Aufräumarbeiten wecken manche Erinnerung bei den Lehrern

Das große Packen: Schulen bereiten ihren Umzug in neues Bildungszentrum vor

Trommeln, Rasseln und weitere Musikinstrumente stehen zum Abtransport bereit, sagt Heike Zilinski.
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Trommeln, Rasseln und weitere Musikinstrumente stehen zum Abtransport bereit, sagt Heike Zilinski.

Der Start in die Ferien ist für Herscheids Lehrer arbeitsintensiv: An beiden Grundschulstandorten hat das Aufräumen, Entrümpeln und Einpacken begonnen. Bis zum Schulstart am 18. August soll der Umzug in das Bildungszentrum Rahlenberg erfolgt sein. Bis dahin warten noch einige knifflige Aufgaben auf die Lehrer.

Herscheid - Die Flure der beiden Schulen ähneln sich: Vor vielen Klassenräumen stapeln sich gefüllte Umzugskartons. Die meisten sind beschriftet mit Abkürzungen wie A 11 oder auch A 21 – dahinter verbergen sich die Bezeichnungen der Unterrichtsräume im Bildungszentrum. Anhand eines Planes werden die Utensilien bereits beim Verpacken zugeordnet, damit später, beim Einzug, nicht das große Suchen beginnt.

Emotionsarme Flöte

Ein gravierendes Problem, vor dem beide Kollegien derzeit stehen: Wohin mit den Dingen, über deren Weiterverwendung noch entschieden wird? In Hüinghausen stapeln sich alte Karten, Spiele und Ausrüstung in der Pausenhalle. Immer wieder wächst der Berg an Exponaten. „Das ist nicht leicht“, erzählt Kirsten Stemski. Von einer mehr als 20 Jahre alten Flöte könne sie sich beispielsweise emotionslos trennen, diese werde schlichtweg nicht mehr benötigt. Doch andere Dinge „wecken Erinnerungen an gemeinsame Zeiten mit den Schülern“, erzählt die Lehrerin.

Die Schätze, die beim Aufräumen zutage gefördert werden, müssen einzeln bewertet werden. Funktionieren elektrische Geräte wie Verstärker oder Karaoke-Anlage noch? Gibt es für die älteren Bücher noch eine Verwendung? Wohin mit den vielen Kunstwerken der Schüler?

Zukunft ungewiss: Auf den Fluren der Grundschule Herscheid stapeln sich Unterrichtsmaterialien.

Sorgfältiges Sortieren

Heike Zilinski, die beide Grundschulstandorte leitet, betont, dass nicht wahllos die Müllcontainer befüllt würden. Alles, was als erhaltenswert erachtet werde, müsse einer Prüfung unterzogen werden. Doch auch Heike Zilinski weiß, dass bei Weitem nicht alle Fundstücke einen neuen Platz im Bildungszentrum erhalten können – dafür sei der Fundus an beiden Grundschulen einfach zu groß, zumal die neuen Räume nicht überfrachtet werden können und sollen.

Zugute kommt den Lehrern, dass der Umzug zwar terminiert ist, die Nachnutzung der alten Räume jedoch nicht. Manches könne also vermutlich vorerst an den alten Stellen verbleiben und bei Bedarf geholt werden. In diese Rubrik fällt beispielsweise die Pokalsammlung, die sich bei Sportlehrer Arthur Nannen an der Herscheider Schule angesammelt hat.

Ein typisches Umzugsbild: Blick in ein Hüinghauser Klassenzimmer.

Pokal-Sammlung

Mit glänzenden Augen zeigt er die beiden Trophäen, die im Jahr 2013 beim Straßenfußball-Turnier errungen wurden. „Damals haben sich unsere Mädchen- und Jungen-Teams für die Westfalenendrunde in Dortmund qualifiziert“, erzählt Nannen. Diese Pokale sollen im Bildungszentrum einen würdigen Platz erhalten. Doch was ist mit den vielen anderen Preisen? Diese Entscheidung stehe noch aus.

Nannen, der nun bereits seit 25 Jahren in Herscheid unterrichtet und als einer der wenigen männlichen Lehrkräfte zum Inventar der Grundschule zählt, taucht beim Aufräumen natürlich auch ein in seine eigene Vergangenheit. Aber: „Ich hatte mir den Umzug noch ein wenig wehmütiger vorgestellt.“

Für ihn und seine Kolleginnen liegt der neue Arbeitsplatz nicht weit entfernt: Sie können aus den Fenstern direkt auf das ehemalige Hauptschulgebäude blicken, in dem die Unterrichtsräume der Grundschule Rahlenberg – so der zukünftige Name der beiden vereinten Schulen – entstanden sind. Hier stand in den vergangenen Tagen eine Grundreinigung an, erste Räume sind bereits mit den neuen digitalen Tafeln bestückt worden.

Die wichtigsten Pokale aus der Vitrine möchte Sportlehrer Arthur Nannen mit ins Bildungszentrum nehmen.

Punktlandung erwartet

Die Mitarbeiter des Bauhofes haben bereits erstes Mobiliar und Umzugskartons transportiert. Doch wird alles rechtzeitig fertig bis zum Unterrichtsbeginn? Zumindest im Rathaus ist man optimistisch: „Wir gehen von einer Punktlandung aus“, sagt Lisa Nölke, Mitarbeiterin im Fachbereich 1, der zuständig für die hiesigen Schulen ist.

Die Lehrer stehen indes vor einem zusätzlichen Spagat: Nach einem turbulenten Schuljahr, geprägt von Corona-Einschränkungen, hätten sie Erholung mehr denn je nötig. Doch diese gibt es nur in begrenzter Dosis: Nach dem Aufräumen in den ersten beiden Ferienwochen wird ihnen zwei Wochen Ruhe gegönnt. Danach beginnen das Einräumen in der Grundschule Rahlenberg und die finale Phase der Unterrichtsvorbereitung. Es liegt also noch jede Menge Arbeit vor Herscheids Lehrern.

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