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„Dann gehe ich wieder“: Nicht nur Verständnis für Test-Neuregelung

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Von: Nina Scholle

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Bei der Anmeldung wird nach dem Grund der Testung gefragt. Danach ist für Kunden klar, ob – und wenn ja, wieviel – sie zahlen müssen.
Bei der Anmeldung wird nach dem Grund der Testung gefragt. Danach ist für Kunden klar, ob – und wenn ja, wie viel – sie zahlen müssen. © Nina Scholle

Kostenlos, 3Euro, voller Preis: Seit Ende letzter Woche sind Bürgertests komplizierter geworden. Im Herscheider Testzentrum hatten Kunden bisher meistens Verständnis für die neue Regelung - doch nicht alle.

Herscheid – Seit Wochen steigen die Coronazahlen kontinuierlich an. Während in der Bundespolitik noch vor der Welle im Herbst gewarnt wird, ist die Sommerwelle längst Realität. Da kommt der Wegfall der per se kostenlosen Bürgertests für viele zur Unzeit. Zwar gibt es nach wie vor Personengruppen, die nichts bezahlen müssen, andere zahlen nur einen Eigenanteil von 3 Euro und wieder andere zahlen den vollen Betrag von 10 Euro – doch was für wen gilt, ob und wie entsprechende Nachweise zu erbringen sind, das wissen viele Bürger nicht. Selbst die Betreiber der Testzentren wurden erst am Tag vor der Umstellung entsprechend informiert.

Von einem „Chaos bei der Umstellung“ spricht der Betreiber des Testzentrums in Herscheid, Lutz Lehmann, und schüttelt resigniert den Kopf. Ähnlich ergehe es auch den Kunden: Sie lachten und schüttelten die Köpfe darüber. Der Hickhack in Berlin werde hier vor Ort spürbar, so Lehmann.

Auf Kosten wird deutlich hingewiesen

In Herscheid bemüht man sich, die Kunden bestmöglich aufzuklären. Bereits bei der Terminbuchung wird man auf der Homepage über die geänderte Regelung informiert; um zu den Buchungsoptionen zu kommen, passiert man die Auflistung derer, denen ein kostenfreier oder vergünstigter Test zusteht. Am Whiteboard im DRK-Heim wird deutlich auf die möglichen Kosten aufmerksam gemacht und auch im persönlichen Gespräch bei der Anmeldung wird nun auch nach dem Grund der Testung gefragt.

Am Samstag waren viele Kunden ins Testzentrum gekommen, die sich freitesten lassen wollten; für sie war der Test kostenlos, sofern sie ihr positives PCR-Testergebnis vorlegen konnten. Nur wenige Selbstzahler seien da gewesen, berichtet eine Mitarbeiterin. „Die meisten hatten Verständnis für die geänderte Regelung“, sagt sie. Allerdings gab es auch unerfreuliche Situationen. Ein Herr habe gesagt: „Dann gehe ich wieder nachhause“, nachdem man ihn auf die Kosten von 10 Euro aufmerksam gemacht habe. Eine Dame hätte Anspruch auf einen kostenlosen Test gehabt, weil sie einen Patienten im Krankenhaus besuchen wollte, doch hatte sie unglücklicherweise keine Bescheinigung der Einrichtung dabei. Für die Mitarbeiterinnen war die Sache klar: Fängt man einmal mit Ausnahmen an, findet man bald kein Ende mehr. Die Dame musste wohl oder übel den Test selbst bezahlen.

Im Herscheider Testzentrum hängt dieses Whiteboard, das die drei Möglichkeiten für die Tests aufzeigt: Kostenlos, drei Euro Zuzahlung oder 10 Euro für Selbstzahler.
Im Herscheider Testzentrum hängt dieses Whiteboard, das die drei Möglichkeiten für die Tests aufzeigt: Kostenlos, 3Euro Zuzahlung oder die vollen 10 Euro für Selbstzahler. © Nina Schille

Das Fehlen des Nachweises mag auf die mangelhafte Informationslage von Seiten der Bundesregierung zurückzuführen sein. Lutz Lehmann hatte jedenfalls den Eindruck, dass „die Kunden alle eine eigene Erwartung hatten“. Darum sei am Freitag, dem ersten Tag seit Inkrafttreten der neuen Regelung, auch weniger losgewesen als in den Wochen zuvor am gleichen Wochentag. Manche hätten gar angenommen, man könne sich gar nicht mehr ohne Grund testen lassen. Der Donnerstag sei hingegen normalgut besucht gewesen; nur wenige hätten explizit die Möglichkeit des letzten kostenlosen Tests mitnehmen wollen.

Während Lehmann auf der einen Seite einen Vorteil der (zu-)zahlungspflichtigen Tests sieht – laut Lehmann werde ein Abrechnungsbetrug so erschwert – erkennt er auf der anderen Seite auch die „Schwächen der Testverordnung“, die Kunden ein Schlupfloch bietet, an einen vergünstigten Test zu gelangen. Denn während immer ein konkreter Nachweis erbracht werden kann und muss, beispielsweise in Form einer Eintrittskarte für eine Veranstaltung im Innenraum oder des Kinderausweises für unter 5-Jährige, bedarf es für den Besuch einer Person, die über 60 Jahre alt ist, eine Vorerkrankung oder Behinderung hat, die eine schwere Infektion wahrscheinlich erscheinen lässt, nur den Nachweis durch entsprechende Bestätigung und Unterschrift. Das sei eine „riesengroße Lücke“, sagt Lehmann, die viel zulasse.

Durch Regelung bald weniger Tests?

Ein Ehepaar betritt das Testzentrum; sie möchten den krebskranken Stiefvater des Mannes besuchen und sich vorher testen lassen. Gemäß der neuen Verordnung muss jeder von ihnen 3 Euro Eigenanteil leisten. Für sie sei die Zahlung eines Eigenanteils prinzipiell okay, sagen sie. Was sie nicht gut finden, sind die Unterschiede, die gemacht werden – der eine zahlt voll, der andere vermindert. Zudem befürchten sie, dass darum in Zukunft weniger getestet werde; dabei sei das Testen wichtig.

Wenn die Inzidenz weiterhin hoch bleibe, geht Lutz Lehmann davon aus, dass trotz Zu-, bzw. Selbstzahlung auch die Testzahlen auf einem stabilen Niveau bleiben, das sich zurzeit abzeichne. Sollten die Zahlen wie im vergangenen Sommer noch sinken, würden auch die Testzahlen zurückgehen.

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