dieser Trickanrufe wurden der echten Polizei aus Herscheid gemeldet. Auffällig dabei: Die Betroffenen stammen aus drei Straßenzügen, nämlich der Bergstraße, der Jahnstraße und dem Müggenbruch.

Zwar habe es derlei geballte Vorfälle bereits in umliegenden Kommunen gegeben. „Aber derart massiv hatten wir das in Herscheid noch nicht“, erzählt die Bezirksdienstbeamte. Um die Bürger zu sensibilisieren, schildert sie die Vorgehensweise der Betrüger.

Tasche mit Diebesgut und Adresszettel

Diese hatten in allen Herscheider Fällen gezielt Personen angerufen, die aufgrund ihres Namens auf ein älteres Baujahr geschätzt wurden. Die Anrufer stellten sich als Mitarbeiter der Kriminalpolizei vor – mal mit der Ortsangabe Köln, in anderen Fällen aber auch aus Lüdenscheid. „Wir haben eine Tasche mit Diebesgut entdeckt. Darin befand sich ein Zettel mit Ihrer Adresse“, in etwa so lautete die erfundene Geschichte, die den Herscheidern erzählt wurde.

Das Bild, das dadurch bei den Angerufenen erzeugt werden sollte: Ein Einbruch bei den Bürgern stehe unmittelbar bevor, das eigene Hab und Gut sei nicht länger sicher. Ein Gedanke, der einige Bürger verständlicherweise ins Grübeln brachte. Sie berichteten Dagmar Eckhardt davon, dass die Anrufer geschickt vorgingen und mit ihren Ausführungen unterschwellig Druck ausübten.

So sieht Herscheids richtige Polizistin aus: Dagmar Eckhardt warnt vor den Maschen der Betrüger.
So sieht Herscheids richtige Polizistin aus: Dagmar Eckhardt warnt vor den Maschen der Betrüger. © Archivfoto: Grein, Dirk

Dennoch kann Dagmar Eckhardt erleichtert feststellen, dass alle neun angerufenen Senioren sich richtig verhalten haben: Sie ließen sich von den falschen Polizisten nicht einwickeln und beendeten das Gespräch meist vorzeitig. Termine seien nicht vereinbart und auch keine persönlichen Angaben preisgegeben worden.

Wortgewand und mit technischen Tricks

Aus Erfahrung weiß die Bezirksdienstbeamte, dass diese Masche nicht selten zum Erfolg führt, zum Leidwesen der Senioren. Manche der Angerufenen lassen sich auf ein Angebot der falschen Polizisten ein und übergeben diesen vorsichtshalber bei einem vereinbarten Treffen in der Wohnung Geld und Wertgegenstände, damit diese nicht von möglichen Einbrechern gestohlen werden können. So weit sei es in der Ebbegemeinde aber glücklicherweise nicht gekommen. Eine Besonderheit sei bei den Anrufen in Herscheid aufgefallen: Ein Senior hatte sich die Rufnummer, die während des Anrufs der Betrüger auf seinem Telefonapparat angezeigt wurde, notiert und wählte diese anschließend zurück. Tatsächlich gelangte er auf diese Weise zur Polizei nach Lüdenscheid, die aber natürlich nicht zuvor bei dem Herscheider angerufen hatte. Die Betrüger, die oftmals in Banden agieren, scheinen nicht nur wortgewandt zu sein, sondern auch über technische Tricks zu verfügen, damit ihre Masche authentischer wirkt.

Aufgrund der Häufung der Trickanrufe warnt Dagmar Eckhardt die Bürger: „Vereinbaren Sie auf keinen Fall Termine mit diesen Anrufern und lassen Sie keine fremden Personen ins Haus.“ Auch sollte man nicht versuchen, die Täter zu entlarven. Stattdessen sollte man die Telefonate umgehend beendet, wenn man merke, dass sie einen betrügerischen Hintergrund haben, und umgehend die Polizeiwache in Plettenberg anrufen unter Tel.: 0 23 91 / 91 99 - 0.

Kontakt: Wer Fragen zu dieser oder anderen Betrugsmaschen hat, der erreicht Dagmar Eckhardt im Herscheider Rathaus unter Tel.: 0 23 57 / 90 93 35.

„Ältere Menschen leiden ungleich stärker unter den Folgen eines Betrugs als jüngere“

„Im Zweifelsfall immer auf Nummer sicher gehen“, so lautete die Botschaft des Internet-Vortrags, zu dem das Herscheider Seniorenzentrum am Donnerstag eingeladen hatte. Dabei erklärte Kriminalhauptkommissar Rüdiger Heil, wie man sich vor Kriminalität im Alter schützt. Er schilderte, wie geschickt die Täter vorgehen: Sie erbeuten oftmals hohe Geldsummen von arglosen Seniorinnen und Senioren. Neben dem reinen Verlust der Ersparnisse oder Wertsachen spielen für die Opfer die psychischen Folgen eines solchen Erlebnisses eine große Rolle. „Gerade ältere Menschen leiden ungleich stärker unter den Folgen eines Diebstahls oder Betrugs als jüngere“, erklärt der Experte. Er ergänzte: „Das Wissen, einer Diebstahl- oder Betrugsmasche aufgesessen zu sein, ist oftmals mit großer Scham und dem Gefühl der eigenen Schwäche verbunden.“
Daher gab Rüdiger Heil Tipps, wie man derartige „Maschen“ rechtzeitig erkennen kann. Prinzipiell gelte: Fühle man sich in einer Situation nicht wohl, sei es am Telefon oder an der Haustüre, sollte man auf Nummer sicher gehen. „Legen Sie einfach auf oder schließen Sie die Türe“, so Heil. Dann empfiehlt es sich, sich an eine Vertrauensperson zu wenden oder die 110 anzurufen. „Vertrauen Sie auf ihr Bauchgefühl. Die Polizei wird sie telefonisch niemals nach ihren Vermögensverhältnissen oder ihrer Bargeldmenge im Haus fragen. Genauso wenig wird eine Art Kaution verlangt, falls ein Familienangehöriger in einen Unfall verwickelt ist.“

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