Dampflok Hermann war zu Gast in Hüinghausen

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Insa Drechsler brachte die Dampflok Hermann nach Hüinghausen.

Herscheid – Wie in den guten alten Zeiten: Gleich zwei Dampflokomotiven drehen ihre Runde durch das Elsetal. Denn neben der Bieberlies konnte die Märkische Museumseisenbahn (MME) mit Hermann einen ganz besonderen Gast kürzlich im Rahmen der Modellbahntage begrüßen. Mit dabei: Tatkräftige und dieses Mal weibliche Unterstützung vom Deutschen Eisenbahnverein (DEV) aus Bruchhausen-Vilsen.

In unterschiedlichen Kombinationen (Personen- und Güterwaggons) gingen beide Museumszüge abwechselnd und zeitweise auch zusammen zum Haltepunkt Seissenschmidt beziehungsweise zum Bahnhof Köbbinghauser Hammer.

Hermann: Jahrgang 1911

Die Dampflok Hermann wurde 1911 von der Lokfabrik Hohenzollern in Düsseldorf für die Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE) gebaut. Unter der Nummer 15 wurde sie in Dienst gestellt und erhielt, wie in der damaligen Zeit bei der KAE üblich, zusätzlich einen Namen.

Hermann war in Werdohl stationiert und fuhr überwiegend von dort durch das Versetal nach Lüdenscheid. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie auch durch das Rahmedetal zwischen Altena und Lüdenscheid. Hermann war die allerletzte Dampflokomotive, die bei der Kreis Altenaer Eisenbahn bis zu ihrer Einstellung noch in Betrieb war und zusammen mit einer Diesellok bis zum Jahr 1967 den restlichen Betrieb zwischen Lüdenscheid-Wehberg und Brüninghausen durchführte.

Ein Jahr später erfolgte der Verkauf und noch im selben Jahr ging es nach Bruchhausen-Vilsen zum jungen Deutschen Eisenbahnverein. Bis 1978 dort abgestellt, erfolgten die Arbeiten zur Wiederinbetriebnahme. Die Aufarbeitung wurde mit der Hilfe der Lokomotivfabrik Arnold Jung in Kirchen an der Sieg und der Hauptwerkstatt der Österreichischen Bundesbahnen in Knittelfeld durchgeführt. 1979 wurde Hermann wieder in Dienst gestellt und fährt seitdem auf der Strecke des Deutschen Eisenbahnvereins zwischen Bruchhausen-Vilsen und Asendorf.

Carl kommt bald auch zum Einsatz

Der 1. Vorsitzende der MME, Udo Feldhaus, sieht durch den Einsatz in Hüinghausen einen positiven Aspekt: „Wir haben jetzt die Möglichkeit gehabt, diese Lokomotive zurück in ihre alte Heimat zu holen auf einen Kurzbesuch, sodass wir auch schon ein bisschen den Umgang mit diesem Maschinentyp üben konnten, weil in nicht allzu ferner Zukunft die Schwesterlokomotive Carl dann auch hier in Hüinghausen zum Einsatz kommen wird und das über einen längeren Zeitraum.“

Das Besondere an der Lok sei, dass es eine reine Schmalspurlokomotive ist, die über eine Allan-Steuerung verfügt. Die normalen Lokomotiven haben andere Steuerungssysteme und durch ihre großen Zylinder bei der Kraftentwicklung kommt sie sehr laut und sehr massiv rüber. „Man denkt, da kommt eine große Regelspurlokomotive, aber dann kommt diese kleine Lokomotive um die Ecke. Aber sie ist sehr zuverlässig. Sie hat sehr viele Jahre ohne Probleme in Bruchhausen-Vilsen, außer zu den üblichen Wartungsarbeiten, ihren Dienst getan“, erklärt Feldhaus.

Erfreulich ist immer die gute Zusammenarbeit mit anderen Eisenbahnvereinen, darunter aus Bruchhausen-Vilsen, von der IHS (Interessengemeinschaft Historischer Schmalspurbahnen), von der Selfkantbahn und die Eisenbahnfreunde Witten.

