Mit Astrid Bauriedel durch das Ebbegebirge

Ein Beitrag zum Klimaschutz: Warum Moore wahre CO2-Killer sind

Ob Ebbemoore, Ameisenhaufen oder ein 250 Jahre alter Jagdgrenzbaum: Im Naturpark Ebbegebirge gibt es viel zu entdecken.
+
Ob Ebbemoore, Ameisenhaufen oder ein 250 Jahre alter Jagdgrenzbaum: Im Naturpark Ebbegebirge gibt es viel zu entdecken.

Astrid Bauriedel kennt die vielen versteckten Kleinode des Ebbegebirges und zeigt sie auch gerne Interessierten (wir berichteten). Und so weiß die Herscheiderin auch eine Besonderheit der Naturschutzgebiete rund um die Nordhelle: Die Moore sind selbst manch Einheimischem nicht bekannt – dabei zählen sie zu den Naturschätzen Südwestfalens.

Herscheid - Verglichen mit den großen Flachlandmooren, wie man sie in anderen Teilen Deutschlands kennt, sind die Moore im Ebbe eher klein. Das größte Moor ist die rund sieben Hektar große „Grundlose“, mit einem stolzen Alter von 5 000 Jahren. Gespeist werden die Moore von Quellwasser; zudem begünstigt das raue, regenreiche Klima die Moorentwicklung.

„Moore sind CO2-Killer“, erklärt Astrid Bauriedel. Obwohl sie weltweit nur drei Prozent der Landfläche einnehmen, binden sie ein Drittel des irdischen Kohlenstoffs – das ist doppelt so viel wie alle Wälder dieser Erde zusammen. Werden die Moore nun entwässert und der Torf, der über Jahrtausende dort entstanden ist, abgebaut, wird der darin gebundene Kohlenstoff freigesetzt, oxidiert mit dem Sauerstoff in der Luft und gelangt als CO2 in die Atmosphäre – und mit ihm das noch deutlich klimaschädlichere N2O.

Bauriedel rät daher dringend davon ab, Blumenerde mit Torf zu kaufen. Stattdessen schlägt sie vor: „Machen Sie doch einen Kompost. Machen Sie Ihre eigene gute Erde!“

Obwohl Bauriedel sowie die Wanderteilnehmer die Augen weit offen halten und die Umgebung sogar mit dem Fernglas absuchen, eine Moorlilie können sie nicht erspähen. „Wir sind einen Monat zu spät dran“, klagt Bauriedel. Normalerweise würden die Moorlilien jetzt prächtig gelb blühen, doch der kalte Mai habe alles ein wenig verzögert und nach hinten geschoben.

Im Naturpark Ebbegebirge kann man auch gut auf Blaubeersuche gehen.

Dafür gibt es reichlich Torfmoos zu entdecken. Obwohl sie unscheinbar wirken, haben die kleinen Pflanzen es in sich: Wurzellos ernähren sie sich ausschließlich vom Regen. Dabei können sie das 30-fache ihres Eigengewichts an Wasser speichern.

Torfmoos nimmt mit dem Regenwasser auch die darin enthaltenen Nährstoffe auf und entzieht sie so dem Boden, dessen Säuregehalt dadurch steigt. Das hat zur Folge, dass menschliche Überreste konserviert werden: Die sogenannten Moorleichen entstehen.

Während die Wahrscheinlichkeit, beim Spaziergang auf eine Moorleiche zu stoßen, verschindend gering und wenig wünschenswert ist, ist eine andere Folge des sauren Bodens äußert willkommen: Zahlreiche Blaubeersträucher bewachsen den Boden. Da bleibt man gerne einen Weile stehen, um zu naschen.

„Die Blaubeere ist sehr gesund“, weiß Bauriedel. Und wer Bedenken wegen des Fuchsbandwurms hat, dem empfiehlt sie, die Beeren nach dem Sammeln abzukochen; sie schmecken dann immer noch genauso gut.

Die gute alte Zeit?

