Britta Sabbag verrät, worauf es beim Schreiben ankommt

Eine Hummel als Schreibhilfe: Kinderbuchautorin Britta Sabbag trifft auf Hobby-Autoren

Einige Hobby-Autoren kamen jetzt in den Herscheider VHS-Räumen zusammen, um wertvolle Tipps für das Schreiben zu erhalten. Am Wichtigsten, so Britta Sabbag (rechts): Durchhalten.
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Einige Hobby-Autoren kamen jetzt in den Herscheider VHS-Räumen zusammen, um wertvolle Tipps für das Schreiben zu erhalten. Am Wichtigsten, so Britta Sabbag (rechts): Durchhalten.

Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann eine Hummel nicht fliegen; die Fläche ihrer Flügel ist zu klein für den dicken Körper. Die Realität zeigt aber: Hummeln fliegen. Viele haben schon von diesem Hummel-Paradoxon gehört, fanden es interessant und kurios. Für die Autorin Britta Sabbag war es vor allem eins: inspirierend. „Das wäre eine schöne Kindergeschichte“, fand sie. „Eine starke Metapher für Kinder, über sich hinaus zu wachsen.“

Herscheid - Worauf es beim Schreiben von Kindergeschichten ankommt, was es zu beachten und zu vermeiden gilt, konnten die Teilnehmerinnen eines Workshops der Volkshochschule am Samstag genau erfahren. Dabei ging es vor allem darum, Basiswissen zu vermitteln, die Teilnehmerinnen „fit zu machen, dass sie ihrer Idee vertrauen und auch mutig sind, sie nach außen hin anzubieten“.

Sabbag weiß, wovon sie spricht: denn obwohl sie bereits erfolgreich einige Romane veröffentlicht hatte – schon ihr Debüt-Roman „Pinguinwetter“ schaffte es im Jahr 2012 auf die Spiegel-Liste – wollte zunächst kein Verlag ihre Geschichte um die kleine Hummel Bommel herausgeben. „Das hat kein Potential. Keiner möchte eine Geschichte über ein dickes Insekt lesen“, war in den Absagen zu hören. Doch Sabbag gab nicht auf; glaubte an sich, die Geschichte und deren Botschaft. Schließlich fand sich doch ein Verlag, der „Bommel“ eine Chance gab. In einer kleinen Auflage wurde das Buch produziert. „Wenn wir 10 000 Exemplare verkaufen, machen wir ‘ne Flasche Champagner auf und feiern“, hieß es damals.

Das ist sechs Jahre her. Inzwischen hat sich das Buch über eine Million Mal verkauft, stand auf Platz eins der Spiegel-Liste und „ist jetzt eine richtige Marke geworden“. Von Bommel gibt es Stofftiere, Tonies, Weihnachtsbaumkugeln und vieles mehr. „Im Grunde habe ich das gleiche gemacht, wie die Hummel“, sagt Sabbag. Es sei frustrierend, die einzige zu sein, die daran glaube, doch letztendlich könne Bommels Geschichte auf ganz viel übertragen werden und Kinder darin bestärken, sich selbst zu vertrauen. „Was ich als Kind gebraucht hätte, das schreibe ich heute“, so Sabbag.

Kinderbuchautorin Britta Sabbag nutzte das Hummel-Paradoxon zur Entwicklung einer schönen Kindergeschichte.

Ums Geldverdienen ging es ihr beim Schreiben von Kinderbüchern nicht. „Viele aus der Verlagsbranche haben gesagt: Damit verdienst du kein Fischbrötchen“, erzählt Sabbag. Kinderbücher seien ihr „größter Spaß“; sie schreibe sie „aus Freude heraus“.

Eine Freude, die sie auch den Kursteilnehmerinnen am Samstag vermittelte. Die acht Frauen unterschiedlichen Alters waren durchweg von dem Workshop begeistert. Als „Rieseninspiration“ wurde der Kurs beschrieben, die vielen Tipps seien „wertvoll und wohlwollend“.

Tipps der Expertin

Wer sich selbst an eine Geschichte wagen möchte, für den hat Britta Sabbag noch drei kleine Tipps parat:
1. Nicht einfach drauflos schreiben, sondern die Idee soweit bringen, das sie funktioniert. Dramaturgie und Struktur müssen passen. 2. Viel lesen und so oft wie möglich schreiben. Dabei das schreiben, was einen selbst interessiert; nicht irgendwelchen Trends hinterherlaufen. 3. Nicht aufgeben – so wie die kleine Hummel Bommel.

Um den Durchbruch als Kinderbuchautorin ging es den Teilnehmerinnen weniger. „Ich rüste vor, wenn ich mal Oma werde“, sagte eine; eine andere hat ein kleines Kind zuhause, dem sie gerne Geschichten geschickt erzählen möchte. Andere arbeiten beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern. Ihnen war es wichtig, „Kindern etwas Bestärkendes und Inspirierendes mit auf den Weg geben zu können“. Außerdem, so die Intention einer Teilnehmerin, lassen sich die Tipps und Tricks aufs Schreiben generell adaptieren – losgelöst von Kindergeschichten.

„Es hat sich gelohnt“, war die einhellige Meinung aller Kursteilnehmerinnen, die zum Teil einen weiten Weg – eine war extra aus Hamburg angereist – auf sich genommen hatten, um an dem Workshop teilzunehmen.

„Ich find’s ganz wichtig, Kinder ans Lesen zu bringen“, sagte Britta Sabbag. „Egal was; Hauptsache, sie lesen.“

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