Wäre der neunte Tornado in 2018 in Deutschland

Deutscher Wetterdienst hält Tornado in Herscheid für möglich

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Eine heftige Windböe wütete am Montag über das Bergfestgelände in Rärin und hinterließ ein Trümmerfeld.

Herscheid - Eine heftige Windböe wütete am Montag über das Bergfestgelände in Rärin und hinterließ ein Trümmerfeld. Doch war das wirklich ein Tornado oder eine Gewitterfallböe? Andreas Friedrich, Pressesprecher und Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), vermutet, nachdem er den Bericht der Heimatzeitung gelesen hat, dass es sich wirklich um einen kurzzeitigen Tornado gehandelt haben könnte.

Lediglich 20 bis 60 Tornados können im Jahr in Deutschland nachgewiesen werden. Was im Sommer jedoch 100 Mal häufiger vorkomme als ein Tornado, seien Gewitterfallböen – „Downburst“, wie sie im Englischen heißen. Der Unterschied liegt in der Ursache: Bei der Gewitterfallböe wird der Abwind stark beschleunigt, sodass eine konzentrierte Böe ausfällt und am Boden auseinanderläuft, wobei die Windgeschwindigkeit mit zunehmender Entfernung abnimmt. Die Ursache liegt meistens in einer trockenen Luftschicht auf mittlerer Wolkenhöhe, in der einfallender Niederschlag verdunstet, die Luft abkühlt und somit den Abwind beschleunigt.

Für einen Tornado müssen spezielle meteorologische Bedingungen herrschen, die nur selten gegeben sind. In Herscheid könnte es Montag dazu gekommen sein, dies ist bisher jedoch noch unklar. Bei einem Tornado dreht sich Wind um eine senkrechte Achse, die von den Wolken bis zum Boden reicht. In Deutschland dauern Tornados meist nur wenige Minuten, erklärt Meteorologe Andreas Friedrich. Damit überhaupt ein Tornado mit dem sichtbaren rotierenden Schlauch wüten kann, müssten einige Parameter gleichzeitig gegeben sein: hoch aufgetürmte Gewitterwolken, die Wolkenuntergrenze liegt unter einem Kilometer Höhe, die Luft muss aufsteigend und feucht sein.

„Ein Gewitter allein bedingt aber noch keinen Tornado. Es muss noch einen Drehimpuls geben, für den die Windscherung sorgt. Das bedeutet: Ändert sich die Windrichtung und -stärke mit der Höhe, erhalten am Boden einströmende Luftmassen einen horizontalen Drehimpuls auf ihren Weg nach oben mit. Beim Aufsteigen kippt dieser Impuls langsam, sodass die Rotationsachse immer senkrechter verläuft und der rotierende Schlauch entsteht“, schildert Friedrich.

Im US-Bundesstaat Oklahoma seien die Bedingungen für einen Tornado zum Beispiel häufiger ideal.

Bei Betrachtung der Luftaufnahme, die gestern in unserer Zeitung erschienen ist, auf der auch die Verteilung der Trümmerteile zu sehen ist, und vor allem nach dem Augenzeugenbericht, hält Andreas Friedrich einen kurzzeitig auftretenden Tornado in Rärin für plausibel: „Es könnte durchaus sein, dass es sich hier um den neunten bestätigten Tornado 2018 in Deutschland handelt.“

Andreas Friedrich, Pressesprecher und Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes, würde gerne mit Zeugen sprechen.

Um dies sicherer klären zu können, wäre es für den Experten hilfreich, direkt mit Augenzeugen zu sprechen und weiteres Bildmaterial der meteorologischen Situation zu sehen. Zeugen des Szenarios bittet er, sich bei ihm zu melden unter der Rufnummer (069) 069 8062 4503 oder per E-Mail an andreas.friedrich@dwd.de.

Der Wetterdienst warnt in der Regel vor Unwettern. Bei Tornados gestaltet sich dies schwieriger; Beobachter müssen Unwetter dem DWD zuerst melden, woraufhin dieser dann in Sekundenschnelle reagiert.

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