Wie ein Bild aus alten Zeiten: Hermann und die Bieberlies zogen durch das Sauerland.

Ein neues, aber auch ungewohntes Gesicht kam vom Deutschen Eisenbahnverein, um Herrmann durch das Elsetal zu führen. Lokführerin Insa Drechsler, die ihre Leidenschaft zu Lokomotiven im Jugendalter entdeckt hat und von der Technik fasziniert ist. Die zweifache Mutter erzählt, wie genau es dazu gekommen ist, Dampflokomotiven zu fahren: „Die habe ich einmal gesehen und dann bin ich gleich da geblieben und habe mitgemacht. Mit 15 habe ich die Dinger das erste Mal gesehen und dachte: Wow!“ Vorher habe sie gar nicht gewusst, dass Eisenbahnen sie interessieren. „Ich bin eigentlich Lehrerin für Musik, Geographie und Theater. Aber natürlich haben die an der Schule das mit der Eisenbahn gemerkt. Ich bin zwischenzeitlich auch beruflich Lok gefahren und jetzt unterrichte ich an der Allgemeinen Berufsschule die Lokomotivführer.“

Eine Dampflokomotive zu führen sei eben nicht nur Männersache. „Alle, die was von Eisenbahnen und Dampfloks verstehen, die finden das normal. Es sind eher Leute von Außen, die denken, das geht doch gar nicht und das ist zu schwer. Aber wer es selber macht, der weiß, dass das auch eine Frau kann.“ Drechsler wundere sich, dass es nicht mehr Frauen gibt, die sich für das Thema interessieren. „Es ist eine Technik zum Anfassen und es ist auch etwas Besonderes. Es ist einmal die Faszination an Technik und es ist die Verantwortung, die man hat. Lokführer ist ein sehr verantwortungsvoller Beruf und Verantwortung übernehmen – das tun wir doch jeden Tag“, erklärt Drechsler, die zwei Kinder hat.

Zum ersten Mal im Sauerland

„Ich finde es sehr schade, dass viele Frauen sich das nicht zutrauen. Es gibt so viele Männer, die davon nichts verstehen. Die stellen sich vor die Lok und voller Überzeugung erzählen sie etwas und das ist – mit Verlaub gesagt – der größte Schwachsinn. Das machen Frauen nicht“, zeigt sich die norddeutsche Lokführerin stolz, ihren Traum mit dampfenden und historischen Fahrzeugen verwirklichen können zu dürfen.

Insa Drechsler war zu den Modellbahntagen zum ersten Mal im Sauerland zu Besuch. Die patente Lokführerin, die immer mal wieder mit Loks in anderen Regionen unterwegs ist, sorgte indes zu Hause für Ersatz ihrer Kinder. „Damit der Hermann hierherkommen konnte, habe ich meine Eltern eingespannt“, erzählt die Bremerin, die ihren Alltag perfekt organisiert. Für Drechsler sei es toll, mit anderen Menschen zusammenarbeiten zu müssen: „Die Eisenbahn funktioniert nicht, wenn einer alleine arbeitet.“

Ergänzend zum Abschluss noch ein paar Sätze von ihr zum Sauerland: „Ich mag das. Wir Norddeutschen sind da immer etwas zurückhaltend. Und das ist hier ja nicht. Man kommt sofort ins Gespräch. Das ist schon schön.“

Termine der MME

Sehr zur Freude der MME verläuft der Verkauf der Fahrkarten für die Nikolausfahrten zum Ende der Saison positiv. Bereits zum Verkaufsstart waren eine Vielzahl der Karten verkauft. Der Verlauf zeigt, dass die seit 30 Jahren stattfindende Aktion bald ausgebucht sein könnte. Sollte der Fall eintreten, so wird die MME kurzfristig reagieren und weitere Fahrten einplanen, damit niemand zu kurz kommt. Wie in jedem Jahr ist eine winterliche Landschaft wünschenswert. Ob es dieses Mal wieder klappt, bleibt abzuwarten. Vorher gilt es, am 10. November Sankt Martin zu besuchen und den Grünkohl mit oder ohne Mettwurst auf der Zunge zergehen zu lassen.

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