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„Das schönste Geschenk“: Zehnjähriges Bestehen des Dorfladens

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Von: Dirk Grein

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Erinnerung an den 1. Juli 2012: Nach der Eröffnung des Dorfladens fielen sich die Organisatorinnen Anna Schulte und Bettina Winkelmeyer vor dem Geschäft an der Alten Dorfstraße freudestrahlend in die Arme.
Erinnerung an den 1. Juli 2012: Nach der Eröffnung des Dorfladens fielen sich die Organisatorinnen Anna Schulte und Bettina Winkelmeyer vor dem Geschäft an der Alten Dorfstraße freudestrahlend in die Arme. © Archivfoto: Dirk Grein

Einkaufsmöglichkeit vor Ort und Treffpunkt zugleich: Der Dorfladen Hüinghausen feiert am 11. Juni sein zehnjähriges Bestehen.

Herscheid - Im Vorfeld sprach Dirk Grein mit Bettina Winkelmeyer, Vorstandsmitglied der Genossenschaft und Ideengeberin für dieses Erfolgsprojekt.

Zehn Jahre Dorfladen, wie fühlt sich das an: Als lange oder kurze Zeit?

Bettina Winkelmeyer: Rückblickend auf all das, was wir bislang gemacht haben und wie sich die Sache entwickelt hat, ist es eine lange Zeit gewesen, sehr lang. Das Gefühl heute ist schwer zu beschreiben. Ich nenne es mal riesige Freude mit Kribbeln im Bauch. Denn es ist doch unfassbar, dass wir es so lange geschafft haben.

Andere Dorfläden konnten einen zehnten Geburtstag nicht feiern und mussten vorher aufgeben. Auch in Hüinghausen gab es Startschwierigkeiten.

Bettina Winkelmeyer: Richtig. Der Anfang war alles andere als leicht. Zwischendrin gab es auch Zeiten, in denen wir kurz davor waren, einen Schlussstrich zu ziehen. Aber das war halt nur kurz davor.

Was war der Antrieb, das Projekt nicht vorzeitig aufzugeben? Oder anders ausgedrückt: Warum ist dieser Laden so wichtig für Hüinghausen?

Bettina Winkelmeyer: Ich kenne es noch aus meiner Kindheit, dass man hier einkaufen konnte. Da ging man zum Metzger, da ging man zum Bäcker oder zum Konsum. Es waren verschiedene Läden hier und jeder konnte einfach gehen – ob nun das Kind mit einem Einkaufszettel oder die Omi, die mal eben über die Straße ging. Das war einfach schön und man traf viele Leute. Und dann gab es die Zeit, da war nichts mehr hier und irgendwas fehlte. Von verschiedenen Leuten hörte man dann: „Ich kenne meine Nachbarn nicht mehr.“ Oder auch: „Ich weiß überhaupt nicht, wer das nebenan ist.“ Das hat sich durch den Laden geändert: Man trifft sich wieder und man spricht miteinander. Es ist selten, dass man nur zum Einkaufen in den Dorfladen geht. Man redet – und das ist schön.

Einen Treffpunkt im Dorf zu schaffen war von Anfang an erklärtes Ziel – und das wurde somit auch erreicht.

Bettina Winkelmeyer: Corona war in dieser Hinsicht ein kräftiger Rückschlag. Aber wir wollen wieder loslegen, sobald als möglich. Und ich denke, dazu tragen auch die Feste bei, wie zum Beispiel die Feier des zehnjährigen Bestehens.

Was macht den Dorfladen Hüinghausen aus?

Bettina Winkelmeyer: Auf jeden Fall das Team. Die Leute, die hinter der Ladentheke stehen und verkaufen, die Helfer im Hintergrund, der Vorstand und der Aufsichtsrat, die vielen Ehrenamtlichen, die bei Veranstaltungen mit anpacken und dabei sind. Aber natürlich sind es auch die Kunden, die zu diesem Team gehören. Nach dem Umzug hören wir immer wieder Sätze wie: „Was ist das toll geworden hier.“ Das motiviert uns alle natürlich weiter.

Zum zehnten Geburtstag habt sich der Dorfladen mit dem Umzug also das schönste Geschenk selbst gemacht?

Bettina Winkelmeyer: Nicht wir selbst, die Gemeinde hat uns dieses Geschenk überhaupt ermöglicht. Ohne die Hilfe der Gemeinde wären wir nicht umgezogen. Aber ja: Das ist das schönste Geschenk, das wir erhalten konnten. Dort haben wir größere, klarere Räume. Dazu noch das Helle – es ist einfach viel freundlicher geworden. Die Kunden finden nun Parkplätze direkt vor der Eingangstür, in der Pausenhalle kann man sitzen, Kaffee trinken, quatschen. Das macht auch mir einfach mehr Spaß, in den Laden zu gehen – ob nun zum Arbeiten oder zum Einkaufen.

Die Stationen des Dorfladens Hüinghausen und das kleine Programm zum Geburtstag

Die Gründung des Hüinghauser Dorfladens geht zurück auf Bettina Winkelmeyer und Anna Schulte. Für ihre Idee fanden sie rasch Mitstreiter: Am 16. Februar 2012 wurde zu einem ersten Informationsabend in die Rammberghalle eingeladen; fast 100 Besucher kamen. Das seinerzeit ausgegebene Ziel: Für die Gründung einer Genossenschaft wurden 20 000 Euro als Startkapital benötigt. Diese Marke wurde innerhalb von nur zwei Wochen geknackt und übertroffen. Bis zur Gründungsversammlung am 29. März kamen 23 600 Euro zusammen. Mehr als 210 Personen kauften Anteile an der Genossenschaft. Nachdem die personellen Weichen gestellt waren, konnte am 1. Juli desselben Jahres Eröffnung gefeiert werden. Das Projekt startete am Standort Alte Dorfstraße mit großem Enthusiasmus. Neben dem Einkaufen wurden Bringangebote, regelmäßige Zusammenkünfte und Veranstaltungen etabliert. Letztgenannte waren anfangs nötig, um nicht erreichte Umsatzziele ausgleichen zu können. Nach und nach wuchs der Helfer- und Kundenkreis. Zuletzt erfuhr der Laden durch die Corona-Einschränkungen zusätzliche Aufmerksamkeit. Passend zum zehnjährigen Bestehen erfolgte Ende Mai der Umzug in den Altbau der ehemaligen Grundschule. Dort wird am Samstag, 11. Juni, Einweihung und Geburtstag gefeiert. Ab 15 Uhr steht nach kurzen Grußworten die Geselligkeit im Mittelpunkt. An Speisen und Getränken soll es nicht mangeln. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

Wie geht es dem Dorfladen also kurz vor dem zehnten Geburtstag?

Bettina Winkelmeyer: Uns geht es jetzt gut. Das ist meine Art und Weise es auszudrücken. Ja, es gibt nach wie vor Möglichkeiten, etwas draufzulegen und die Situation noch zu verbessern, aber generell geht es uns gut.

Gibt es denn Wünsche, die Sie angesichts des Geburtstages haben?

Bettina Winkelmeyer: Nicht unbedingt Geld, wie man vielleicht meinen könnte. Sondern den Zuspruch der Leute, die einkaufen kommen und da sind, die Hände, die zur Hilfe eilen, wenn etwas los ist und geplant wird. Das Zusammenkommen von Jung und Alt – das ist einfach schön. Dass solche Treffen auch in Zukunft weiter in Hüinghausen möglich sind, das wünsche ich mir für unseren Dorfladen.

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