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Experte warnt: Zeit der Billig-Energie ist vorbei

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Von: Stefanie Vieregge

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Häufig sind die Wärmeverluste im Bereich der Fenster groß, wie dieses Wärmebild einer Immobilie zeigt.
Häufig sind die Wärmeverluste im Bereich der Fenster groß, wie dieses Wärmebild einer Immobilie zeigt. © hase / DPA

Schneefall, Kälte, Frost: Wohl nie zuvor haben sich die Menschen hierzulande so viele Gedanken gemacht, wie sie warm durch den Winter kommen und dabei Energie sparen können. Dieses aktuelle Thema griff Herscheids Klimaschutzmanager Simon Mai auf: Er lud zu einem Energiedialog in die Aula des Bildungszentrums am Rahlenberg.

Herscheid – Als Referent gab dabei Sebastian Rittner seinen Zuhörern wichtige Tipps an die Hand. Der Diplom-Ingenieur aus Plettenberg hatte einst sein Hobby Thermodynamik zum Beruf gemacht und arbeitete lange Jahre bei einem bekannten Hersteller für Klimatechnik. Er begann seinen Vortrag mit einer eindringlichen Warnung in Bezug auf den Klimawandel: Die Zeit der „billigen Energie“ sei endgültig vorbei. Rittner mahnt, dass das Klimaziel von 1,5 Grad Celsius erreicht werden müsse, um die bereits ausufernden Wetterkatastrophen noch halbwegs beherrschbar zu machen, und dass in den nächsten fünf Jahren drastische Maßnahmen zum Energieumbau ergriffen werden müssten, um die CO2-Reduktion bereits bis zum Jahr 2030 gewährleisten zu können.

Er gab dabei zwei Dinge zu bedenken: Zum einen, dass in Zukunft nicht nur die Kosten für Energie, sondern auch für Versicherungen und Steuern stark angehoben werden, denn irgendwer müsse am Ende die „astronomischen Summen“ für den Wiederaufbau bezahlen – als Beispiel nannte er das von dem Hochwasser im letzten Jahr besonders stark getroffene Ahrtal. Zum anderen behandelte Rittner die mögliche Frage der jüngeren Generation im Jahr 2035, warum wir trotz aller Warnungen und Kenntnisse nichts unternommen haben, um dem Klimawandel entgegenzutreten. „Ich stehe hier aus Eigennutz, denn wenn wir jetzt nicht handeln, wird es in Zukunft richtig teuer“, so Rittner.

Klimaanlage mit umgekehrter Funktion

Zunächst stellte er die Luft-Luft-Wärmepumpe als mögliche Heizvariante vor. Das Prinzip dieses Gerätes – oder vielmehr einer Klimaanlage mit eingebauter Wärmepumpenfunktion – ist simpel und für etwa 4 000 Euro inklusive Einbau erhältlich. Das Außengerät entzieht der Luft die Wärme und transportiert sie via Rohrsystem nach innen, wo sie über das Klimagerät wieder abgegeben wird, eben eine Klimaanlage in umgekehrter Form.

Doch dabei funktioniert nichts ohne Strom, und auf die Frage nach der Amortisation musste Rittner unter Verweis auf die erhöhten Strompreise etwas zurückrudern. Mit einer eigenen Photovoltaikanlage unterstütze man selbstverständlich die Verbrauchskosten, dieser stehen jedoch erneute Anschaffungskosten von etwa 15 000 Euro aufwärts gegenüber.

Referent Sebastian Rittner untermalte seinen Vortrag in der Aula des Bildungszentrums mit Bildern – wie hier von einem Außengerät einer Wärmepumpe.
Referent Sebastian Rittner untermalte seinen Vortrag in der Aula des Bildungszentrums mit Bildern – wie hier von einem Außengerät einer Wärmepumpe. © vieregge

Die Wärmepumpe wird mit rund 25 Prozent vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) gefördert, die Ausschüttung der Fördergelder erfolge aber nur nach Verfügbarkeit und vor allem zu einem späteren Zeitpunkt. Man sollte daher in der finanziellen Lage sein, für den Einbau komplett in Vorleistung zu treten.

Im zweiten Teil stellte Rittner die spektakuläre Entwicklung der Fenstertechnik vor. In den 1970er Jahren konnte man in den Wintermonaten aufgrund der einfachen Verglasung fantastische Eisblumen an den Scheiben bewundern, was gleichzeitig auf die geringe Wärmedämmung verwies. Heute dagegen lassen sich mit gut isolierten Fenstern bis zu 20 Prozent Heizkosten einsparen.

Fenster: Auf den Rahmen kommt es an

Die Scheiben spielen dabei nicht einmal eine so große Rolle, betonte Rittner: „Auf den Rahmen kommt es an.“ Egal ob Holz, Aluminium oder Kunststoff – wichtig seien die als Isolierung eingebauten Luftkammern, um die Wärme zu halten.

Ganz vermeiden lasse sich der Wärmeverlust jedoch nicht, und da Fenster nicht „atmen“ wie zum Beispiel Holz, geben sie die Wärme ganz stur von innen nach außen ab, und das gleichmäßig sowohl an der Nord-, auch an der Südseite des Hauses. Beim Stichwort „Wärmeleitfähigkeit“ sollte daher darauf geachtet werden, ob man von den Scheiben an sich, vom Rahmen oder vom Fenster als gesamtem Bauteil spricht.

Für die sprichwörtlichen Fakten rechnete Rittner anhand eines Beispiels den Wärmeverlust über die im Haus verbauten Fenster in Kilowattstunden (kWh) aus, der zwischen den bereits aktuellen zweifach verglasten Thermopane-Scheiben und einer modernen dreifachen Wärmeschutzverglasung mit thermisch getrennten Rahmen besteht (15 Fenster im Beispiel). Ergebnis: 38 kWh pro Tag, die über schlecht isolierte Fenster einfach „verschwinden“. In den 1970er Jahren war es zum Vergleich sogar das Sechsfache.

Der Referent beantwortete bereits zwischendurch etliche Fragen aus dem Publikum und stand auch im Anschluss noch für weitere Fragen zur Verfügung.

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