Erfahrungsbericht eines Bahnenzählers nach Mitternacht

Eine Nacht im Freibad

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Auch ein Mittelfußbruch war für Emily Knittel kein Handicap: Sie konnte zwar nicht mitschwimmen, sprang dafür aber als nächtliche Bahnenzählerin ein.

Herscheid – Was für ein lauschiger Abend. Als sich die Sonne hinter den Herscheider Hügeln verabschiedet hatte, war die Hitze ein wenig erträglicher. Für die fleißigen Bahnenzähler beim 24-Stunden-Schwimmen wurde mit Beginn der Nachschicht die Arbeit entspannter.

Die sommerlichen Temperaturen waren für alle entspannend, die nach Mitternacht im Einsatz waren: für die Schwimmer im Becken, dessen Wasser so warm war wie die Lufttemperatur. Und auch für die Bahnenzähler, die sich mal nicht, wie so oft, mit Decken, Mütze, dicken Socken und heißem Tee warmhalten mussten. Ein Pullover und eine lange Hose reichten vollkommen, um die wenigen Schwimmer im Becken zu motivieren und ihre Runden schriftlich festzuhalten. 

„Wir hängen, trotz des perfekten Schwimmwetters, leider noch hinter den Kilometern und Teilnehmern aus den Vorjahren zurück. Warum kann ich nicht sagen“, sagte Koordinatorin Alexandra Schmalenbach zu Beginn der Nachtschicht. An den Besucherzahlen lag es mit Sicherheit nicht. „Das Spaßbecken war immer voll, das Schwimmbecken hingegen nur zeitweise“, so Schmalenbach weiter. 

Die Nachtschicht ist immer wesentlich ruhiger und die Schwimmer in den Bahnen werden übersichtlich. „Ab 1 Uhr streichen wir generell ein paar Bahnen zusammen“, weiß Alexandra Schmalenbach aus der Erfahrung zu berichten. Da überwachen die Bahnenzähler auch schon mal zwei Bahnen. 

„Mein Kind schwimmt hier. Da kann ich neben meinem Job als Rettungshelferin auch Bahnen zählen“, macht es Bianca Langenbach überhaupt nichts aus, die Bahnen der Schwimmer zu zählen. 

„Ich kann so früh sowieso nicht schlafen. Ob ich jetzt zu Hause hocke oder hier unter Freunden bin und Bahnen zähle – da mache ich lieber Zweites“, lacht Emily Knittel, die mit einem Mittelfußbruch gerne die Aufgabe übernahm, denn selber schwimmen ist so ja nicht möglich. 

Und auch die kleinen und großen Schwimmer setzten sich in ihren Pausenzeiten gerne an den Beckenrand. „Kann ich für dich die Bahnen zählen?“, fragte eine kleine Schwimmerin. Und so ging meine Stunde vorbei wie im Flug. 

An Bahnenzählern fehlte es in diesem Jahr nicht. „Eine Stunde habe ich noch nicht besetzt. Alle anderen Zeiten sind bereits vergeben“, freute sich Schmalenbach über die vielen Helfer, die nicht nur der DLRG-Ortsgruppe entstammten. 

Angesichts der Tageshitze hatten die Nachtzähler diesmal fast schon die angenehmeren Bedingungen – und den Sternenhimmel aus dem Freibad anzuschauen, ist schon ein Erlebnis.

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