Klimawandel begünstigt Ausbreitung der Borkenkäfer

Wald in Gefahr: Eine Plage, die nicht zu stoppen ist

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Wie ist es um den Herscheider Wald bestellt? Herscheids Revierförster Klaus Kermes (links) führte die Besucher auf Einladung der CDU Herscheid durch den Wald rund um den Spielberg.

Herscheid – Temperaturen über der 30-Grad-Marke und lang anhaltende Trockenheit: Auch in Herscheid herrschen extreme Witterungsverhältnisse, weswegen der Deutsche Wetterdienst in diesen Tagen bereits Hitzewarnungen ausspricht.

Wird es den Menschen zu warm, können sie aus der Sonne gehen. Dagegen ist die Natur den Bedingungen ungeschützt ausgesetzt. Um sich die Folgen des Klimawandels in der Ebbegemeinde anzusehen, luden die Mitglieder der örtlichen CDU zu einem Waldspaziergang mit dem Leiter des Forstbetriebsbezirkes Herscheid, Klaus Kermes, ein.

 Sie trafen sich mit Bürgermeister Uwe Schmalenbach und dem Chef der Forstbetriebsgemeinschaft Rolf Brühne sowie interessierten Bürgern am Spielberg, wo der rund zwei Kilometer lange Rundweg startete. Gleich zu Beginn machte Kermes auf das Hauptproblem in den Wäldern aufmerksam: „Die Borkenkäfer-Plage hat sich schon 2017 angekündigt. Seitdem bereiten uns die zwei Arten Buchdrucker und Kupferstecher Sorgen.“ 

Die vergangenen 15 Jahre seien überdurchschnittlich warm und trocken gewesen, nannte er die Ursachen für die dramatische Entwicklung. Eine durchschnittliche Niederschlagsmenge für ein Jahr liege bei 1 200 bis 1 300 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Herscheid kam 2018 nur auf knapp 700 Liter und auch im Nachbarort Valbert sah es mit 860 Litern nicht viel besser aus. 

Bei diesen Verhältnissen können sich die Borkenkäfer explosionsartig ausbreiten. Doch wie lässt sich die Plage eindämmen? „Natürliche Feinde wie verschiedene Vogelarten, der Ameisenbuntkäfer oder Pilze sind in zu geringer Anzahl vorhanden“, erklärte Kermes und stellte klar: „Wenn das Wetter mitspielt, sind die Käfer nicht aufzuhalten.“ 

Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel sei zwar möglich, aber die Folgen wären verheerend. Die unselektive Wirkung würde dazu führen, dass auch viele andere Lebewesen sterben müssten. Borkenkäfer-Fallen, wie zum Beispiel im Räriner Wald, können nur eine einstellige Prozentzahl der Gesamtpopulation einfangen. Selbst bei enormem Aufwand und zahlreichen Fallen, die mit Lockstoffbeuteln ausgestattet werden, sei die Käfer-Plage nicht in den Griff zu bekommen. 

Helfen würde vor allem mehr Feuchtigkeit: Bei ausreichendem Wasserdruck könnten die Fichten harzen und sich mit diesem Abwehrmechanismus vor den Borkenkäfern schützen, wovon die Bäume angesichts des derzeitigen Wetters weit entfernt sind. Sollten die Temperaturen in den nächsten Wochen so hoch bleiben und ergiebiger Regen ausbleiben, sei im August mit der nächsten Borkenkäfer-Generation zu rechnen. 

Die Hoffnungen der Waldbesitzer und Forstwirtschaft liegen auf einem kühlen Winter, weil dann Pilze die sogenannten Jungkäfer parasitieren und somit vernichten. Währenddessen haben abseits der Fichten auch andere Baumarten mit Trockenschäden zu kämpfen: „Eine gute und große Birke braucht am Tag 6 000 Liter Wasser“, gab der Leiter des Forstbetriebsbezirkes zu bedenken. 

Hinzu kämen im Sauerland die sehr steinreichen Böden, die nicht genug Wasser speichern würden, ergänzte Markus Gumpricht (Regionalforstamt Märkisches Sauerland, der privat an der Exkursion teilnahm). Eichen haben wegen der Hitze mit Pilzproblemen zu kämpfen und auch Buchen präsentieren sich im Herscheider Wald nicht mehr vollbelaubt sowie braun gefärbt. 

Die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort sind jedenfalls nicht zu übersehen. „Es wird einfach immer wärmer“, zitierte Klaus Kermes die Prognose von Wissenschaftlern.

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