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Ein Jahr nach der Corona-Infektion: Ein Kampf mit den Spätfolgen

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Von: Dirk Grein

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Der Weg zurück ins Leben war und ist für Peter Widmann steinig. Den Hauptgewinn im Hüinghauser Dorfladen konnte er nur in ständiger Begleitung seines Sauerstoffgerätes abholen. Dennoch zeigte er sich hocherfreut, von Mitarbeiterin Susanne König einen prall gefüllten Einkaufswagen in Empfang nehmen zu können.
Der Weg zurück ins Leben war und ist für Peter Widmann steinig. Den Hauptgewinn im Hüinghauser Dorfladen konnte er nur in ständiger Begleitung seines Sauerstoffgerätes abholen. Dennoch zeigte er sich hocherfreut, von Mitarbeiterin Susanne König einen prall gefüllten Einkaufswagen in Empfang nehmen zu können. © Foto: Grein

Als er den Anruf aus dem Hüinghauser Dorfladen erhielt und ihm Mitarbeiterin Susanne König mitteilte, dass er den Hauptpreis gewonnen hat, da floss bei Peter Widmann die ein oder andere Träne des Glücks. Was zunächst pathetisch klingen mag, ist bei genauerer Betrachtung mehr als verständlich: Hinter dem Mann aus Valbert liegt ein kräftezehrendes, ein zermürbendes Jahr. Eine Corona-Erkrankung macht ihm bis heute das Leben schwer.

Herscheid - „Das war keine schöne Zeit“, fasst er mit knappen Worten das zusammen, was ihm nach dem 16. Januar 2021 widerfuhr. Zu einem Zeitpunkt, als noch keine Impfung gegen Corona möglich war, infizierte sich Widmann mit dem Virus – und der schlug mit voller Wucht bei ihm zu.

14 Tage musste der Valberter auf der Intensivstation verbringen und wurde beatmet. Nie werde er vergessen, als ihm die Ärzte den Rat gaben, sich telefonisch von seiner Familie zu verabschieden, weil niemand voraussagen konnte, welchen Verlauf die Krankheit bei ihm noch nehmen würde. Momente der Angst, des Bangens, der Verzweiflung.

„Ich bin erst 55 Jahre alt – das kann es doch jetzt noch nicht gewesen sein“, wollte Widmann nicht aufgeben, wohlwissend, dass die Krankheit nicht nach dem Alter fragt. Während seines Krankenhausaufenthaltes war im Nachbarzimmer ein junger Familienvater verstorben.

Doch all die hervorgerufenen negativen Gedanken versuchte Widmann zur Seite zu schieben und kämpfte sich durch diese körperlich wie mental anstrengende Zeit. Die persönlichen Erfolge ließen auf sich warten, aber sie kamen. Nachdem er die Intensivstation verlassen konnte, begann ein völlig neuer Lebensabschnitt. „Es fühlte sich an, als wäre ich wieder ein Kleinkind und müsste alles von vorne erlernen“, so Widmann. Er nennt ein Beispiel: Das Gehen sei eine große Herausforderung gewesen, die viel Kraft kostete.

Auch heute, mehr als elf Monate später, sind lange Strecken zu Fuß sehr anstrengend für ihn. Das Sauerstoffgerät ist zum ständigen Begleiter geworden, dieses hat er auch zu der Gewinnübergabe im Dorfladen mitgebracht. „Ohne geht es nicht“, sagt der Valberter, der nachts wegen Atemaussetzern ein Beatmungsgerät nutzt.

Sein Alltag habe sich komplett verändert, seiner Arbeit im Krankentransportdienst könne er nicht mehr nachgehen. Doch er wisse die Momente der Freude inzwischen anders einzuordnen und zu genießen. Der Preis aus dem Dorfladen etwa – der erste Hauptgewinn, den er jemals erhalten hat – tue ihm sehr gut. Voller Vorfreude betrachtet er die Waren in dem Einkaufswagen und erblickt ein eher unscheinbares Glas: „Da sind ja sogar Gewürzgurken dabei“, stellt er zufrieden fest und ergänzt: „Das ist das einzige, was ich zurzeit schmecken kann.“

Er erzählt von den Weihnachtsfeiertagen, an denen er sich auf Sauerbraten mit Klößen gefreut habe. „Ich habe mir beim Verzehr vorgestellt, wie das früher wohl geschmeckt hat“, sagt der Valberter, der selbst die markante Säure des Festtagsbratens nicht schmecken konnte.

Doch unterkriegen lassen möchte er sich von dem diesem Geschmacksverlust nicht. „Das soll irgendwann wiederkommen, hat man mir gesagt. Mal abwarten, wann es soweit ist“, will Peter Widmann weiter kämpfen.

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