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Der Wolf im MK: Nun äußern sich Experten

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Von: Dirk Grein

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Bei dem auf der Nordhelle gesichteten Wolf könnte es sich nach ersten Einschätzungen heimischer Experten um einen sogenannten Durchzieher handeln.
Bei dem auf der Nordhelle gesichteten Wolf könnte es sich nach ersten Einschätzungen heimischer Experten um einen sogenannten Durchzieher handeln. © Foto: Busenius

Am Samstagmorgen wurde auf dem großen Wanderparkplatz auf der Nordhelle ein Wolf gesichtet. Tags darauf, bei der Wanderung zu den Märzenbechern, die auf besagtem Parkplatz startete, hat unsere Zeitung den Natur- und Landschaftsführer Guido Bloch vom Naturpark Sauerland Rothaargebirge zu Wölfen im Ebbegebirge befragt.

Herscheid - In jüngerer Vergangenheit habe es rund um die Nordhelle bereits nachgewiesene Sichtungen von Wölfen gegeben, erzählt Bloch, hauptsächlich im Westebbe. Ein sesshaftes Rudel gebe es im Ebbegebirge jedoch eher nicht. Seinem Kenntnisstand nach finde man das nächste sesshafte Rudel im Bergischen Land, in der Gegend um Engelskirchen.

Das richtige Verhalten: Ruhe bewahren

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, sehr gering ist: Wir befragten Bloch auch, wie man sich verhalten sollte, wenn man plötzlich doch einem gegenübersteht. „Nicht weglaufen“, so sein Rat. Der Mensch passe nicht in das Beuteschema eines Wolfes, darum sei er per se nicht an Menschen interessiert. Läuft der Mensch jedoch weg, könne es sein, dass dadurch der Jagdinstinkt des Tieres geweckt wird.

Die beiden Frauen, die am Samstagvormittag einen Wolf direkt am Wanderparkplatz auf der Nordhelle gesehen haben, reagierten also instinktiv richtig: Sie behielten die Ruhe. Gaby Busenius blieb in ihrem Auto sitzen und Brigitte Siegel, die nur 100 Meter von dem Tier entfernt auf dem Parkplatz stand, verzichtete auf hektische Bewegungen, sondern beobachtete den Wolf genau. Dieser fühlte sich anscheinend nicht bedroht und verschwand nach kurzem Verweilen in Richtung der Straße zur Wegespinne.

Bei diesem Exemplar könnte es sich nach Ansicht von Hans Obergruber um einen sogenannten Durchzieher handeln. Der ehrenamtliche Wolfsberater erklärt: Ein Rudel entspringe in der Regel aus einem Männchen, das auf Brautschau geht; sei diese erfolgreich, dann werde das Elternpaar mit seinen Jungtieren sesshaft in einer Region.

Zu einem Rudel gehören anfangs noch die Jungtiere aus dem Vorjahr. Aber diese werden in die Regel rasch in die weite Welt geschickt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Genau diese Tiere streifen auf der Suche nach Partnern umher – eben solch ein Durchzieher könnte der Wolf auf der Nordhelle gewesen sein, vermutet Obergruber, der sich jedoch mit diesem Fall noch nicht länger auseinandersetzen konnte.

Sporadisch gebe es immer wieder Meldungen von Wolfssichtungen, zuletzt sei es in der heimischen Region jedoch eher ruhig gewesen.

Wildschweine

Der Wolf sei generell ein scheues Tier, erklärt Natur- und Landschaftsführer Guido Bloch: „Normalerweise kriegt man die nicht zu Gesicht.“ Eine Gefahr für den Menschen gehe von Wölfen nicht aus – anders natürlich für Weidetiere. Sie seien eine leichte Beute für den Wolf. Potentiell gefährlicher für den Menschen könnte hingegen eine Begegnung mit Wildschweinen werden. Wenn im Frühjahr die Frischlinge zur Welt kommen, sei besondere Vorsicht geboten. Freilaufende Hunde könnten die Tiere im Unterholz aufschrecken und mit einer Bache, die Frischlinge hat, ist nun wirklich nicht zu spaßen. „Dann können die auch schon mal auf Angriff übergehen“, warnt Bloch. nis

In diesem Zusammenhang räumt Obergruber mit einem Vorurteil auf: „Seit Jahrzehnten hat es keine Meldungen über Wolfs-Attacken auf Menschen gegeben.“ Die Sichtung auf der Nordhelle sei daher nicht beunruhigend; die Bevölkerung müsse sich keine Sorgen machen.

Ähnlich formuliert es auch Thomas Kroll-Bothe: Der Revierförster zählt ebenfalls zum Team der ehrenamtlichen Wolfsberater. Auch ihm sei nicht bekannt, dass ein Wolfsrudel in der heimischen Region heimisch geworden wäre; er geht daher bei der jüngsten Sichtung von einem Durchzieher aus.

Appell an die Hundebesitzer

„Grundsätzlich geht der Wolf dem Menschen aus dem Weg, ist er für uns ungefährlich“, betont Kroll-Bothe, dass sich die Bürger keine Sorgen machen sollten. Auch er verweist auf eine Häufung von Sichtungen in NRW seit dem Jahr 2016.

Für Haus-, Nutz- und Wildtiere sei der Wolf jedoch eine Bedrohung, komme es immer wieder zu Angriffen. Der Appell des Revierförsters gilt Hundebesitzern: Beim Spaziergang mit Hunden im Wald sollten diese nah am Besitzer geführt und am besten angeleint sein – das sei der beste Schutz für die Hunde, sollte es zu einem Treffen mit einem Wolf kommen.

Lesen Sie mehr zur Wolfssichtung auf der Nordhelle.

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