Darum wehren sich Anwohner

Voting: Was halten Sie von den Neubau-Plänen im Herscheider Dorfkern?

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Herscheid - Es gibt weiter Zoff um einen geplanten Neubau im Herscheider Zentrum. Auf einem Grundstück zwischen den Straßen Oberdorfstraße und Im Kleekamp und damit in unmittelbarer Nähe zum Spieker sollen zwei neue Gebäude entstehen - doch die Anwohner wehren sich massiv.

Die Lager sind verhärtet: Auf der einen Seite steht die Eigentümerin eines Grundstücks, das sich in bester Lage im Herscheider Zentrum befindet und das nun bebaut werden soll. 

Auf der anderen Seite sind die Anwohner, die vor allem gegen die geplante Höhe der beiden geplanten Neubauten Sturm laufen. Dazwischen: Die Gemeindeverwaltung und die Politik, die eine Lösung für diesen Streit finden muss.

Gar nicht so einfach. Aber der Planungs- und Bauausschuss näherte sich dem Thema am Montagabend mit der gebotenen Sachlichkeit und kam zu einer vorläufigen Lösung, die zumindest niemanden als Verlierer dastehen lässt.

Was die Anwohner sagen

Gut ein Dutzend Zuschauer verfolgten die Ausschusssitzung, viele der Besucher nutzten die Einwohnerfragestunde, um ihre Kritik an den inzwischen überarbeiteten Plänen zu äußern. Von einem „Riesen-Klotz“ sprachen die einen, von „Gefängnishof-Atmosphäre“ die anderen. 

Im Wesentlichen richtete sich diese Kritik an den etwa 15 Meter hohen Baukörper an der Oberdorfstraße, der an die vorhandene Bebauung angepasst werden soll und damit zwei Geschosse und eine Dachneigung von 50 Prozent bekommen soll. „Wenn das so gebaut wird, wird ein Aufschrei durch das Dorf gehen“, sind sich die Anwohner sicher, die zusätzlich eine eingeschränkte Privatsphäre, schlechtere Beleuchtung und Belüftung, ein größeres Verkehrsaufkommen und höhere Lärmbelästigung befürchten. Dass die Pläne aufgrund einer geringfügig veränderten Anordnung der Häuser erneut im Ausschuss diskutiert werden, bezeichneten die Anwohner zudem als „Augenwischerei“.

Was der Architekt sagt

Was soll die Alternative sein? Diese Frage warf Architekt Stefan Crummenerl auf und verwies auf das bestehende Baurecht, das mit dem noch immer gültigen, inzwischen rund 50 Jahre alten Bebauungsplan gilt. Der sieht für das Grundstück an der Oberdorfstraße vor: zwei Vollgeschosse und ein Dach mit 50 Prozent Neigung. „Wenn heute jemand einen Bauantrag einreicht, dann rollen in vier Wochen die Bagger an“, sagte Crummenerl. Er und die Eigentümerin wollten diese Pläne zugunsten der Anwohner ändern, die Höhe des Hauses beschränken, „kleiner werden, angepasster werden“, wie Robert Crummenerl, Architekturstudent und Sohn von Stefan Crummenerl, im Ausschuss sagte. Das zweite Gebäude an der Straße Im Kleekamp – ein eingeschossiger Baukörper mit 30-Grad-Dach – würden die Anwohner kaum wahrnehmen, sagte Stefan Crummenerl.

Was die Mitglieder des Ausschusses sagten

Klaus Prinz, der Vorsitzende des Planungs- und Bauausschusses, hatte alle Hände voll damit zu tun, die aufgeheizten Gemüter zu beruhigen. Immer wieder unterbrachen die Anwohner die Ausführungen des Architekten und die politische Diskussion – offenbar in Frust über den festgelegten Sitzungsablauf, der die Zuschauer nur am Anfang und am Ende einer Sitzung zu Wort kommen lässt. Generell standen die Ausschussmitglieder dem Vorhaben, Häuser auf bestehenden Grundstücken im Dorfkern anstatt neu auf der „grünen Wiese“ zu errichten, positiv gegenüber. Dass dabei ein Konsens mit den Anwohnern gefunden werden muss, war aber auch allen klar.

Den durchschlagenden Vorschlag brachte Udo Milkereit (UWG/FDP) ein. Aufgrund der Hanglage sollte die Bauhöhe mit Dach auf 11 Meter ab der Bodenplatte festgelegt werden – damit die Hanglage den Bau nicht noch mächtiger als ohnehin erscheinen lässt. Über die Dachneigung herrschte Uneinigkeit: 50 Grad, was zwar unpraktisch ist, dafür aber ins Bild der Oberdorfsstraße passt? Oder doch lieber 30 Grad wie bei dem anderen geplanten Neubau darüber? Letztendlich entschied sich der Ausschuss einstimmig bei einer Enthaltung, zunächst nur die Höhe, nicht aber die Dachneigung festzulegen.

Wie es jetzt weiter geht

Mit diesem Beschluss ist noch lange keine Entscheidung gefallen, sondern eher die nächste Runde im bürokratischen Prozess eingeläutet. Bauamtsleiter Lothar Weber betonte: „Der Entwurfsbeschluss ist nun gefasst und wird jetzt unter anderem in der Presse bekannt gemacht.“ Danach, so sieht es das Verfahren vor, besteht für die Anwohner die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist (meistens ein Monat) schriftliche Einwände einzubringen. Diese werden dann in einer öffentlichen Sitzung diskutiert, abgewogen und gegebenenfalls in die Planungen eingebracht, bevor ein endgültiger Beschluss gefällt wird.

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