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Stürmen getrotzt: Auf dem Markt gibt es „Schlechtwettergeld“

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Von: Dirk Grein

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Mit zusätzlichen Stangen hat Josef Diril seinen Obst- und Gemüsestand gegen den Sturm gesichert. Zudem wählten er und seine Familie Donnerstagfrüh einen geschützten Standort nahe der Gemeinschaftshalle.
Mit zusätzlichen Stangen hat Josef Diril seinen Obst- und Gemüsestand gegen den Sturm gesichert. Zudem wählten er und seine Familie Donnerstagfrüh einen geschützten Standort nahe der Gemeinschaftshalle. © Foto: Grein

Die Windböen peitschten am Donnerstagvormittag zwar auch über den Parkplatz vor der Gemeinschaftshalle. Dort hatten dennoch die meisten Händler des Wochenmarktes ihre Stände aufgebaut und auch bemerkenswert viele Kunden ließen sich durch das Unwetter nicht davon abhalten, einen Einkauf unter freiem Himmel zu tätigen.

Herscheid - „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass überhaupt Leute kommen“, staunte Marktsprecherin Traute Bühner über den guten Zuspruch. Ihr mobiles Bauernlädchen habe sie am frühen Morgen problemlos von der Gasmert in die Ortsmitte transportieren können: „Wir sind gut durchgekommen.“ Bis auf Fischhändler Ali Schmidt aus Sundern, der wegen versperrter Straßen kurzfristig seine Fahrt nach Herscheid absagen musste, seien alle anderen Anbieter „an Bord“.

Die weiteste Anreise hatte die Familie Diril: Die Obst- und Gemüsehändler waren um 3 Uhr in der Früh in Werl aufgestanden, um nach Dortmund zum Einkauf auf einem Großmarkt zu fahren. „Da war alles recht normal“, erzählt Josef Diril.

Auf der Fahrt über die Autobahn habe man dann insbesondere auf Brücken gemerkt, wie der Wind um Laster und Anhänger sauste. Wegen der Sperrung der A 45 bemühen sich die Dirils, bei ihren Fahrten ins Sauerland vor 5 Uhr an der Autobahn-Abfahrt Lüdenscheid-Nord zu sein. Dann komme man gut durch. „Wenn man später dran ist, steht man mindestens eine halbe Stunde im Stau“, erzählt Josef Diril.

Am Donnerstag erreichte der Obst- und Gemüse-Laster um 5.30 Uhr den Herscheider Hallenplatz. Dort baute die Familie ihren langen Stand ausnahmsweise nah an der Gemeinschaftshalle an. „Da ist es etwas geschützter vor dem Wind“, erzählte Josef Diril, der den Stand zusätzlich mit einigen stabilisierenden Stangen sicherte. Auf das Anbringen von Preisschildern habe man verzichtet; die wären sonst vermutlich allesamt weggeflogen.

Gratis gab es die Waren natürlich nicht, das hätten die Besucher aber auch nicht verlangt – im Gegenteil. Viele seien trotz anfänglichem Hagel und Wind schon früh dagewesen. „Die Kunden haben sich gefreut und gesagt, dass sie uns nicht im Stich lassen können“, sagte Diril. Zu vielen Herscheidern pflege seine Familie seit Jahren freundschaftliche Kontakte – daher seien die Werler trotz des ungemütlichen Wetters gern gekommen.

Ähnliches erzählt auch Metzger Reiner Wiebel, der mit seinem Wagen aus Hagen gekommen war. „Da haben wir schon Schlimmeres erlebt“, hatte er während der Anfahrt keine Probleme. Aufgrund der guten Kontakte zu seinen Stammkunden sei es für ihn eine Verpflichtung gewesen, nach Herscheid zu fahren. „Die kommen ja auch zu mir“, lachte Wiebel, eher er für eine Kundin Wurst und Fleisch abwog und einen Freundschaftspreis vereinbarte: „Das ist Schlechtwettergeld, das wird bei mir heute abgerundet.“

Warteschlangen bildeten sich am Donnerstag vor der Feldküche von Ralf Milkereit. Der Koch war nach längerer Pause erstmals wieder auf dem Wochenmarkt – für ihn war es ein stürmischer Neustart. Er sei gegen 5.30 Uhr nach Stottmert gefahren, wo er Suppen und Eintöpfe in der Feldküche vorbereitete. Auch die Fahrt gegen 7 Uhr Richtung Hallenplatz sei unproblematisch gewesen. In Höhe Piener Kopf hätte ein umgestürzter Baum auf der Straße gelegen. „Aber daran kam ich gut vorbei“, sagte Milkereit, der sich über den großen Zuspruch der Besucher freute.

Eine längere Anfahrt mussten Christian Biekert und Paul Müller in Kauf nehmen: Die beiden Herscheider mussten wegen der zu dieser Zeit gesperrten Landstraße 879 über Plettenberg nach Werdohl fahren, um dort den Verkaufswagen der Holzofenbäckerei Deitmerg abzuholen. Doch die Fahrt habe sich gelohnt, war auch Biekert überrascht über den Kundenzuspruch: „Die Herscheider sind eben wetterfest.“

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