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Die Rufe nach einer Rückkehr der Impfzentren: Auch im Impfbus des Kreises werden sie laut

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Von: Maximilian Birke

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Praktisch geparkt: Der Impfbus konnte an der alten Grundschule so abgestellt werden, dass Ein- und Ausstieg überdacht waren. Kalt war es aber trotzdem.
Praktisch geparkt: Der Impfbus konnte an der alten Grundschule so abgestellt werden, dass Ein- und Ausstieg überdacht waren. Kalt war es aber trotzdem. © Maximilian Birke

Mittwochmorgen, 9.30 Uhr. In einer halben Stunde beginnt das Impfen an der alten Grundschule. Der Impfbus macht Station in Herscheid und ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich boostern zu lassen. Der Blick aus dem Fenster macht darauf nicht unbedingt Lust.

Herscheid – Es sieht alles andere als gemütlich aus. Draußen regnet es, der Wind fegt und wirklich warm ist es auch nicht. Sechs Grad zeigt das Autothermometer, als ich mich um 11.30 Uhr auf den Weg mache.

11.30 Uhr, weil ich gerade noch zwei Stunden lang meinen Impfpass gesucht habe – erfolglos. Vielleicht reicht der digitale Impfnachweis ja auch, hoffe ich. Die Parkplätze an der Bergstraße sehen voll aus. Der Impfbus scheint es auf den ersten Blick aber nicht zu sein. Sinnvoll geparkt ist er in jedem Fall, denke ich. Ein- und Ausgang sind überdacht.

Zur Anmeldung geht es aber ein Stück weiter durch den Regen. Die befindet sich im Erdgeschoss der Grundschule und ist durch den Seiteneingang beim Bolzplatz zu erreichen. Später wird der Weg verkürzt und es geht durch die blaue Eingangstür.

Kein langes Warten nötig

Am Empfang bestätigt sich mein erster Eindruck: Richtig viel los ist hier nicht, Stau gibt es keinen. Einige Impfwillige stehen an runden Aufstelltischen und füllen dort ihre Impfunterlagen aus. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind dick angezogen.

Obwohl es im Gebäude mächtig zieht, ist die Stimmung gut. Ich werde freundlich in Empfang genommen. Wie alt ich bin und die wievielte Impfung ich kriege, möchte die Frau wissen: 21 und die dritte. Weil ich ja keinen Impfpass dabei habe, zeige ich ihr den digitalen Nachweis auf meinem Handy. Dann ist klar, dass ich den Impfstoff von Biontech erhalten werde. Ich bekomme ein grünes Bändchen ums Handgelenk.

Ließ sich die Boosterimpfung verabreichen und schildert seinen Eindruck: Reporter Maximilian Birke.
Ließ sich die Boosterimpfung verabreichen und schildert seinen Eindruck: Reporter Maximilian Birke. © Enrico Opitz

„Fast so wie auf dem Weihnachtsmarkt“, scherzt die Frau, bevor sie mich auch an einen der Stehtische weiterschickt, um die Impfunterlagen auszufüllen. „Das geht ja rucki zucki hier“, höre ich begeistert von einem benachbarten Tisch. „Schön, dass Sie mir hier so helfen“, lobt die Frau, die dort zusammen mit Impfbus-Fahrer Enrico Opitz ihre Unterlagen ausfüllt.

Zeitgleich kommen auf der anderen Seite zwei weitere Impfwillige an. Beide sollen Moderna als Booster erhalten. „Und das macht keine Probleme, wenn ich davor Biontech hatte?“, erkundigt sich ein Mann, der scheinbar etwas verunsichert ist. Eine Herscheiderin, die kurz nach ihm reingekommen ist, habe sich spontan für die Booster-Impfung entschieden, berichtet sie. Moderna sei für sie in Ordnung.

Für mich geht es mit den ausgefüllten Unterlagen dann auch schon zur Anmeldung. Enrico Opitz, der das Impfteam unterstützt, schaut noch einmal meine Unterlagen durch. An einer Stelle habe ich ein Datum vergessen. Er trägt es nach. Und dann zaubert der MVG-Mitarbeiter einen frischen Impfpass aus seiner Tasche, den er mir überreicht. Dieses Problem ist also auch gelöst. Ich freue mich.

Kreis setzt Security ein

An der Anmeldung fallen mir Security-Mitarbeiter auf, die ich am Impfbus zuvor noch nie gesehen habe. Alexander Bange, Sprecher des Märkischen Kreises, erklärt: „Die Impfärzte und das Team des Impfbusses sahen sich zuletzt vermehrt Beschimpfungen und offenen Androhungen von Gewalt ausgesetzt. Deshalb ist seit einer Woche Sicherheitspersonal mit an Bord.“

Impfungen: Wer bekommt was?