„Hier war richtig was los in den letzten 800 Jahren“, erklärt Bauriedel ihrer Wandergruppe. Wertvolle Erze waren im Boden des Ebbegebirges zu finden, die nach und nach systematisch abgebaut wurden. Auch der Abtransport erwies sich als schwierig: Durch Hohlwege ging es die Berge des Ebbegebirges hinauf und hinab. Schwerstarbeit sowohl für die Fuhrmänner als auch die eingesetzten Zugpferde. Die tonnenschwere Last, das steile Gelände und keine Ausweichmöglichkeiten bei Gegenverkehr: Für Bauriedel sei die Leistung der Menschen damals gar nicht hoch genug zu bewerten. Sie erzählt, dass laut Aufzeichnungen in einem Jahr 23 000 Fuhrwerke herumgefahren seien.

Eng verbunden mit dem Bergbau ist die Köhlerei. Auf dem Panoramaweg ist der Nachbau einer Köhlerhütte zu bestaunen, an der es an der „Herbst-Wanderung“ am 25. September vorbeigehen wird.

Der Naturpark

Der Naturpark Ebbegebirge ist mit 777 Quadratkilometern ein sehr großes Gebiet, das voller Naturschönheiten steckt. Man muss nicht in die weite Welt fahren, um Ruinen oder die unberührte Natur bestaunen zu können – all das liegt direkt vor der Haustür, man muss sich nur umsehen. Astrid Bauriedel sagt dazu: „Immer neugierig sein und hinter die Kulissen blicken, dann finden Sie die schönsten Blumen!“

Damit der Köhler Arbeit hatte, wurden zahlreiche Bäume abgeholzt. Die Bewirtschaftungsform des Niederwaldes wurde damals viel genutzt. Dabei wurden die Bäume in einer Höhe von rund zwei Metern gefällt; Wurzelstock und unterer Stamm verblieben im Boden. Daraus trieben anschließend mehrere neue Äste „wie ein Busch“ aus. Solche Bäume sind noch immer im Ebbegebirge zu finden.

Bergbau und Krieg: Wandert man durch das Ebbegebirge, erscheint alles so still und friedlich. Man kann sich kaum vorstellen, dass es mal anderes gewesen sein soll. Und doch: „So ruhig wie jetzt war es hier noch nie“, sagt Bauriedel; die Relikte sind stumme Zeugen.

Immer schön die Augen offen halten

Fernab von Straßenlärm ging es für die Gruppe zu den Naturschutzgebieten Piwitt und Wilde Wiese; begleitet lediglich von Vogelgezwitscher.

Ein Rascheln im Gebüsch erregt die Aufmerksamkeit der Gruppe: Ein Reh bahnt sich seinen Weg durchs Unterholz. Zuvor war bereits ein kleiner Grasfrosch aufgefallen, der zwischen einigen Blaubeersträuchern hockte. Solche Begegnungen sind immer etwas Besonderes, doch sollte man auch einen Blick für die eher unscheinbaren Dinge des Waldes haben.

Die Herscheider Naturführerin lenkt den Blick ihrer Wandergruppe auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten. So ist die einfache Zitterpappel, die vielen Raupen als Nahrung dient, nicht weniger erwähnenswert als der 250 Jahre alte Jagdgrenzbaum am Auerhahnbergweg.

Einen Ameisenhaufen hat sicherlich jeder schon mal gesehen, doch war einem dabei auch bewusst, wie hochwertig er für die Ökologie ist? Und dass empfindliche Strafen auf einen zukommen können, wenn man dieses meisterliche Bauwerk zerstört? Es lohnt sich, an einem heißen Tag die Hand auf ein Moospolster zu drücken, denn es ist überraschend kühl und feucht.

Die Wachholderbeere braucht ganze drei Jahre, bis sie reif ist. Weil sie sich kaum vermehrt, steht sie unter „absolutem Naturschutz“.
Und was ist das? Wie schnell übersieht man den moosbewachsenen Grenzstein, der am Wegesrand steht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare