Von der Postanstalt zur Partnerfiliale

Ehemaliges Postamt zukünftig als Wohngebäude genutzt

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Krumme Regenrinne, Graffiti an der Wand, Stahlträger, die aus der Außenwand ragen: Der Glanz des einstigen Herscheider Postamtes ist längst erloschen. Der Besitzer plant einen Umbau, um dieses ausschließlich als Wohngebäude nutzen zu können.

Herscheid – Die Geschichte der Herscheider Post, und damit auch die des ehemaligen Postgebäudes begann eigentlich so, wie sie vor 16 Jahren endete: mit der Umwandlung in Partnerfilialen. 

Diesen Begriff kannten die Herscheider im Jahr 1833 natürlich noch nicht. Damals hieß es Postanstalt und diese wurde, ähnlich wie heute, in angemieteten Räumen untergebracht.

Die erste Postanstalt in Herscheid befand sich am Neuen Weg. Allerdings nicht, wie man nun denken möchte, in dem bekannten Postgebäude, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite – in dem Haus, in dem sich bis vor Kurzem noch „Ibos Kiosk“ befand. Das sogenannte Meisters Gut, das ab 1838 Selters Gut genannt wurde, war das Wohnhaus von Peter Moritz Schmalenbach. Der Bäcker und Gastwirt fungierte als Postexpediteur (Bezeichnung für einen ehrenamtlich tätigen Ortseinwohner). 

Vermutlich war die Fertigstellung der Straße von Herscheid nach Plettenberg und die Einrichtung der Personenpost zwischen den Nachbarstädten ein Grund für die Verlagerung vom Neuen Weg an die Lüdenscheider Straße. Im Jahr 1850 wird die Verwaltung dem Gastwirt Heinrich vom Heede (Adler) übertragen. Später fand das Postamt eine Unterkunft im Haus Putz (heute das leerstehende Haus Radio Losch) und danach in der Gastwirtschaft Wilhelmshöhe (heute Damianos). 

Mit der Eröffnung des kaiserlichen Postamtes am Neuen Weg im Jahr 1890 bekam die Postanstalt in Herscheid eine feste Bleibe. Ein Foto vom Tag der Eröffnung, zeigt das schmucke Postamt, das mit dem heutigen Haus kaum noch Ähnlichkeit hat. 

Im Jahr 1951 kaufte die Deutsche Bundespost das Gebäude, in dem sie bis dahin zur Miete gewohnt hatte und renovierte es schrittweise. 1953 erhielt das Haus eine äußerliche Umgestaltung. Es erhielt für damalige Zeiten ein repräsentatives Aussehen. Nachdem im Jahr 1956 eine Fernmeldedienststelle an das Hauptgebäude angebaut wurde, erfolgte die Innenrenovierung des Herscheider Postamtes, die 1958 abgeschlossen wurde. 

Dieses Foto vom Tag der Eröffnung aus dem Jahr 1890 zeigt das schmucke Postamt, das mit dem heutigen Haus kaum noch Ähnlichkeit hat.

Um den wachsenden Servicewünschen Rechnung zu tragen, erfolgte Mitte der 1970er Jahre ein erneuter Umbau des Postgebäudes. Im Jahr 1987 herrschte Raumnot im Herscheider Postamt und die Post stellte neue Um- und Anbaupläne vor. Zwei Jahre später waren diese Pläne wieder vom Tisch. Nun hieß es seitens der Post: „Das alte Postamt am Neuen Weg sei viel zu klein und zu unattraktiv“. 

Das neue Ziel lautete “weg vom Neuen Weg – hin zum Dorfmittelpunkt“. Geplant war, dass in den 90er Jahren ein neues modernes Postgebäude im Herscheider Zentrum entstehen sollte. Doch auch diese Pläne wurden ad acta gelegt. Im Jahr 2003 fand die Umwandlung der Filiale der Deutschen Post AG in eine Partnerfiliale statt. Im Prinzip war dies ein Schritt zurück in die Vergangenheit der Herscheider Postgeschichte, nur eben auf moderne Art. 

170 Jahre nach der ersten Postanstalt im Selters Haus öffnete im Jahr 2003 die Partnerfiliale Fuchs am Kirchplatz. Nach einem Umzug im Jahr 2007 in den damaligen Plus-Markt und dem plötzlichen Ende dort, zog die Partnerfiliale im Jahr 2008 in den Raiffeisen-Markt, wo sie sich bis heute befindet. 

Die Zeiten des ehemaligen kaiserlichen Postamtes sind indes längst beendet: Das Gebäude am Neuer Weg wird umgebaut; einer entsprechenden Änderung des für diesen Bereich gültigen Bebauungsplanes haben die politischen Gremien bereits zugestimmt. Das einstige Postamt soll zukünftig ausschließlich für Wohnzwecke genutzt werden.

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