Meghan und Leon - zwei tierische Besucher zum Knuddeln

Da steht ein Pferd auf dem Flur: Wie zottelige Vierbeiner die Bewohner eines Seniorenzentrums verzücken

Da haben sich zwei auf Anhieb lieb gewonnen: Bewohner Horst Härer verwöhnte Minishetlandpony Leon mit Streicheleinheiten.
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Da haben sich zwei auf Anhieb lieb gewonnen: Bewohner Horst Härer verwöhnte Minishetlandpony Leon mit Streicheleinheiten.

Am liebsten hätte Horst Härer die Leine des kleinen Leon gar nicht wieder hergegeben. Auf Anhieb schloss der Senior das Minishetlandpony in sein Herz. „Er hat so ein schönes Fell“, schwärmte Härer und wuschelte liebevoll durch die Mähne des Vierbeiners, der die innige Kuscheleinheit sichtlich genoss.

Herscheid - Diesem tierischen Besuch hatten viele Bewohner des Seniorenzentrums seit Tagen entgegengefiebert. „Das erinnert mich an damals“, erzählte Hildegard Engelsberger von vergangenen Tagen, als sie auf einem ländlichen Hof wohnte, gemeinsam mit weitaus größeren Pferden – wie etwa Haflingern.

Und auch Jonny Tiedemann zeigte, dass ihm der Umgang mit Tieren nicht fremd ist. Gekonnt übernahm er die Leine von Stute Meghan und schritt mit der Sechsjährigen über den Flur. „Das fühlt sich fast so an wie früher“, lachte Tiedemann.

Emotionen wie diese sind es, die Carola Weidemann auslösen möchte: „Die Leute blühen auf, sobald sie meine Tiere sehen.“ Auf ihrem Reiterhof in Breckerfeld widmet sie sich seit drei Jahren einer speziellen Leidenschaft: Sie bildet Therapieponys aus, um mit ihnen Senioreneinrichtungen zu besuchen.

Mindestens ein Jahr lang bringt sie den Tieren bei, wie sie sich an den Aufenthalt in Personengruppen gewöhnen. Nicht lecken, keine plötzlichen Richtungswechsel während eines Spaziergangs an der Leine, verschiedene Untergründe – für die Vierbeiner gibt es viel Lernstoff.

Züchterin Carola Weidemann hat ihre beiden Therapieponys mehr als ein Jahr lang ausgebildet. Sogar das Fahren mit dem Fahrstuhl schreckt die Tiere nicht ab.

Diesen verabreicht Carola Weidemann in gut portionierten Dosen, denn: „Auch den Tieren soll es Spaß machen.“ Deswegen beinhaltet die Ausbildung kleine Besonderheiten, zum Beispiel den Gang am Einkaufswagen durch den Raiffeisenmarkt.

Auf die ausgefallene Idee, mit Therapieponys zu arbeiten, kam Carola Weidemann der Familie wegen. Ihre Mutter und eine Tante wohnen in einem Altenheim in Halver. „Ich wollte sie an meiner Arbeit mit den Tieren teilhaben lassen“, erzählte die Züchterin. Kurzerhand probte sie für einen ersten Besuch – und der stieß auf derart große Gegenliebe, dass sie inzwischen regelmäßig in einem Umkreis von 50 Kilometern Besuche bei Senioren abstattet.

Wichtig sei es, den Tieren Ruhepausen zu verschaffen. Während der rund zweistündigen Aufenthalte in der Fremde zeigen die Tiere keinerlei Anzeichen von Stress. Dennoch erhalten sie nach jedem Einsatz mindestens zwei Tage Verschnaufpause.

Eine solche Begleitung beim Gang durchs Seniorenzentrum hatte Maria Limp noch nie: Sie freute sich über den Besuch der sechsjährigen Stute Meghan.

Und auch die Vorbereitung sei wichtig: Neben der Reinigung der Hufe und dem Kämmen des Fells zähle dazu die Umstellung des Futters am Tag vor den Ausflügen, erklärt Carola Weidemann: „Damit sie nicht äpfeln.“

Nicht nur die Herscheider Senioren, auch die Mitarbeiter des Seniorenzentrums waren sichtlich erfreut: Unzählige Fotos wurden von Meghan und Leon gemacht, die für ein paar Streicheleinheiten gern als Fotomodelle posierten. Besonders beliebtes Motiv: die Ponys samt Züchterin im Aufzug. „Wir könnten aber auch die Treppe nehmen“, lachte Carola Weidemann.

Ihre Vielfältigkeit bewiesen die Vierbeiner auch beim Besuch der bettlägerigen Bewohner und beim Gang über die Flure. Am Rollstuhl, am Stock oder am Rollator – die Ponys passten sich stets dem Tempo ihrer Begleiter an. Und die strahlten vor Freude: Bewohnerin Maria Limp konnte ihr Glück kaum fassen, als sie mit der Stute spazieren ging. Unterwegs legte sie immer wieder eine Pause ein, streichelte das Tier, um kurz darauf zu lachen: „Dass wir beide uns hier kennenlernen, damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.“

Mehr (er-)leben

Auftritte von Kindergruppen und Musikern oder auch Ausflüge zu Festen gehören normalerweise zum Alltag im Seniorenzentrum. Doch wegen der Corona-Pandemie konnten die Bewohner viele Monate kaum Veranstaltungen erleben. Da ein Großteil der 60 Senioren und der Mitarbeiter inzwischen geimpft ist und die Infektionszahlen im Kreis sinken, sind solche Höhepunkte – auch dank der Unterstützung des Förderkreises – wieder machbar. Auch die ehrenamtlichen Helfer können wieder schrittweise ins Haus zurückkehren, freut sich Angelina Hoffmann, Leiterin des Sozialen Dienstes. Weiter verzichten müssen die Senioren hingegen auf die Besuche aus der Kindertagespflege Pusteblume, die im Gebäude des Seniorenzentrums beheimatet ist. Zum Schutz der Bewohner sind außerdem die beiden Wohnbereiche voneinander getrennt; gegenseitige Besuche der Bewohner von unterschiedlichen Etagen sind vorerst nicht erlaubt.

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