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 Ein „heißes Thema“: Kalte Duschen im Freibad

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Von: Dirk Grein

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Schwimmmeister Reiner Wittkamp zeigt die Herrenduschen, die seit Mitte August kalt bleiben.
Schwimmmeister Reiner Wittkamp zeigt die Herrenduschen, die seit Mitte August kalt bleiben. © Grein, Dirk

Die Marke von 38 000 Besuchern wurde am Donnerstagnachmittag in Herscheid geknackt. Das Freibad erfreut sich in diesem Sommer großer Beliebtheit. Doch wie wirken sich die seit Mitte August kalten Duschen aus?

Herscheid - Zwar gebe es in Reihen der Stammgäste einige, die sich kritisch über diese Maßnahme geäußert haben. „Die meisten bringen dafür aber Verständnis auf“, sagt Schwimmmeister Reiner Wittkamp. Statt vor Ort duschen viele Besucher neuerdings daheim.

Wittkamps Kollegin Adelheid Schreiber bestätigt diese Einschätzung. Einen Besucherrückgang wegen der Duschen könne sie nicht feststellen, im Gegenteil. In anderen Kommunen seien drastischere Schritte gewählt worden, beispielsweise die Absenkung der Wassertemperatur in den Becken. Dass dies in Herscheid nicht der Fall sei, habe sich herumgesprochen. „Unter den Besuchern sind viele Auswärtige“, ist der Badleiterin aufgefallen.

Bürgermeister spricht Netz-Kritiker an

In der virtuellen Welt stießen die kalten Duschen auf wenig Gegenliebe. „Beschämend“ oder „dreist“ lauteten einige Kommentare in den sozialen Netzwerken. Diese Kritik verflüchtigte sich oft im persönlichen Gespräch, erzählt Bürgermeister Uwe Schmalenbach. Er hatte bei seinem jüngsten Besuch im Bad Stellung bezogen und direkt Personen angesprochen, die im Internet kein Verständnis für die Entscheidung zeigten. Im Gespräch habe er in vielen Fällen die Kritik entkräften können.

Angesichts der steigenden Gaskosten und der zu erwartenden verringerten Menge an Gas habe die Verwaltung erste Maßnahmen treffen müssen, weitere seien notwendig. So hat die Bundesregierung am Mittwoch ein Maßnahmenbündel beschlossen, das auch die Kommunen in die Pflicht nimmt. Die Herscheider Verwaltung stelle sich ihrer Verantwortung. „Das bedeutet eben auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen“, betont der Bürgermeister.

Prüfung der Heizung, Optimierung der Steuerungseinstellungen, Verschiebung des Beginns der Heizperiode (mit Ausnahme der Schule) – so lauteten die vor Ort getroffenen Schritte, die jedoch frühestens im Winter Wirkungen zeigen dürften. Die kalten Freibadduschen zeigen bereits jetzt Erfolg, wie erste Zahlen aus dem Herscheider Bauamt belegen.

Bei annähernd identischen äußeren Bedingungen und Besucheraufkommen sei in der vergangenen Woche (Dusche kalt) im Vergleich zur vorletzten Woche (Dusche warm) der Gasverbrauch in diesem Bereich um ein Drittel und der Wasserverbrauch um zwei Drittel zurückgegangen. „Das ist erheblich“, zeigt sich der Bürgermeister überrascht.

Zugleich verwies er darauf, dass die Verwaltung weiteres Einsparpotenzial beim Freibad nutzen möchte. So soll die defekte Solar-Absorberanlage durch einen Neukauf ersetzt werden, um ab der nächsten Saison nicht allein mit Gas das Wasser in den Becken zu erwärmen. Zudem soll die alte Heizung für den Duschwasserkreislauf ersetzt werden. Ob langfristig in den Duschen ein Bezahlsystem mit Münzen oder Chips eingeführt werde, sei ebenfalls überlegenswert.

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