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Fahrschule gibt Standort auf: Nachfolge bereits gefunden

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Von: Maximilian Birke

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Schon umgestaltet ist das Schaufenster der Fahrschule. Weiß-gelbe Schrift weist darauf hin, dass an dieser Stelle nicht länger Dieter Martin unterrichtet, sondern die Fahrlehrer von Block und Kirchhoff aus Plettenberg.
Schon umgestaltet ist das Schaufenster der Fahrschule. Weiß-gelbe Schrift weist darauf hin, dass an dieser Stelle nicht länger Dieter Martin unterrichtet, sondern die Fahrlehrer von Block und Kirchhoff aus Plettenberg. © Birke, Maximilian

Das Schaufenster an der Lüdenscheider Straße 23 hat ein neues Gesicht. Türkisblaue Lettern wurden durch einen weiß-gelben Schriftzug ersetzt: Fahrlehrer Dieter Martin hat seinen Standort an dieser Stelle aufgegeben, die Fahrschule Block und Kirchhoff hat den Mietvertrag übernommen.

Herscheid - „Für zwei Personen ist der Betrieb von zwei Fahrschulen einfach zu viel“, sagt Dieter Martin. „Der Laden lief wirklich gut“, ergänzt er, zu zweit könne man allerdings nicht gewährleisten, dass die Fahrschüler regelmäßig und möglichst ohne längere Pausen Termine für den praktischen Fahrunterricht erhalten.

„Ich habe über ein halbes Jahr nach einem neuen Fahrlehrer gesucht“, berichtet Dieter Martin. Einen Standort in Herscheid zu erhalten, habe ihm am Herzen gelegen, denn in der Ebbegemeinde war der Fahrlehrer seit mehr als 26 Jahren vertreten. Als die Fahrlehrersuche aber im Sande verlief, musste Martin eine Entscheidung treffen. „Der Fahrlehrermarkt ist nun mal leer. Es ist schade, wenn man einen Standort schließen muss; aber zwei volle Fahrschulen zu haben, in denen die Schüler unzufrieden werden, weil sie zu lange auf praktische Fahrstunden warten müssen – damit ist auch niemandem geholfen. Es schadet letztlich nur dem Ruf der Fahrschule.“

Die Zweigstelle an der Lüdenscheider Straße gab Dieter Martin daher zum 31. Dezember 2021 auf. „Mir ist das nicht leicht gefallen“, sagt er. „Aber es war vernünftig, auch meinen Fahrschülern gegenüber.“ Gerüchte, dass Martin die Zweigstelle wegen mangelnder Nachfrage schließen musste, weist er zurück. Es sei seine freiwillige Entscheidung gewesen. Den Hauptstandort in Plettenberg gibt es zudem weiterhin. Dort können die Fahrschüler aus Herscheid ihren Führerschein nun auch zu Ende machen. „Wir machen dort jetzt zu zweit weiter und haben für die Terminvergabe in Zukunft wieder mehr Möglichkeiten“, so Martin.

Einen länglichen Konferenztisch gibt es in der Fahrschule: Geschäftsführer Patrick Mey (rechts) erklärt, dass dieser eine Sonderanfertigung ist.
Einen länglichen Konferenztisch gibt es in der Fahrschule: Geschäftsführer Patrick Mey (rechts) erklärt, dass dieser eine Sonderanfertigung ist. © Birke, Maximilian

Seine ehemaligen Schulungsräume standen allerdings nach der Aufgabe des Standortes nicht leer. Nahtlos hat zum 1. Januar die Fahrschule Block und Kirchhoff aus Plettenberg den Mietvertrag für die Immobilie übernommen. „Es bot sich an, die Räume einer alteingesessenen Fahrschule zu übernehmen, deren Standort viele Menschen kennen“, sagt Geschäftsführer Michael Kirchhoff. Mit zehn Mitarbeitern und vier Auszubildenden, die wohl bis Ende 2022 voll im Betrieb eingesetzt werden können, stellt es für Block und Kirchhoff kein großes Problem dar, die Fahrschule in Herscheid so zu betreiben, dass keine langen Wartezeiten entstehen.

Zum 1. Januar eröffnete Kirchhoff neben dem Standort in Herscheid auch einen weiteren in Neuenrade. Das Fahrschulunternehmen hat damit seit Jahresbeginn acht Standorte, die sich auf sechs Kommunen im Märkischen Kreis und im Kreis Olpe verteilen.

„Wir haben uns im Team zusammengesetzt und uns gefragt, ob wir die Erweiterung schaffen können. Aber es ist eine einmalige Chance und der Tenor war: ,Wenn nicht jetzt, wann dann’“, so Kirchhoff. Zeitgleich mit der Fahrschule in Herscheid wurde ein weiterer Standort in Neuenrade eröffnet. „Wir wollten uns noch breiter aufstellen“, erklärt Kirchhoff diesen Schritt.

Fahrlehrer in Ausbildung

Die Fahrschule Block und Kirchhoff hat zwar keinen akuten Bedarf an Fahrlehrern, berichtet aber auch, dass es derzeit schwierig sei, gutes Personal zu finden. „Der Markt ist leer“, sagt Michael Kirchhoff. Vier junge Fahrlehrer sind bei dem Plettenberger Unternehmen derzeit in Ausbildung. Sie gehen in Unna und Köln zur Schule, werden in Zukunft im praktischen Fahrunterricht zuerst hospitieren, bevor sie voll in den Beruf einsteigen. Letzteres wird bei den ersten Nachwuchskräften frühestens im August der Fall sein. Die Auszubildenden seien sehr motiviert, sagt Patrick Mey. Ein wichtiger Faktor für das Unternehmen, um den nächsten Expansionsschritt zu gehen. Mey betont, dass Fahrlehrer in der ganzen Branche gesucht werden. Insofern apelliert er an interessierte Menschen den Schritt zu gehen und sich ausbilden zu lassen, um dann in einem Unternehmen durchzustarten. Die Ausbildung zum Fahrlehrer dauert insgesamt anderthalb Jahre.

In der Ebbegemeinde hat man die Räume nach den eigenen Vorstellungen umgestaltet, berichtet Michael Kirchhoff. Die Einrichtung wurde geändert, den Räumen ein frischer Anstrich verpasst. Von der Fahrschule Martin ist fast nur der Beamer geblieben.

Angeboten werden in Herscheid Grundschulungen für alle Fahrzeugklassen mit Ausnahme von Bussen. Besonders wichtig ist dabei natürlich der Unterricht für Autos und Motorräder. Über den Grundstoff hinaus gibt es Zusatzunterrichte, die sich mit spezielleren Themen befassen. Sie finden abwechselnd an verschiedenen Standorten statt, je nachdem welcher Fahrlehrer gerade wo eingesetzt ist. Egal, ob Grund- oder Zusatzstoff: „Wir versuchen, möglichst auf Frontalunterricht zu verzichten“, erklärt Michael Kirchhoff. Stattdessen sitzen die Schüler an einem eigens für Block und Kirchhoff entworfenen Konferenztisch, der in Plettenberg gefertigt wurde.

Die Erweiterung nach Herscheid ist auch von Vorteil, weil Block- und Kirchhoff den Standort in Plettenberg haben. Die Öffnungszeiten sind aber verschieden und ergänzen sich, sodass Fahrschüler, die es eilig mit dem Führerschein haben, in Plettenberg und Herscheid quasi täglich Theoriestunden besuchen können. „Das ermöglicht eine große Flexibilität“, sagt Michael Kirchhoff.

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