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„Et es ne dulle Welt“ – das galt schon vor 80 Jahren

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Von: Dirk Grein

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Wirt Mecki Brinker (Zweiter von links) überreichte den Heimatfreunden Dr. Klaus Hüttebräucker (links), Gerd Holthaus (Zweiter von rechts) und Winfried Junker neben zwei Fotografien aus seinem Familienbesitz ein Bild des Herscheider Malers Heinz Wever. Dieses zeigt den ehemaligen Gastwirt Ewald Schmidt beim Kartenspielen.
Wirt Mecki Brinker (Zweiter von links) überreichte den Heimatfreunden Dr. Klaus Hüttebräucker (links), Gerd Holthaus (Zweiter von rechts) und Winfried Junker neben zwei Fotografien aus seinem Familienbesitz ein Bild des Herscheider Malers Heinz Wever. Dieses zeigt den ehemaligen Gastwirt Ewald Schmidt beim Kartenspielen. © Dirk Grein

Osterfreude im Spieker: Als Andenken an den Hubertushof überlässt Wirt Mecki Brinker dem Geschichts- und Heimatverein zwei Fotografien und ein Wever-Gemälde – sie spiegeln einen Teil der Geschichte des inzwischen geschlossenen Gasthauses wider.

Herscheid - Bei einem Flohmarkt hatte die Familie Brinker einen Großteil des Inventars veräußert. Die genannten Bilder allerdings nicht. „Die sind im Spieker am Besten aufgehoben“, erläutert der Wirt im Ruhestand.

Die beiden Fotos hingen bis vor wenigen Tagen im Thekenraum des Hubertushofes. Auf einem ist Hubert Brinker (Vater von Klaus-Dieter, genannt Mecki) bei der Arbeit am Zapfhahn zu sehen. Das andere zeigt Herscheider Originale wie Richard Hüsmert, Heinrich Weber und Günther Herzhoff bei einer ihrer Frühschoppenrunden.

Der Vorgänger der Familie Brinker

Eine ebenso typische Szene, bereits aus dem Jahr 1940, hat der über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Maler Heinz Wever festgehalten: Sein Aquarell zeigt Ewald Schmidt beim Kartenspielen, ebenfalls im Thekenraum der Gaststätte, die damals noch nicht Hubertushof hieß. „Ewald Schmidt war seit 1926 Chef des Gasthauses Schmidt und damit Vorgänger der Familie Brinker“, weiß Dr. Klaus Hüttebräucker, Vorsitzender des Geschichtsvereins.

„Und er war auch Lehrer“, ergänzt Mecki Brinker bei der Übergabe der Bilder – und sorgt damit sogleich für angeregte Gespräche in Reihen der Heimatfreunde. Von dem Dom-Hotel ist die Rede, dem Spitznamen, den Gasthof Schmidt und später der Hubertushof aufgrund der Nähe zur Apostelkirche trugen. Und davon, dass das Gebäude einst aus Lehm gebaut und nachträglich von der Familie Brinker unterkellert worden ist.

Ein grundlegender Umbau steht dem Gasthaus außer Dienst unmittelbar bevor: Mit den Grundmauern soll zwar die Hülle erhalten bleiben, doch der Inhalt werde in wenigen Wochen verändert. Zwei Wohnungen und zwei Appartements sollen entstehen, erzählt Brinker von den Plänen des neuen Besitzers.

Dass es einmal keinen Nachfolge-Wirt für den Gasthof geben würde, damit hätte wohl auch Vorbesitzer Ewald Schmidt zu Lebzeiten nicht gerechnet. Das Bild, das ihn als fröhlich ausschauenden und zigarrerauchenden Doppelkopfspieler zeigt, wurde von Heinz Wever unterschrieben mit den Worten: „Dann muß ich Dir wohl mal ein Kontra geben!“

Im Heimathaus Spieker soll das Bild einen würdigen Platz erhalten: Wie Dr. Hüttebräucker verrät, soll es neben der Kohlezeichnung eines Zeitgenossen, dem Gastwirt Richard Kleb aus dem Gasthof Zum Adler, aufgehängt werden. „Heinz Wever hat seinen Freund Richard etwa zur gleichen Zeit gemalt“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Bemerkenswert: Der Maler zitiert den Mann mit dampfender Pfeife mit den Plattdeutschen Worten: „Et es ne dulle Welt! Et sall miak wunderern, wat dat noch giat!“ Dieser Ausspruch der (frei übersetzt) verrückten Welt, passe mehr denn je in die heutige Zeit, befindet Dr. Hüttebräucker: „Das zeigt doch, dass sich das gesellige Zusammensein, aber auch die Sorgen in den 80 Jahren nicht grundsätzlich verändert haben.“

Neue alte Exponate gibt es immer wieder

Generell sei der Geschichtsverein in der erfreulichen Lage, immer wieder „neue“ Ausstellungsstücke zu erhalten. Nicht alle Exponate werden direkt im Spieker ausgestellt, dieser soll nicht überladen wirken. Als Lager kann der Verein auf Räume in der alten Grundschule zurückgreifen. Dieses werde einmal im Jahr für interessierte Besucher geöffnet.

Regelmäßiger (einmal pro Monat) kann der Spieker besichtigt werden. Dort steht neben den Wohnräumen der Dachboden als Ausstellungsfläche zur Verfügung, wo immer wieder Sonderausstellungen angedacht sind, zuletzt zu den Themen Projektoren und Puppenhäuser

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