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Hochwasserschutz mit Tiger: Spezialgerät nötig

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Von: Dirk Grein

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Der Durchlass unter der Elsetalstraße ist lediglich 1,25 Meter hoch. „Viel zu niedrig für die meisten Geräte“, erzählt Andreas Voit, Sonderbeauftragter der Gemeinde für Hochwasser.
Der Durchlass unter der Elsetalstraße ist lediglich 1,25 Meter hoch. „Viel zu niedrig für die meisten Geräte“, erzählt Andreas Voit, Sonderbeauftragter der Gemeinde für Hochwasser. © grein

Von dem Schneetreiben um ihn herum bekommt Frank Sauerborn nur wenig mit: Er steht am Mittwochvormittag in Wathose und Gummistiefeln im Elsebach, unterhalb der Firma Teckentrup. Seine Mission: Das massive Geröll aus dem Durchlass manövrieren.

Herscheid - Wie an vielen Gewässern hat das Juli-Hochwasser 2021 hier Spuren hinterlassen. Mächtige Steine, die gut und gerne 300 Kilogramm auf die Waage bringen, sind von dem zurzeit so beschaulich dahinplätschernden Bach – damals ein Strom – mitgerissen worden. Sie liegen seither in dem etwa 85 Meter langen und acht Meter breiten Durchlass verteilt.

Auf den ersten Blick stellen sie keine Gefahr dar: Doch die Erfahrung lehrt, dass sich dieses Bild beim nächsten Starkregen ändern könnte.

„Durchlässe müssen sauber sein, ansonsten drohen an diesen Stellen Überflutungen – und das könnte für die Anlieger schlimme Folgen haben“, betont Andreas Voit. Der Sonderbeauftragte der Gemeinde für Hochwasser und Flutereignisse kennt die Schwachstellen im Gemeindegebiet genau. Er erinnert an das Hochwasser im Juli 2008, als genau an dieser Stelle die Else über ihre Ufer trat; besonders hart waren seinerzeit die Firmen Teckentrup und Otto Huss betroffen.

Dass derlei Starkregenereignisse in Zukunft häufiger auftreten werden, dessen ist sich Andreas Voit bewusst. In Hüinghausen wurden als Reaktion auf den Sommer 2008 Maßnahmen ergriffen, Retentionsflächen geschaffen, das Bachbett verbreitert. Liegen allerdings massive Steine im besagten Durchlass unter der Elsetalstraße, dann droht dennoch ein Aufstauen des Gewässers. Sie müssen daher beseitigt werden.

Intensive Suche

Das Problem: Der Durchlass ist lediglich 1,25 Meter hoch. „Alle gängigen Maschinen sind zu groß und passen da nicht rein“, sagt Voit. Und allein mit Muskelkraft könne man die zum Teil mächtigen Brocken nicht bewegen. Der langjährige Verwaltungsmitarbeiter sprach viele der ihm bekannten Firmen an, doch keine konnte ihm weiterhelfen.

Auch Bürgermeister Uwe Schmalenbach schaltete sich in die Suche ein. Letztlich wurde man durch einen Tipp einer anderen Kommunalverwaltung auf eingangs erwähnten Frank Sauerborn aufmerksam. Er leitet in Rosenberg (Baden-Württemberg) ein Dienstleistungsunternehmen, das sich unter anderem auf die Räumung von Durchlässen spezialisiert hat.

1,2 Tonnen schwer und zurzeit in Hüinghausen im Einsatz: Die selbstumgebaute Mini-Raupe hat Unternehmer Frank Sauerborn aus Baden-Württemberg auf den Namen Tiger Two getauft.
1,2 Tonnen schwer und zurzeit in Hüinghausen im Einsatz: Die selbstumgebaute Mini-Raupe hat Unternehmer Frank Sauerborn aus Baden-Württemberg auf den Namen Tiger Two getauft. © voit

In Sauerborns Fahrzeugpark befindet sich eine Mini-Raupe, die nach eigenen Bedürfnissen umgebaut und angepasst wurde. Sie wird per Hand geführt und bedient, verfügt über eine einen Meter breite Schaufel, hat allerdings auch ein beachtliches Eigengewicht von 1,2 Tonnen, was dafür sorgt, dass die Maschine nicht einfach so weggespült werden kann.

Hilfe im Ahrtal

Besagte Geräte sind gefragt: In ganz Deutschland, Österreich und Luxemburg ist Sauerborn damit unterwegs. Besonders gefragt und gefordert war er nach dem Hochwasser im Ahrtal. Nach einem dortigen Einsatz erreichte ihn die Anfrage aus Herscheid – im September schaute er sich den Durchlass an der Elsetalstraße an, seit Dienstag nun ist er vor Ort. „Ich schätze, dass ich in drei Tagen hier fertig bin“, erzählt Sauerborn in einer seiner regelmäßigen Pause – denn die Arbeit sei körperlich sehr anstrengend.

Wie ergiebig sein Wirken ist, das ist bereits zu sehen: Bis Mittwochvormittag konnten die Bauhof-Mitarbeiter bereits vier Lkw-Ladungen Geröll, das der „Tiger Two“, wie das Gerät genannt wird, in den Uferbereich geräumt hat, aufladen und abtransportieren.

Bis Donnerstagnachmittag wird Sauerborn noch einige Brocken an Land bringen. Sind diese entfernt, dann kann Andreas Voit einen wichtigen Knotenpunkt als bereinigt ansehen; direkt nach dem Durchlass mündet die Lingenbecke in die Else. Die jetzige Niedrigwasserphase sei der richtige Zeitpunkt für die Durchführung.

Diese sei durch den Einsatz des Spezialgerätes und dessen weite Anfahrt teurer als vergleichbare Projekte. „Wir sind mit den Kosten aber im gesteckten Rahmen“, betont Voit. Da die Maßnahme Bestandteil des von ihm erarbeiteten und von der Bezirksregierung genehmigten Wiederaufbauplans kommunale Infrastruktur ist, entstehen keine Kosten für die Gemeinde. „Die Maßnahme ist zu 100 Prozent förderfähig“, betont Voit.

Im Juli 2008 glich die Elsetalstraße einer Seenplatte: Damit sich ein solches Hochwasser nicht wiederholt, ist neben den ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen auch die Reinigung der Durchlässe wichtig. archi
Im Juli 2008 glich die Elsetalstraße einer Seenplatte: Damit sich ein solches Hochwasser nicht wiederholt, ist neben den ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen auch die Reinigung der Durchlässe wichtig. archi © vogelsang

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