1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Doch kein Wolfsriss in Herscheid? Lanuv mit Ergebnissen

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Bei dem auf der Nordhelle gesichteten Wolf könnte es sich nach ersten Einschätzungen heimischer Experten um einen sogenannten Durchzieher handeln.
Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich Wolfsrudel in den heimischen Wäldern aufhalten. Einzelne Tiere durchstreifen die heimische Region – wie dieses Exemplar, das Anfang 2022 auf der Nordhelle gesehen wurde. © Foto: Busenius

Vor zwei Monaten entdeckte Landwirt Karsten Schäfer auf einer Wiese nahe Piene die Überreste eines neugeborenen Kalbes. Seine Vermutung: Das Tier wurde von einem Wolf gerissen. Eine Einschätzung, die durch die durchgeführten Untersuchungen nicht gestützt wird; die Ergebnisse liegen inzwischen vor.

Herscheid - „Keine Bewertung möglich“, lautet der Status auf der Seite www.wolf.nrw.de. Hinter dieser Internetseite steht das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv), das ein wissenschaftliches Wolfsmanagement betreibt. Damit wird festgehalten, wo sich in Deutschland Wölfe aufhalten und wie sie sich bewegen. Monschau, Hückeswagen, Bottrop – das sind die jüngsten Meldungen, die Anfang September in die Liste aufgenommen wurden und die noch bearbeitet werden.

Der Herscheider Eintrag datiert vom 13. Juli. Die Auswertung habe sich aufgrund der Vielzahl der Fälle, die untersucht werden müssen, hingezogen. Doch inzwischen kann Wilhelm Deitermann, der Pressesprecher des Lanuv, zumindest vermelden, dass die Todesursache des Kalbes unklar sei. Woran das junge Tier verendet ist, sei fraglich. Dies habe die Untersuchung des CVUA (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt) ergeben.

Fest stehe, dass das Kalb erst nach seinem Tod von einem anderen Tier zum Teil gefressen worden ist (Fachausdruck: postmortaler Tierfraß). Die von Wolfsberatern durchgeführten Untersuchungen haben ergeben, dass es sich dabei nicht um einen Wolf gehandelt haben soll. Laut Genetikergebnis geht das Lanuv davon aus, dass ein Haushund zugebissen haben soll. Damit seien die Untersuchungen des Lanuv beendet, so Deitermann.

Das sagt der Landwirt

Ein Ergebnis, das bei Karsten Schäfer für eine Mischung aus Ernüchterung und Wut sorgt. Laut eigenen Angaben beschäftige er sich bereits seit fast 40 Jahren mit der Rinderaufzucht und -haltung. Einen solchen Vorfall habe er noch nie erlebt.

„Das kann doch kein Hund gewesen sein“, äußert er Zweifel an der Diagnose, dass ein Hund das Kalb angefressen haben soll. Er vermutet weiterhin, dass es stattdessen ein Wolf war – nur beweisen kann er das nicht.

Ein abstoßender Anblick: Das vermutlich erst in der Nacht zuvor geborene Kalb liegt tot auf einer Wiese.
Die Todesursache für das Kalb der Familie Schäfer bleibt auch nach den Untersuchungen durch das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt ungewiss. © Schäfer

Resignierend muss der Herscheider die Einschätzung des Lanuv zur Kenntnis nehmen. Für ihn und sein Unternehmen Bruchbach Beef bedeutet das: „Wir bleiben auf dem Schaden sitzen.“

Weil kurz nach dem besagten Vorfall am 13. Juli ein zweites Tier von einer Weide verschwunden ist, ergreifen Schäfer und seine Mitarbeiter Schutzmaßnahmen. Kalbende Kühe werden in einen Stall gebracht und verbleiben nicht mehr im Gelände. Das sei ein beachtlicher Mehraufwand, berichtet Schäfer.

Das sagt der Jäger

Mit der Einschätzung des Lanuv hatte Dr. Matthias Dunkel gerechnet. Ein Kalb in einer Mutterherde zu reißen – das passe nicht zum Verhaltensmuster eines Wolfes, sagt der Herscheider Hegeringleiter. Der Wolf töte seine Beute in Rudeln und verschleppe diese dann ins Unterholz. „Auf offener Wiese macht das ein Wolf eher nicht“, vermutet Dr. Dunkel.

Zurzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass sich Wolfsrudel in den Herscheider Wäldern aufhalten. Einzelne Tiere durchstreifen hingegen immer wieder die heimische Region, weiß der Hegeringleiter. „Im Moment besteht kein Anlass zur Panik“, betont der Experte.

Die Situation könne sich aber ändern, sobald ein Rudel vor Ort sesshaft werde. Sobald dies geschehe, seien die Auswirkungen für das heimische Wild und für Tierhalter gravierend. Weil der Wolf keine natürlichen Feinde habe, „ist das nur eine Frage der Zeit“, sagt der Herscheider.

Auch interessant

Kommentare