Themenabend in Herscheid

Eine Zeitreise zu Martin Luther ins Jahr der Reformation

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Herscheid - Martin Luther sitzt in seinem Arbeitszimmer und denkt über seine Geschichte nach. Dieses Arbeitszimmer befand sich am Freitagabend jedoch im Martin-Luther-Haus in Herscheid und rund 100 Besucher waren gekommen, um sich das Ein-Personen-Bühnenstück anzusehen.

In teilweise mittelalterlichen Gewändern waren die Besucher zum Themenabend „Luther und seine Lieder“ erschienen. Allen voran dachte Luther an diesem Abend über die Wirksamkeit der Musik für die Verbreitung seiner reformatorischen Idee einerseits und den Wert der Musik im Dienst der Verkündigung des Evangeliums andererseits nach.

„Wir haben uns auf der letztjährigen Kreissynode vor Ort kurzfristig entschieden, mit diesem Thema mit einem mittelalterlichen Abend unseren Beitrag zum 500. Reformationsjahr zu leisten. Also lassen Sie sich heute ins Mittelalter entführen“, begrüßte Initiatorin Ruth Rabenschlag die Gäste.

Pfarrer Bodo Meier schlüpfte für gut eine Stunde in die Rolle Martin Luthers, nahm die Besucher mit in sein Arbeitszimmer und seine Gedanken. Den musikalischen Teil des Bühnenstücks übernahm Kirchenmusikerin Christine Wallnau-Töpfer aus Brilon, mal als Solosängerin, mal als Dirigentin, denn auch die Gäste wurden in die Gesänge und Lieder Luthers mit einbezogen.

Kirchliche Musik war Ende des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 16. Jahrhunderts ausschließlich in lateinischer Sprache und war in den Messen den „Pfaffen“ vorbehalten. Die Gemeinde faselte höchstens ein paar Silben mit.

Doch Luther sah in der Musik ein Seelenheil und die Bekämpfung des Teufels, denn „die Musik war dem Teufel unerträglich und zuwider“. Nach seinen 95 Thesen 1517, übersetzte Luther 1522 das neue Testament in nur elf Wochen vom Lateinischen ins Deutsche. Das im September 1522 veröffentlichte neue Testament auf deutsch wird daher auch als „Septembertestament“ bezeichnet.

Lieder wird man von Martin Luther bis 1523 nicht finden. Trotz der harten Zeiten mit Ächtung und Verhören „in denen der Teufel zu mir in die Klosterzelle kam“, wird man keine musikalischen Niederschriften von Luther finden. Zwar hatte Luther während seines Studiums auch Musik, „doch diese stand in Verbindung mit der Mathematik, wie das Beispiel dass eine halbierte Saite einen Ton höher hat als die längere“.

Während einer verletzungsbedingten Auszeit, Luther hatte sich mit seinem Degen selbst eine Oberschenkelverletzung zugefügt, fand Luther, der die Laute mehr liebte als die Orgel, zu ersten Liedern. „Der Buchdruck war revolutionär und machte vieles möglich, wie die Verbreitung des geschriebenen Liedes“, befand Luther und ohne seine Kenntnis von einem Wegbegleiter. Luthers Choräle wurden erstmals 1523/24 im „Achtliederbuch“ veröffentlicht und gelten als Säule des reformatiorischen Gottesdienstes. „Wir brauchten Lieder für den Gottesdienst“, befand Luther und machte sich an die Arbeit, Psalme in Lieder zu übersetzen sowie eigene Choräle für die Gottesdienstordnung und Festgesänge zu schreiben. „Das Kirchenjahr wurde zum Klingen gebracht, der Gottesdienst in Musik gepackt“, erinnerte sich der Reformator im Stück am Freitag. 1526 erschien Luthers erste Gottesdienstordnung. Bis 1529 schrieb er den großen und kleinen Kathechismus, ein neues Gesangbuch und eine neue Gesamtausgabe der Bibel. Das heutige evangelische Gesangbuch unterliegt Luthers Vorgaben, unterteilt in das Kirchenjahr, den Gottesdienst, Lieder für besondere Anlässe und Psalmen

Sein bekanntestes Werk schrieb Luther 1535 mit dem Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komme ich her“, welches er eigentlich für die familiäre Weihnachtsfeier für seine Kinder geschrieben hatte. 1542 schrieb Luther zu einer ähnlichen Melodie ein Lied zum Tode seiner Tochter Magdalena. „Damit der Teufel keine Chance hat, von uns Besitz zu ergreifen“, begründete er.

„Ganz schön schwere Kost“, meinte Guido Raith, Mitarbeiter der Kirchenzeitung „Unsere Kirche“, während des Bühnenstücks, doch andächtig und beeindruckt lauschten die Gäste, ehe es dann zum lockeren, kulinarischen und gemütlichen Teil über ging – dem Luther-Mahl. „Ein Luther-Mahl ist ein Erlebnis, unverfälscht, üppig, kräftig und deftig, wie es das Mittelalter selbst war“, verriet das Programmblatt. „Casper, der Gaukler“, um–rahmte das Menü mit mittelalterlichen Zeremonien und Sprüchen und so stand jeder Speise eine entsprechende „Giftprobe“ voran. Und selbstverständlich mussten auch die mittelalterlichen Sitten, Bräuche und Redensarten von den Gästen eingehalten werden. „Bruder Thorsten Kohlen“ hatte seinen Spruch schnell gefunden. „Auf die Gesundheit“ erhob Kohlen mehrfach seinen Becher und die Gemeinde grüßte entsprechend zurück. Das Mahl wurde ebenso mittelalterlich mit Dolch und den Fingern zu sich genommen. Während das Brot mit dem Ziegenkäserahm ebenso wie das Karotten-Süpplein noch problemlos eingenommen werden konnte, gab es beim Ritterschmaus mit „feinen Stücken vom Borstenvieh“, dampfendes Kraut, Mus von Erbsen und Klößen, bei dem ein oder anderen schon koordinatorische Probleme, zur Erheiterung der Gesellschaft. Unterdessen unterhielt der Gaukler das gesellige Volk mit Jonglierkünsten und anderen Späßen. Nach vier Stunden kehrten die Zeitreisenden in die Gegenwart zurück und befanden die Reise als durchaus gelungen.

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