Berliner Kissen und Tempo 30 für alle Wohnstraßen? Fußgängerzone im Ortskern?

„Das macht das Dorf kaputt“: Vorschläge der Grünen sorgen für Kopfschütteln

Inspiriert vom Frühjahrsmarkt im Mai 2019 möchten die Grünen in der Herscheider Ortsmitte eine Fußgängerzone einrichten. Ein Vorschlag, der im Bauausschuss keine Befürworter fand.
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Inspiriert vom Frühjahrsmarkt im Mai 2019 möchten die Grünen in der Herscheider Ortsmitte eine Fußgängerzone einrichten. Ein Vorschlag, der im Bauausschuss keine Befürworter fand.

Sie wollten mit ihrem Maßnahmenkatalog eine Diskussion über ein Herscheider Verkehrsberuhigungskonzept anregen. Dieses Vorhaben ist den Grünen auch gelungen – jedoch verliefen die Gespräche im Bau- und Planungsausschuss gänzlich anders, als es sich die Antragsteller gewünscht haben.

Herscheid - „Genau das wollten wir nicht“, polterte Klaus Prinz. Seine Partei, die CDU, hatte den Stein vor mehr als einem Jahr ins Rollen gebracht und besagtes Beruhigungskonzept ins Spiel gebracht. Die Grünen hatten den Ball aufgenommen und einen 13 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog erarbeitet. Fraktionsvorsitzender Dietrich Herfel stellte diesen am Montag im Bürgersaal vor und erntete viel Kritik. Diese machten die übrigen Ausschussmitglieder im Wesentlichen an zwei Projekten fest.

Fußgängerzone

Wer mehr Touristen anlocken möchte, der hole auch mehr Verkehr in den Ort, so Herfels Begründung dafür, im Ortskern einen zentralen verkehrsberuhigten Bereich zu schaffen. „Das ist Blödsinn“, konterte Klaus Prinz und ergänzte: „Damit machen wir das Dorf kaputt.“ Den Einzelhändlern und Gastwirten im Ort würde auf diese Weise die Park-Möglichkeit direkt vor der Tür genommen.

Wolfgang Vöpel (SPD) fragte, wie die Verkehrsregelung aussehen sollte und nannte das Beispiel Neuer Weg: Sollte dieser mit einem Wendehammer enden, um die Fahrt in die Ortsmitte zu unterbinden? Alexander Zuchowski (FDP) interpretierte diesen Vorschlag als fixe Idee: „Als Antrag hätte ich diese nicht ernst nehmen können.“

Temporeduzierung

Die Grünen regten an, in allen Wohnstraßen Tempo 30 einzuführen und dies durch Barrieren wie Berliner Kissen zu unterstreichen. Das stieß auf Unverständnis: „Wir sollten zunächst Gefahrenstellen konkretisieren, bevor wir das Dorf mit Kissen zupflastern“, sagte Alexander Zuchowski.

Angesichts der Installation von bis zu 60 Kissen für Herscheid hinterfragte Wolfgang Vöpel neben der Sinnhaftigkeit auch die Finanzierbarkeit. Ergänzend mahnte Klaus Prinz zur richtigen Reihenfolge: Erst müsse geprüft werden, wo derlei Maßnahmen Sinn machen. Dafür seien Geschwindigkeitsmaßnahmen durch das Ordnungsamt notwendig.

Gelobte Punkte

Neben all dieser Kritik gab es auch Lob: Alexander Zuchowski ging auf den gewünschten Kreisverkehr auf der Landstraße 561 in Höhe der Bahnhofstraße ein, diesen fordere die FDP bereits seit Jahren. Jedoch liege eine Maßnahme an dieser Stelle im Aufgabenbereich des Landesbetriebs Straßen.NRW, nicht bei der Gemeinde.

Dieselbe Behörde sei auch für die Geschwindigkeitsvorgaben auf der Landstraße zuständig. Ausschuss-Vorsitzender Eberhard Kaufmann (CDU) plädierte für Tempo 50 auf der Hauptverkehrsstraße von der Ortseinfahrt in Höhe Holz Mosch bis Wiesental (Tennisplätze). Zudem befürwortete der Ausschuss den Grünen-Vorstoß, auch auf der Räriner Straße (Einfahrt Rotmilanweg bis zur Wanderparkplatz Linde) sowie auf der kompletten Gemeindestraße von Herscheid (ab Auf dem Rode) über Elsen nach Hüinghausen Tempo 50 einzuführen. Diesbezüglich soll die Gemeinde das Gespräch mit dem Kreis suchen.

Sebastian Jülich (UWG) gab zu bedenken, dass eine solche Temporeduzierung lediglich zu einer Scheinsicherheit für Fußgänger führe. Wie auch das Beispiel Nordhelle zeige, sei das bloße Aufstellen eines Verkehrsschildes wenig zielführen. „Das hilft nur, wenn auch kontrolliert wird“, sagte Jülich.

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