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 „Das halbe Dorf packt mit an“: Auf Umzug folgt Neueröffnung

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Von: Dirk Grein, Nina Scholle

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Mit einem Glas Sekt stießen Helfer, Besucher und Unterstützer des Dorfladens auf den neuen Standort in der alten Grundschule an.
Mit einem Glas Sekt stießen Helfer, Besucher und Unterstützer des Dorfladens auf den neuen Standort in der alten Grundschule an. © Dirk Grein

Ein Umzug ist stets mit viel Stress und Arbeit verbunden – das weiß jeder, der schon einmal einen mitgemacht hat. Doch wie sieht es aus, wenn ein Geschäft umzieht? Ist der Aufwand derselbe oder gibt es erhebliche Unterschiede, die den Standortwechsel eines Geschäfts erleichtern oder erschweren?

Herscheid - Freitagnachmittag: Normalerweise beginnt jetzt für die Mitarbeiter des Dorfladens in Hüinghausen der Feierabend. Doch nicht so an diesem Tag, dem letzten Öffnungstag des Dorfladens an der Alten Dorfstraße. Nach Ladenschluss fängt die Arbeit erst richtig an; dann wird es wuselig wie in einem Ameisenhaufen, alles muss verpackt, verladen und zur ehemaligen Grundschule gebracht werden, denn hier soll der Dorfladen bereits am Montag ab 14 Uhr wieder Kunden empfangen.

Der Plan: So viel wie möglich zum neuen Standort zu schaffen, sodass Samstag und Sonntag in Ruhe eingeräumt werden kann. „Wir haben reichlich Leute im Einsatz“, freut sich Wolfgang Vöpel, Aufsichtratsvorsitzender der Genossenschaft. Neben dem Personal des Dorfladens helfen auch der Vorstand, der Aufsichtsrat sowie viele freiwillige Helfer. „Das halbe Dorf packt mit an!“

Laut Vöpel „alles Leute, die zu schätzen wissen, dass es den Laden gibt“. Auch einige heimische Betriebe haben sich hilfreich beteiligt, indem sie Transporter sowie Gerätschaften bereitgestellt haben, mit denen die schweren Kühlschränke verladen werden können. Bis zu 30 Personen sind am Freitag im Einsatz und schuften bis spät in den Abend hinein.

Kisten packen, Kisten schleppen: Viele Freiwillige halfen am Freitagnachmittag beim Umzug des Hüinghauser Dorfladens.
Kisten packen, Kisten schleppen: Viele Freiwillige halfen am Freitagnachmittag beim Umzug des Hüinghauser Dorfladens. © Nina Scholle

Um das spätere Einräumen zu erleichtern, werden die Regale durchnummeriert und die Kisten entsprechend beschriftet. Da man am neuen Standort eine deutlich größere Ladenfläche zur Verfügung hat, habe man vor einigen Wochen bereits zusätzliche Regale gekauft, sagt Völpel. Diese habe man günstig im Internet entdeckt, von einem Edeka-Markt, der geschlossen wurde. Auch die Küche sei bereits unter der Woche installiert worden, so Vöpel.

„Am Ende geht es spitz auf Knopf“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Umzüge seien immer problematisch und machen Wirbel. Während man bei einem Wohnungsumzug aber gegebenenfalls immer schon mal ein paar Kisten mitnehmen und provisorisch verstauen kann, sei dies bei einem Geschäftsumzug bei laufendem Betrieb natürlich nicht möglich. Vöpel sieht jedoch auch Vorteile gegenüber einem Wohnungsumzug: „Wir haben kein Geschirr“ – die Gefahr, dass etwas zu Bruch geht, sei äußert gering, erklärt er schmunzelnd.

Trotz Umzugsstress konnten Stammkunden am Samstagmorgen übrigens wie gewohnt ihre Brötchen im Dorfladen – allerdings bereits am neuen Standort – abholen. Vöpel hofft, dass die Kunden so zahlreich kommen, wie zuletzt. Denn während es laut Vöpel in den Anfangsjahren „manchmal ein bisschen knapp war“, habe der Dorfladen während Corona deutlich mehr Kundschaft angezogen, als zuvor. „Jetzt müssen sich erst mal alle an den neuen Standort gewöhnen“, sagt er. Dass der neue Standort zentraler liegt als der alte, dürfte dabei nicht unbedingt von Nachteil sein.

Die ersten Kunden klopften bereits am Montagvormittag an die Fensterscheibe – zu einem Zeitpunkt, da die Helfer noch in den letzten Vorbereitungen steckten: Erste Warenlieferung, Bestückung der Regale, Techniktest der Kasse und vieles mehr standen noch auf der Liste.

Zu den ersten Kunden zählte am Montag Klaus Engler. Er war begeistert: Der Dorfladen am neuen Standort sei ein Gewinn für Hüinghausen.
Zu den ersten Kunden zählte am Montag Klaus Engler. Er war begeistert: Der Dorfladen am neuen Standort sei ein Gewinn für Hüinghausen. © Dirk Grein

Um Punkt 14 Uhr knallten dann die Korken und die Gäste wurden mit einem Glas Sekt am neuen Dorfladen-Standort begrüßt. Der Altbau der ehemaligen Grundschule Hüinghausen wurde dafür seit Oktober umgebaut. Für das Grobe (zum Beispiel neue Decken und Fußböden) hatte die Gemeinde Herscheid als Besitzerin des Gebäudes Fachfirmen beauftragt. Doch auch die Dorfladen-Helfer haben ehrenamtlich knapp 500 Arbeitsstunden aufgebracht; zuletzt wurde am Wochenende mit vereinten Kräften der Umzug gemeistert.

Mühen, die sich gelohnt haben. „Das ist wirklich schön geworden, in den nächsten Tagen werde ich mir die Regalaufteilung noch in Ruhe anschauen“, sagte Elke Hesse nach ihrem Premieren-Einkauf im neuen Laden. Zu den ersten Besuchern zählte auch Klaus Engler: „Heller, freundlicher, übersichtlicher – das ist ein Gewinn für unser Dorf.“ Während der reguläre Betrieb bereits gestartet ist, soll die Einweihung offiziell nachgeholt werden: Am Samstag, 11. Juni, wird der zehnte Geburtstag des Hüinghauser Dorfladens gefeiert.

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