Geimpft werden am Impfbus alle Impfwilligen ab 16 Jahren. Alle Impfberechtigten ab 18 Jahren haben die Möglichkeit, ihren Impfschutz sechs Monate nach der zweiten Impfung auffrischen lassen. Personen, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, können eine weitere Dosis mit einem mRNA-Impfstoff erhalten – und zwar ab vier Wochen nach der Johnson-Immunisierung, teilt der Märkische Kreis mit. Der Covid-19-Impfstoff von Moderna wird für Erstimpfungen, Zweitimpfungen (nach Johnson & Johnson) oder Auffrischungsimpfungen (auch nach Johnson & Johnson) für alle, die 30 Jahre oder älter sind, verimpft. Es gibt für über 30-Jährige vorerst keine Wahlmöglichkeit mehr. Den Impfstoff „Comirnaty“ von Pfizer/Biontech erhalten derweil Personen, die unter 30 Jahre alt sind. Sowohl für Erst- und Zweitimpfungen, als auch als Booster wird das Vakzin in der Altersgruppe eingesetzt. Außerdem wird Pfizer/Biontech für die Impfung von Schwangeren verwendet. Der Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson wird auf Wunsch für Erstimpfungen eingesetzt, ist aber nur ab 18 Jahren zugelassen. Dabei handelt es sich um einen klassischen Vektorimpfstoff, der nur einmal verimpft werden muss.

Kurz darauf betrete ich den Impfbus. Dort nimmt mich eine Mitarbeiterin in Empfang, die in eine dicke Wolldecke gewickelt ist. Ganz offensichtlich ist ihr kalt. Über das Wetter beklagt sich auch Impfarzt Dr. Reiner Struck aus Hagen, nachdem er mir den Impfstoff gespritzt hat. Biontech wird, passend zu meinem grünen Armband, in einer grünen Dose aufbewahrt. „Das kalte Wetter ist nicht so toll, weder für die Ärzte, noch für die Patienten“, meint der Arzt.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die komfortableren Impfzentren Bestand gehabt hätten. Die Busse sind nicht wirklich beheizt und das macht es auch für uns anstrengend. Wir versuchen trotzdem, das Beste daraus zu machen und möglichst viele Leute in kurzer Zeit zu impfen. Das Team ist motiviert, Impfstoff ist da. Jetzt müssen nur die Leute noch kommen. Anders bekommen wir die Welle nicht gebrochen. Je mehr wir impfen, desto besser.“

Mit der Impfstation in Herscheid zeigt sich Dr. Reiner Struck zufrieden. Dass nicht so viele Personen kamen wie in anderen Städten, hatte den Vorteil, dass es auch keine lange Warteschlange gab.

Der Pfeil ist richtig, die Beschriftung steht kopf: Scheinbar waren dem Impfbus-Team die Hinweisschilder ausgegangen. Die Impfwilligen fanden trotzdem den Weg zur Anmeldung. Alles lief ruhig und koordiniert ab.
Der Pfeil ist richtig, die Beschriftung steht kopf: Scheinbar waren dem Impfbus-Team die Hinweisschilder ausgegangen. Die Impfwilligen fanden trotzdem den Weg zur Anmeldung. Alles lief ruhig und koordiniert ab. © Maximilian Birke

Am Ende des Tages waren es 128 Personen, die sich in Herscheid impfen ließen. Verglichen mit anderen Kommunen sei das eine eher geringe Zahl, meint Kreissprecher Alexander Bange. Von den 128 ließen sich 24 Leute zum ersten Mal impfen, acht zum zweiten Mal und 96 holten sich die Boosterimpfung ab. Verimpft wurden 24 Dosen Biontech, 97 Dosen Moderna und sieben Impfdosen von Johnson & Johnson.

„Die Leute waren nach meinem Eindruck sehr zufrieden“, schildert Dr. Reiner Struck. Ich kann das für meine Person bestätigen. Von der Spritze habe ich kaum etwas gemerkt und wäre ohne Interviews wohl nach rund 15 Minuten mit allem fertig gewesen.

Frau stürzt am Impfbus

Auch die Herscheiderin Ingrid Spieker, die kurz vor mir an der Reihe war, zeigte sich zufrieden. „Ich finde, es ist perfekt gelaufen“, lobte die 66-Jährige. Sie hatte sich einen Moderna-Booster abgeholt, war zuvor zweifach mit Astrazeneca geimpft worden. „Erst hatte ich für den Booster mehr mit Biontech sympathisiert. Aber jetzt bin ich auch mit Moderna zufrieden.“

Weniger Glück hatte am Impfbus am Mittwoch eine ältere Frau. Im alten Schulgebäude stolperte sie über eine Türschwelle und stürzte. Dabei zog sie sich eine Platzwunde am Kopf zu. Die Frau musste durch den Rettungsdienst versorgt werden und wurde in ein Krankenhaus transportiert. Die Wunde musste dort genäht werden. Der Frau gehe es den Umständen entsprechend gut, teilte Alexander Bange auf Nachfrage mit.

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