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Ein „Dorf mit Zukunft“: Anwohner als lokale Entwicklungsexperten

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Von: Stefanie Vieregge

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Wie soll sich Hüinghausen bis zum Jahr 2035 entwickeln? Die Bürger brachten ihre Ideen in den Prozess ein.
Wie soll sich Hüinghausen bis zum Jahr 2035 entwickeln? Die Bürger brachten ihre Ideen in den Prozess ein. © Jeide, Sabrina

Zum dritten und letzten Teil der Beteiligungsphase am Dorfentwicklungskonzept Hüinghausen hatte die Gemeinde in die Rammberghalle eingeladen. Unter der Beteiligung und Führung des Ingenieursbüros Arge wurden die Projekte vorgestellt, die im Sommer im Rahmen der Zukunftswerkstatt von den Bürgern vorgeschlagen und in kleinen Arbeitsgruppen entwickelt wurden.

Herscheid - Bürgermeister Uwe Schmalenbach freute sich über die „bereits vertraute Runde“ und vielseitigen Ideen, die alles widerspiegeln, was die Bürger aktuell bewegt. Bis 2035 dauere die Umsetzungsperiode, an deren Ende alles „abgehakt“ sein soll.

Durch den Anschluss an das Regionalmanagement „Oben an der Volme“ kann die Gemeinde Fördermittel aus dem Topf des Leader-Programms beantragen, ein Förderprogramm der EU sowie des Landes NRW für den ländlichen Raum. 2,3 Millionen Euro stehen insgesamt für die Periode 2023 bis 2029 zur Verteilung bereit.

Da die „vertraute Runde“ bereits gut informiert ist, stellte die Regionalmanagerin Friederike Bönnen das Programm im Schnelldurchlauf vor und ging auf die wichtigsten Punkte ein. Anträge zur Förderung kann jeder stellen – Gemeinden, Vereine und auch Privatpersonen. Bedingung: eine für das Dorf oder die Gemeinde innovative Idee, die auf die umliegende Region Auswirkung hat.

Der kleine Haken ist, dass der Träger zunächst in finanzielle Vorleistung gehen muss, denn erst am Ende werden die Gelder erstattet. Lohnend sei eine Anfrage in jedem Fall, denn auch kleine Projekte wie Beschilderungen oder Internet-Auftritte sind förderungsfähig.

Bürgermeister Uwe Schmalenbach (links) lobte das Engagement der Hüinghauser Bürger und die große Beteiligung am Entwicklungskonzept.
Bürgermeister Uwe Schmalenbach (links) lobte das Engagement der Hüinghauser Bürger und die große Beteiligung am Entwicklungskonzept. © Stefanie Vieregge

Im Anschluss präsentierte Helge Jung vom Büro Arge die 15 Projekte der Arbeitsgruppen, teils unterstützt durch die einzelnen Vertreter. Beim Thema Verkehrsberuhigung und Hochwasserschutz brachten die Teilnehmer erneut ihre Sorge zum Ausdruck, indem sie auf die Gefahren hinwiesen: mangelhafte Beschilderung vor der Verkehrsinsel am Ortseingang von Herscheid kommend sowie unter anderem Verstopfung der Kanäle durch Treibgut bei Starkregen aufgrund der Abholzungen. Die hauptsächlichen Themen jedoch griffen soziale und Generationen übergreifende Bereiche auf.

Die Besucher wurden am Ende zur Abstimmung über die Priorisierung der Projekte aufgefordert, wobei jeder zwei Stimmen in Form von Klebepunkten zu vergeben hatte: einer für das favorisierte Projekt und der andere für das neue Motto des Dorfes.

„Hüinghausen – Dorf mit Zukunft“ war der klare Sieger. Bei den Projekten führte die „Soziale Ortsmitte – Alte Schule“ die Gewinnerliste an, auf Platz 2 landete der „Kita-Umbau/-Erneuerung“, gefolgt von der „Sport- und Freizeitstätte für Jugendliche“.

Die Projekte im Überblick: Diese Wünsche haben die Bürger für ihren Ortsteil

„Soziale Ortsmitte Alte Schule“ bedeutet ein Zentrum für Jung und Alt auf dem Grundstück der alten Grundschule – ein sehr zentrales Projekt, das wachsen muss und auf lange Sicht eine steigende Zahl ehrenamtlicher Helfer benötigt. Der gesamte Bereich soll zu einem Veranstaltungsort entwickelt werden, als Sport- und Freizeittreffpunkt gelten und für kulturelle Zwecke eingesetzt werden.

Der KiTa-Umbau wird mit steigender Nachfrage immer dringender. Räumlichkeiten sind im aktuellen Gebäude zwar ausreichend vorhanden, aber nicht ausgebaut und daher nicht nutzbar. Durch eine alternative Erweiterung in der alten Schule würden Bewegungsräume oder eine Mensa möglich.

Die Sport- und Freizeitstätten für Jugendliche sind als öffentlich zugänglicher Raum mit Sport- und Spielgeräten geplant. Platzmäßig könnte dies auf dem Spielplatz an der Elsener Straße geschehen bei gleichzeitiger Umlegung dessen auf das Gelände der alten Schule.

Aufgrund der Überschwemmungen im letzten Jahr hatte sich die Arbeitsgruppe schon intensiv mit den Problemen der natürlichen und baulichen Gegebenheiten beschäftigt und einen Lösungsansatz ausgearbeitet. So wurde ein Hochwasserdamm im oberen Tal der Lingenbecke angeregt, gefolgt von einer Überflutungsfläche oberhalb der Werkstatt Schulte, das teilweise Entfernen zu enger Rohrleitungen zur Verringerung der Fließgeschwindigkeit sowie der Einsatz von Schrägrechen, an denen angeschwemmtes Treibgut hängenbleibt. An dem geöffneten Bachbett könnten Bänke und Spielplatzgeräte aufgestellt werden.

Zu den möglichen durch Leader geförderten Projekten zählen noch die Entwicklung einer DorfApp sowie der Ausbau von Rad-, Wander- und Freizeitwegen. Ziel ist die themenbezogene Übersicht der vorhandenen und noch zu erschließenden Wegverbindungen. So könnte ein Rundweg „auf der Sonnenseite“ entstehen oder vorrangig flach verlaufend, ohne vorhandene Höhenmeter überwinden zu müssen.

Abschließend bedankte sich Uwe Schmalenbach bei den Besuchern für ihr Engagement, das schon jetzt sichtbare Projekte hervorgebracht habe: „Es kommt auf die Bürger an, die mitmachen.“ Das Entwicklungskonzept sei transparent und nehme die Bürger mit auf den Weg der Entscheidungen, denn sie kennen ihr Dorf am besten.

Schmalenbach freute sich sowohl über die Wahl des Mottos als auch über die Siegerprojekte und unterstützte den Aufruf aus dem Publikum an die Bewohner, sich als inoffizielles Gremium weiter zu treffen und den kurzen Draht zum Rathaus zu erhalten.

Der nächste Schritt sei nun die Ausarbeitung der Konzepte durch das Büro Arge, sprich ein Fahrplan und Kostenrahmen für die Projekte. Diese werden im Anschluss dem Bauausschuss vorgestellt, danach erfolgt die offizielle Antragstellung bei der Bezirksregierung. Bis dahin könne man jedoch die Zeit schon für kleinere Projekte nutzen, die ebenfalls wichtig und vor allem schnell sichtbar sind. Und auch hier baut das Rathaus auf die Expertise der Anwohner, denn nur sie können sagen, ob die vielen Ideen dann auch vor Ort praktikabel sind.

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