Warten auf das Votum

Erholungsort Herscheid? Expertenkommission zu Gast in der Ebbegemeinde

Die Gemeinde im Grünen: Vom Robert-Kolb-Turm aus ließen die Besucher der Bezirksregierung Arnsberg bei idealen Sichtverhältnissen den Blick schweifen über die Ortschaft Reblin hinweg in Richtung der Herscheider Ortsmitte.
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Die Gemeinde im Grünen: Vom Robert-Kolb-Turm aus ließen die Besucher der Bezirksregierung Arnsberg bei idealen Sichtverhältnissen den Blick schweifen über die Ortschaft Reblin hinweg in Richtung der Herscheider Ortsmitte.

Sechs Stunden lang nahmen die Besucher die Gemeinde genau unter die Lupe: Sie erlebten die touristischen, aber auch die landschaftlichen Vorzüge der Gemeinde, vollzogen den Wandel von Geschichte hin zur Moderne und genossen die Aussicht vom höchsten Punkt des Märkischen Kreises. Im Rathaus hofft man nun auf ein baldiges Signal aus Arnsberg – denn Herscheid möchte staatlich anerkannter Erholungsort sein.

Herscheid - „Ich denke, wir haben uns gut präsentiert“, fasst Bürgermeister Uwe Schmalenbach einen erlebnisreichen Tag zusammen. Diesen gestaltete er gemeinsam mit Mitarbeitern aus dem Rathaus, aber auch mit ehrenamtlichen Helfern aus den heimischen Vereinen. Sie alle empfingen am Montagmorgen drei Mitglieder der Besuchskommission, entsandt von der Bezirksregierung, im Rathaus.

Dort gab der Bürgermeister zunächst einen Einblick in die Geschichte seiner Heimatgemeinde und spannte den Bogen zur Gegenwart, wobei er insbesondere die städtebauliche Entwicklung der letzten Jahre hervorhob. Passend dazu präsentierte er den Gästen eine Auswahl an elf Dingen, die man in Herscheid getan haben sollte.

Touristischer Magnet: Udo Feldhaus von der Museumseisenbahn zeigte der Delegation den Hüinghauser Lokschuppen.

Das Besprochene galt es bei einem Spaziergang hautnah zu erleben: Vom Rathaus aus ging es über die Straße Auf dem Rode und die Oberdorfstraße entlang des Friedhofs in Richtung Ortskern. Dort lud Dr. Klaus Hüttebräucker, Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, zu einem Rundgang durch das Heimathaus Spieker ein. Im Anschluss sahen die Besucher den Alten Schulplatz und die Dorfwiesen, ehe im Hotel „Zum Adler“ eine Stärkung zur Mittagszeit wartete.

An diese Pause anschließend stand Fahrer Reinhardt Merkschien bereit, um alle Beteiligten mit dem Bürgerbus durch die Gemeinde zu chauffieren. Die ersten Stationen bei schönem Herbstwetter waren das Bildungszentrum Rahlenberg und das Freibad. Danach ging es hoch hinauf zur Nordhelle, wo sich vom Robert-Kolb-Turm aus eine herrliche Aussicht auf weite Teile der Ebbegemeinde und ihrer Umgebung bot.

Historische Züge und eine Sagenbank

Als touristisches Zugpferd präsentierte sich die Märkische Museumseisenbahn: Vorsitzender Udo Feldhaus führte die Besucher über das Bahnhofsgelände in Hüinghausen und gewährte Einblicke in den Lokschuppen. Vorbei an der Ortschaft Wellin mit einem Stopp an der Sagenbank in Marlin fuhr die Gruppe zu einem abschließenden Gespräch zurück in die Ortsmitte, genauer gesagt in das Café Sirringhaus. Dort nutzte der Bürgermeister die Gelegenheit, um den Besuchern mit den Herscheider Bergspitzen eine süße Erinnerung mit auf ihren Heimweg zu geben.

Besuch im Café Sirringhaus: Hier überreichte Bürgermeister Uwe Schmalenbach Herscheider Bergspitzen.

Spätestens jetzt wich bei den heimischen Akteuren die Anspannung: Die wochenlange Vorbereitung sei erfolgreich gewesen, resümierte der Bürgermeister: „Wir hatten einen wirklich guten Termin, alles hat zeitlich gut funktioniert“. Er sei der Meinung, dass das Prädikat Erholungsort der Gemeinde gut zu Gesicht stehen würde. Dadurch würden die vorhandenen Freizeit- und Gastronomieangebote gestärkt, aber auch der Wohnstandort.

Zudem könnte sich die Gemeinde im Wettbewerb der Kommunen einen Vorteil verschaffen. Beispielhaft erwähnte der Bürgermeister die gewünschte Schaffung eines Naturerlebnis- und Wanderzentrums auf der Nordhelle im Zuge der Strukturfördermaßnahme Regionale.

Vorbild Nachrodt-Wiblingwerde

Im Märkischen Kreis ist bislang Nachrodt-Wiblingwerde der einzige staatlich anerkannte Erholungsort. Ob sich Herscheid auch mit diesem Titel schmücken darf, darüber wollen die Mitglieder der Kommission zeitnah beraten.

Freizeit und Naherholung als Markenzeichen

Das Thema Erholungsort ist kein Neues: Bereits bei der Neugliederung des Landkreises Altena im Jahr 1968 wurde entschieden, dass die Gemeinde Herscheid eigenständig bleibt, unter anderem wegen ihrer Bedeutung für den Fremdenverkehr. Naherholung und Freizeit genießen auch heute einen hohen Stellenwert, wie die Vielzahl an Wanderwegen und nicht zuletzt die Menge an Schneetouristen im letzten Winter verdeutlichen. Bereits im März 2012 führte die Gemeinde erste Gespräche mit der Bezirksregierung zum Thema Anerkennung als Erholungsort. Damals waren die Voraussetzungen jedoch noch nicht vollständig erfüllt. Die Bezirksregierung empfahl, die Fertigstellung der Dorfwiesen abzuwarten, da es im Bereich der Ruhemöglichkeiten Defizite gab. Der Antrag wurde dann Ende 2019 gestellt; nach kurzer Verzögerung wegen Corona wagt Herscheid nun einen erneuten Vorstoß.

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