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Die kleine Kneipe mit griechischer Tradition

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Im Panne-Eck herrscht zwischen den Gästen, Wirtin Athina Zikou (Dritte von rechts) und Verpächterin Lore Panne (Zweite von rechts) ein bemerkenswert herzliches Verhältnis.
Im Panne-Eck herrscht zwischen den Gästen, Wirtin Athina Zikou (Dritte von rechts) und Verpächterin Lore Panne (Zweite von rechts) ein bemerkenswert herzliches Verhältnis. © Birgit Hüttebräucker

Das jüngste der neun verbliebenen Gasthäuser in Herscheid ist das Panne-Eck im Müggenbruch. Gerade mal 53 Jahre ist es her, als der Herscheider Werner Panne dort ein Haus errichtete, in dem sich neben Wohnungen auch zwei Geschäftslokale befanden.

Herscheid - Damit erfüllte sich Panne einen Herzenswunsch und ermöglichte den Bewohnern des vom Dorfzentrum etwas entfernt liegenden Teil der Gemeinde den Einkauf in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. In eines der Geschäftslokale richtete sich zunächst eine Drogerie ein, die auch gleichzeitig Zeitschriften verkaufte und als Lottoannahmestelle fungierte. Danach mietete ein Zahntechniker das Ladenlokal und anschließend befand sich darin ein Hundesalon. Letztendlich wurde aus den ehemaligen Räumlichkeiten eine Wohnung.

In dem zweiten Geschäftslokal richtete Werner Panne eine Gaststätte ein: das Panne-Eck. Seit der Eröffnung im Jahr 1969 bis heute gab es in der Gaststätte verschiedene Pächter, die eines gemeinsam hatten: Sie alle waren griechischer Nationalität. Diese Gemeinsamkeit war reiner Zufall, wie Verpächterin Lore Panne berichtet. Wenn einer der Wirte das Pachtverhältnis beendete, konnte er meist gleich einen Nachfolger empfehlen.

Rasche Rückkehr: Ohne Herscheid geht es nicht

Ein absoluter Glücksgriff war es laut Lore Panne, dass im November 2000 Athina Zikou das Panne Eck pachtete. Sie betrieb die Gaststätte zunächst 14 Jahre, bevor sie sich aus privaten Gründen zurückzog und ihren Wohnort nach Lüdenscheid verlegte. Doch schon nach zwei Jahren merkte Zikou, dass es ohne Herscheid und das Panne- Eck für sie nicht geht. Seit April 2016 ist die Wirtin, die von ihren Gästen kurz Tina genannt wird, wieder die gute Seele in der kleinen Kneipe im Müggenbruch.

Dass das Panne-Eck bis heute noch nicht dem allgemeinen Kneipensterben zum Opfer gefallen ist, ist sowohl der Wirtin als auch den Gästen zu verdanken, die einen besonderen Umgang miteinander pflegen. „Im Panne-Eck fühlt man sich fast wie in einem Wohnzimmer, in dem man sich mit der Familie trifft“, berichtet Athina Zikou und das bestätigen auch die anwesenden Gäste. Es ist der Charme der typischen, getränkeorientierten Bierkneipe, wo die Gäste am Tresen sitzen und ihr frischgezapftes Feierabendbier trinken.

Nur auf wenigen alten Bildern findet man den Müggenbruch. Anders auf dieser Luftaufnahme, die Mitte der 1960er Jahre für eine Postkarte entstanden ist. Vorne rechts ist der Herscheider Ortsteil gut zu erkennen.
Nur auf wenigen alten Bildern findet man den Müggenbruch. Anders auf dieser Luftaufnahme, die Mitte der 1960er Jahre für eine Postkarte entstanden ist. Vorne rechts ist der Herscheider Ortsteil gut zu erkennen. © Repro: Birgit Hüttebräucker

Im Panne-Eck gibt es auch mehrere Stammtische, die sich regelmäßig treffen. Da wird Karten gespielt, geknobelt oder einfach geredet. Eine Dartmannschaft trifft sich zum Trainieren und um gemeinsam Spaß zu haben. Und nicht nur für diese Mannschaft, sondern auch für die Spieler und Spielerinnen des TuS Herscheid ist das Panne-Eck die Vereinskneipe.

Wie herzlich das Verhältnis zwischen Gästen und Wirtin ist, zeigen die besonderen Ereignisse, an die im Gespräch gerne erinnert wird. Zum Beispiel an die Weihnachtszeit, wenn Athina Zikou am Heiligenabend für die Alleinstehenden unter den Stammgästen kocht und für sie eine Bescherung bereithält. Oder gemeinsame Urlaube wie vor einigen Jahren eine Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer. In diesem Jahr werden einige Gäste und die Wirtin gemeinsam Urlaub auf der Kykladeninsel Santorini machen.

Die letzte verbliebene Bierkneipe vor Ort

Auch wenn das Panne-Eck im Müggenbruch nicht auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurückblicken kann, so ist die kleine Kneipe doch etwas Besonderes. Sie ist nämlich die einzige Bierkneipe in Herscheid, die noch von vielen übriggeblieben ist und die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Früher waren diese klassischen Wirtshäuser aus den Ortschaften nicht wegzudenken. Durch das veränderte Freizeitverhalten verschwanden diese gemütlichen Bierkneipen nach und nach – und mit ihnen ein gutes Stück Tradition. Nur das Panne-Eck bleibt den Herscheidern trotz aller Widrigkeiten erhalten.

Neun sind noch übrig

In Herscheid und den umliegenden Ortsteilen gab es vor rund 60 Jahren mehr als 30 Gaststätten. Die Bewohner der Gemeinde hatten eine große Auswahl, um sich in geselliger Runde zu treffen und für auswärtige Gäste war es kein Problem eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. In einer Liste aus dem Jahr 1717, in der die Wirte und Fusselbrenner im Amt Altena aufgeführt sind, werden in Herscheid damals schon 12 Wirte gezählt. Heute, 305 Jahre später, ist die Zahl der Gasthäuser auf neun gesunken und es lohnt sich diesen verbliebenen Gastwirtschaften in die Geschichte zu blicken.

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