Erinnerungen an die Kindheit: Projekt „Es war einmal“ bietet Stücke mit viel Musik

Theater für Demenzerkrankte

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„Rapunzel, lass dein Haar herunter“: Mit einfachen Mitteln verwandelten die Schauspielerinnen Melanie Weitz und Caroline Jakubowski das Bistro des Seniorenzentrums zur Märchenstube und stimmten gemeinsam mit ihnen Kinderlieder an.

HERSCHEID - „Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“. Dieses Lied erkennen die Senioren sofort. Einige wippen mit dem Fuß, andere summen die Melodie; ein Mann singt sogar laut, aber auch textsicher mit.

Kinderbesuche, Musiknachmittage, ja sogar ein Gastspiel eines mobilen Zoos – im Seniorenzentrum Herscheid wird den Bewohnern allerhand geboten. Der Auftritt des Projekts „Es war einmal“ fügt sich in diese Reihe der außergewöhnlichen Veranstaltung nahtlos ein. 

Die beiden Schauspielerinnen Melanie Weitz und Caroline Jakubowski haben sich auf Theaterstücke für Demenzerkrankte spezialisiert. „Wir mögen alte Menschen“, sagen beide. Stundenlang könnten sie den Lebensgeschichten der Senioren zuhören. 

Mit den Theaterstücken laden sie zu Erinnerungsreisen in die Kindheit ein. „Auf diese Weise können wir den Menschen etwas zurückgeben, es ist wie eine Art Dankeschön“, meint Melanie Weitz. 

Gemeinsam mit Experten aus der Altenpflege wurden daher verschiedene Stücke entwickelt, die die Senioren dort abholen sollen, wo ihre Erinnerungen aktiviert und Gefühle geweckt werden. 

Die Bewohner des Seniorenzentrums Herscheid erleben eine Märchenstunde – mit dem Stück „Rapunzel“. Dabei schlüpfen die beiden Schauspielerinnen aus Köln in verschiedene Rollen, erzählen die Geschichte des Mädchens Rapunzel, das von einer Zauberin in einem hohen Turm eingesperrt wird. 

Auffällig ist die Vielzahl an bekannten Kinderliedern, die ursprünglich nicht in Verbindung mit dem Märchen stehen. Aber genau damit erreichen die beiden jungen Frauen die Senioren: Lieder wie „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp“ oder „Der Kuckuck und der Esel“ sind den 30 Zuschauern sichtlich vertraut und sorgen – wie eingangs erwähnt – für glückliche Gesichter. 

Genau diese Reaktion hat sich Caroline Jakubowski erhofft: „Es macht uns glücklich, wenn unsere Zuschauer lächeln.“ Dass sei bei Auftritten vor Demenzerkrankten nicht selbstverständlich. 

„Die Reaktionen fallen ganz unterschiedlich aus“, berichtet Melanie Weitz von einem Herren, der bei einem früheren Auftritt mit seinem Rollator quer über die Bühne gegangen ist. „Davon darf man sich dann aber nicht aus der Ruhe bringen lassen“, meinen die beiden Schauspielerinnen, die seit vier Monaten mit ihrem Projekt unterwegs sind. 

Im Herscheid stößt „Rapunzel“ auf positive Resonanz, was sicherlich nicht nur an dem glücklichen Ausgang der Geschichte liegt. Die von den Zuschauern geforderte Zugabe wird prompt erfüllt: Gemeinsam singen Senioren und Schauspielerinnen das Kinderlied „Kommt ein Vogel geflogen“ – Textzettel sind dabei nicht notwendig.

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