Race Across America

Die Rückkehr der Rad-Helden

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Die vier Radfahrer nahmen auf dem Sportlerthron Platz, ihre Betreuer gruppierten sich um sie herum. Bürgermeister Uwe Schmalenbach (rechts) gratulierte dem gesamten Team zu einer „gigantischen Leistung“.

Herscheid – Um Punkt 11.58 Uhr bog der Reisebus am Mittwoch auf den Hallenplatz ab. Dort hatten sich gestern trotz Mittagshitze 50 Freunde und Verwandte eingefunden, um das heimische RAAM-Team in seiner Heimat zu begrüßen.

Von den Strapazen des härtesten Radrennens der Welt quer durch Amerika keine Spur: Die vier Sportler und ihre Betreuer stiegen überglücklich aus dem Bus und genossen den emotionalen Empfang sichtlich. Zu den Klängen des Queen-Klassikers „We are the champions“ schwenkten die Freunde Fahnen und Plakate, jubelten dem Team zu und feuerten eine Konfetti-Rakete ab. 

Tränen der Freude und des Glücks waren vielfach zu sehen, als sich die Teammitglieder und ihre Angehörigen nach über zwei Wochen der Trennung in die Arme fielen. Angesichts von etlichen Umarmungen und Glückwünschen wurde den Teammitgliedern bewusst, wie groß die Anteilnahme in ihrer Heimat war. 

Vom vorbereiteten Sportlerthron aus lauschten sie den Worten von Bürgermeister Uwe Schmalenbach, der zu einer „gigantischen Leistung“ gratulierte. Zwar habe die Ebbegemeinde bereits Europa- und auch Weltmeister hervorgebracht. Aber „so etwas Außergewöhnliches haben wir in Herscheid noch nie gehabt“, lobte Schmalenbach, der mit einem Augenzwinkern hervorhob, dass Herscheid mit Markus Gärtner und Julian Becker die Hälfte der vier Radler stelle. 

Der Bürgermeister, der die Grüße von Landrat Thomas Gemke überbrachte, sprach von einer tollen Mannschaftsleistung, aus der Milivoje Nilovic (Miki) heraussteche: Der Meinerzhagener war zu Beginn des Rennens gestürzt und hatte sich das Schlüsselbein gebrochen. Dennoch war Miki weitergefahren und sorgte für Entlastung. „Vor dieser Leistung kann man nur den Hut ziehen“, sagte der Bürgermeister. 

Neben dem sportlichen Erfolg des Teams, das in der Mannschaftswertung trotz der genannten Zusatzbelastung einen sensationellen dritten Platz belegte, zählte bei diesem Projekt – dem eine über zweijährige Planung vorausgegangen war – auch der charitative Gedanke. Ein Teil der Spendengelder und Werbeeinnahmen ist für die Palliativstation des Klinikums Lüdenscheid bestimmt. 

Nachdem sich das Team in das goldene Buch der Gemeinde eingetragen hatte, galt es, unzählige Fragen rund um das Abenteuer Amerika zu beantworten. Voller Vorfreude verwiesen die Sportler dabei immer wieder auf die Arbeit von Jannik Fischbach: Der Filmemacher hatte das RAAM-Team begleitet und von der Reise rund 30 Stunden Material mitgebracht. Dieses will er in den kommenden drei Monaten zu einem Spielfilm verarbeiten, der an mehreren Orten im Märkischen Kreis und in dessen Partnerkreis Elbe-Elster gezeigt werden soll. Auf diese Weise werden die Rad- sogar noch zu Kino-Helden.

Musketier-Gedanke als Ansporn

„Aufgeben war für uns nie ein Thema“, versicherte Ausdauersportler Markus Gärtner. Nach der Verletzung von Miki Nilovic sei für das Team zwar kurzzeitig eine „Welt zusammengebrochen, aber irgendwie hat uns das auch zusammengeschweißt.“ Die Unterstützung von daheim sei ein zusätzlicher Ansporn gewesen, gestand Gärtner. 

Der Sturz sei für ihn psychisch nicht einfach zu verarbeiten gewesen, gestand Miki Nilovic: „Ich wollte unbedingt meinen Beitrag leisten und nicht bloß zuschauen.“ Der Orthopäde wagte sich schließlich auf den flachen Streckenabschnitten zurück aufs Rad: Ab dem zweiten Tag nach der Verletzung sei der Schmerz – dank entsprechender Medikamente – erträglich gewesen. 

Der Musketier-Gedanke habe ihn dabei angetrieben. Teamchef Frank Lachnit lobte alle Betreuer, die unterwegs grandiose Arbeit geleistet haben und damit großen Anteil am Erfolg haben: „Unsere jahrelange Planung ist vollkommen aufgegangen.“ Überwältigt von dem Empfang in Herscheid zeigte sich Julian Becker, der sich über den Zuspruch so vieler Freunde sehr freute. Amerika sei für ihn eine „Grenzerfahrung in vielerlei Hinsicht“ gewesen. Nach zwei Wochen mit 15 Personen auf engstem Raum in einem Wohnmobil freue er sich nun auf die heimische Dusche und das eigene Bett.

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