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„Da wurde mir schon mulmig“: Feuerwehrfrau berichtet über Sturm-Einsätze

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Von: Dirk Grein

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Baum über Straße: Ein Herscheider Feuerwehrmann zerlegt die mächtige Fichte mit der Motorsäge, seine Kameraden haben das Waldumfeld im Blick.
Baum über Straße: Ein Herscheider Feuerwehrmann zerlegt die mächtige Fichte mit der Motorsäge, seine Kameraden haben das Waldumfeld im Blick. © Foto: Feuerwehr

Umgeben von Dunkelheit und wankenden Bäumen verschwimmen die Geräusche der Windböen und der Motorsäge. Das Gefühl der Unsicherheit als ständiger Begleitung, aber auch der Rückhalt durch die Kollegen, zu denen sie stets Kontakt hält: Laura Linke ist eine von 70 freiwilligen Herscheider Feuerwehrleuten, die in der Sturmnacht im Einsatz waren. Sie schildert ihre Eindrücke und Erlebnisse.

Herscheid - Unsere Zeitung hatte die heute 26-Jährige bereits während ihrer Truppmannausbildung begleitet. Seit der erfolgreichen Prüfung im Juli 2021 gehört sie als aktives Mitglied zur Löschgruppe Hüinghausen, rückt immer dann mit aus, wenn der Melder geht. So wie auch in der Nacht auf Donnerstag, als Sturm Ylenia über Herscheid hinwegfegte: Die Löschgruppe Hüinghausen rückte zur Strecke zwischen Schluchtsiepen und Schöttlerei aus: „Baum auf der Straße“ lautete die Alarmierung.

Erfahrene Kollegen verleihen Sicherheit

Als sie mit ihren Kameraden das Einsatzfahrzeug verließ, sei es nahezu windstill gewesen. „Aber als dann der Sturm durch den Wald um uns herum pfiff, da wurde mir schon mulmig“, gesteht Laura Linke. Der fehlende Rundumblick und die Dunkelheit sorgten für Unbehaglichkeit: Wohin sollte man im Notfall ausweichen? Die Vorbereitung in den absolvierten Kursen und das Üben mit den Kollegen seien das eine – doch im Einsatz wirkten völlig andere Faktoren auf die Jung-Feuerwehrfrau ein. Zum Glück habe sie erfahrene Kollegen an ihrer Seite gehabt, die auch schon die Kyrill-Nacht vor 15 Jahren im Dienst erlebt hatten. „Das gibt einem Sicherheit“, erzählt die Hüinghauserin.

Während ihre Löschgruppe am Donnerstag lediglich einmal ausrücken musste, ging es am Freitag Schlag auf Schlag: Nachdem Laura Linke ihren Arbeitstag im Büro beendet hatte, eilte sie direkt ins Gerätehaus an der Habbeler Straße. Dieses war ab 16 Uhr von den Einsatzkräften aufgrund der Wetterwarnungen besetzt. Keine halbe Stunde später lief die erste Alarmierung auf.

In der Folge erlebte sie unterschiedliche Situationen: Nahe der Ortschaft Brenscheid beseitigte einer ihrer Kollegen einen Baum, als in der Nähe eine Fichte vom Wind umgeknickt wurde, aber zum Glück nicht in ihre Richtung stützte. „Für diese Fälle haben wir eine Fanfare griffbereit, um auch den Kollegen an der Motorsäge warnen zu können, der hört ja sonst nichts“, erzählt die 26-Jährige. Sie ergänzt: „In dieser Situation schlug mein Herz vor Aufregung ein bisschen schneller.“

„Ich musste mich regelrecht in den Wind legen, um mich überhaupt bewegen zu können“, erzählt Feuerwehrfrau Laura Linke.
„Ich musste mich regelrecht in den Wind legen, um mich überhaupt bewegen zu können“, erzählt Feuerwehrfrau Laura Linke. © Foto: Scholle

Kurz darauf wartete sie mit ihrer Einheit auf der Straße Richtung Waldmin auf Unterstützung des Bauhofs, um eine Sperrung vorzunehmen. Auf offener Fläche habe sie die Stärke des Sturms gespürt: „Ich musste mich regelrecht in den Wind legen, um mich überhaupt bewegen zu können.“ Angesichts dieser Kräfte sei sie überrascht gewesen, wie viele Menschen in dieser Nacht trotzdem auf Herscheids Straßen unterwegs gewesen seien.

Hunger? Müdigkeit? Dafür blieb zunächst gar kein Platz. Knapp zwei Stunden waren die Hüinghauser am späten Abend dauerhaft draußen unterwegs. Erst gegen 22 Uhr blieb Zeit für eine Stärkung im Gerätehaus, kurz darauf flaute Sturm Zeynep ab und die Einsatzkräfte konnten nach Hause fahren.

Erst daheim brach die Erschöpfung durch. Mehr als eine Stunde Schlaf waren Laura Linke und ihren Kameraden nicht gegönnt – dann ging der Melder. Erneut rückte die Feuerwehr zu einer letzten Einsatzfahrt in dieser Nacht aus, ehe die Sturmschicht endgültig beendet war.

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm

Am Samstagmittag ging es dann weiter: Die Einsatzkräfte trafen sich zur Säuberung von Fahrzeugen und Garage, kontrollierten Ausrüstung und Gerätschaften. Wie auch während der Einsatzfahrten war dabei der Austausch über das Erlebte wichtig. Außerdem war für Sonntagabend die nächste Sturmwarnung ausgegeben worden. „Da wollen wir wieder bereit sein“, sagt die 26-Jährige.

Der Sturm Zeynep sei für sie nach dem Hochwassereinsatz im Sommer (als sie unter anderem zur überörtlichen Hilfe nach Altena ausrückte) der bislang intensivste Einsatz gewesen. Dennoch habe sie die Stimmung im Gerätehaus und während der Fahrten als entspannt wahrgenommen, sie selbst habe sich regelrecht gefreut auf die Einsätze: „Genau deswegen bin ich ja Feuerwehrfrau geworden“, beschreibt sie. Das Gefühl, den Mitmenschen helfen zu können, sei für sie neben der Kameradschaft die Hauptmotivation.

Sturm Zeynep sorgt für 35 Feuerwehr-Einsätze

32 Einsätze leistete die Herscheider Feuerwehr wegen Sturm Zeynep von Freitag auf Samstag; am Samstagvormittag kamen drei weitere Einsätze hinzu. Der Meldekopf, der im Gerätehaus an der Bahnhofstraße eingerichtet wurde, koordinierte die Einsätze am Freitag von 16 bis 23 Uhr, danach trat eine leichte Beruhigung ein. Insgesamt sei es ein „heftiger Abend gewesen“, fasst Wehrleiter André Zimmermann zusammen. Insbesondere ab 20 Uhr hätte die Intensität der Alarmierungen zugenommen. Einsatzschwerpunkte seien nicht auszumachen gewesen: Die Wehr musste zu vielen Straßen ausrücken, auf die Bäume gestürzt waren. Aus Sicherheitsgründen konnten nicht alle Hindernisse sofort beseitigt werden. In Zusammenarbeit mit Bauhof und Straßenmeisterei mussten einige Straßen über Nacht gesperrt werden. Mit Stand von Sonntagmittag war nur noch die Verbindung von Rärin zur Bubbecke nicht passierbar; diese Strecke war bereits in Folge des Sturms am Donnerstag gesperrt worden. In der Nacht auf Samstag waren 70 Einsatzkräfte aktiv; alle seien unversehrt von den Einsatzfahrten zurückgekehrt, sagte Zimmermann erleichtert.

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