Ergänzung zu Corona-Warnapp und Luca

Start-up aus dem MK entwickelt neue Corona-App, die alles aus einer Hand liefern soll

David Stania Herscheid zeigt einen QR-Code in seiner selbst entwickelten Corona-App Covcheck für Coronatests.
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David Stania aus Herscheid zeigt einen QR-Code in seiner selbst entwickelten App Covcheck.

Corona digital nachverfolgen: Das geht nicht nur mit der Corona-Warn-App vom RKI oder der Luca-App vom Rapper Smudo. Im MK gibt es eine Alternative.

Herscheid - Wenn es darum geht, das Coronavirus über digitale Kanäle nachzuverfolgen, denken viele an die Corona-Warnapp oder die Luca-App von Fanta-4-Sänger Smudo. Seit dieser Woche gibt es eine weitere Möglichkeit, die im MK entwickelt worden ist. Die neue App erfasst Termine, Tests, Ergebnisse in einem Programm und soll die alle Bürger in ein Leben mit mehr Freiheiten begleiten. Der Name: Covcheck. Der Entwicklungsort: Herscheid. Pardon: Elsen. (News zum Coronavirus im MK)

GemeindeHerscheid
KreisMärkischer Kreis
Einwohner6954 (31. Dez. 2019)

Corona-App aus dem MK: Start-up entwickelt Alternative zur Luca-App

Elsen ist ein herscheidtypisches kleines Örtchen im Gemeindegebiet, gerade einmal 107 Einwohner, ländlich geprägt, rundherum Wiesen und Wälder. David Stania wohnt genau hier und saß vor gut drei Wochen mit seiner Familie am Frühstückstisch, als er in den Meldungen las, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ankündigte, dass Corona-Schnelltests eine zentrale Rolle auf dem Weg zu mehr Freiheiten spielen werden. Dazu kamen die hohen Inzidenzwerte im Märkischen Kreis... „Da begann mein Kopf zu arbeiten“, beschreibt er den Schlüsselmoment, der ihn in sein Arbeitszimmer führte.

Was kann die App?

Die wesentlichen Funktionen der App auf einem Blick:

- Die App ist rein webbasiert und kann im Internetbrowser über die Adresse www.covcheck.info aufgerufen werden.

- Nutzer können sich kostenlos registrieren und Corona-Schnelltests an Teststationen reservieren und sich nach dem Test vor Ort ihre Ergebnisse auf ihr Profil schicken lassen.

- Das Testergebnis kann dann laut den Entwicklern fälschungssicher von Händlern oder Dienstleistern per QR-Code abgerufen werden.

- Der zentrale Unterschied zur Corona-Warnapp oder zur Luca-App ist, dass Händler und Dienstleister sofort sehen können, ob der Kunde in den letzten 24 Stunden negativ getestet worden ist. Warnapp und Luca werden dagegen erst benötigt, wenn sich im Nachhinein ergeben hat, dass ein Kunde mit Corona infiziert war und werden dann für die Kontakt-Rückverfolgung benötigt. „Covcheck ersetzt keine dieser Apps, sondern ergänzt sie“, schreibt Entwickler David Stania.

Die Corona-Warnapp – sie dient im Wesentlichen der Kontaktnachverfolgung. Die derzeit vielbeschworene Luca-App – hilft ebenfalls vor allem bei der Kontaktnachverfolgung und muss deshalb an die Gesundheitsämter angeschlossen sein. Aber eine App, über die man Termine für Schnelltests buchen kann, das Ergebnis aufs Handy bekommt und sich damit dann bei Friseuren, Gastronomen oder Händlern sozusagen als Negativ-Getesteter ausweisen kann – das gab es nach David Stanias Recherche noch nicht. Also entwickelte David Stania ein solches Programm.

Das kann er, weil er Profi ist. Der 37-jährige Familienvater arbeitet seit 15 Jahren in der Softwareentwicklung und ist es als Angestellter eines mittelständischen Lüdenscheider Industrieunternehmens gewohnt, Komplett-Lösungen zu entwickeln. Mit diesem Wissen nutzte er schließlich jede freie Stunde nach der Arbeit, um seine Corona-App zu entwickeln. Jetzt ist Covcheck fertig und kann vom Handy, Tablet oder PC aus über die Internetadresse covcheck.info (und damit nicht als klassische Handyapp zum Herunterladen!) genutzt werden.

Corona-App aus dem MK: So funktioniert sie

Die Seite funktioniert so: Die Nutzer registrieren sich bei Covcheck und geben dabei die gleichen Daten an wie an einer Corona-Schnellteststation: Name, Adresse, Geburtsdatum, Geschlecht und Email-Adresse. Zusätzlich legen sie ein Passwort fest und können über ihr Benutzerkonto auch gleich Familienangehörige mitregistrieren. Über die App sollen sich die Bürger dann künftig einen Termin an einer staatlich anerkannten Teststation reservieren können. Voraussetzung dafür: Auch die Teststationen – seien es Testzentren, Apotheken oder Firmen – melden sich an und nutzen Covcheck als ihre Termin-Datenbank.

Dann kann der Nutzer zur gewählten Uhrzeit ins Testzentrum kommen, den persönlichen QR-Code auf dem Covcheck-Profil vorzeigen, sich testen lassen und das Ergebnis 15 Minuten später auf die App bekommen.

Und der dritte wichtige Punkt: Händler, Gastronomen oder Friseuren können das Testergebnis des Nutzers und auf Wunsch auch das seiner Familienangehörigen direkt als QR-Code mit dem Handy, Tablet oder einem PC mit Webcam abscannen. Dann erscheint auf dem Bildschirm die Nachricht: An Tag X zur Uhrzeit X positiv oder negativ getestet. Für diese Abfrage müssen Händler, Friseure, Gastronomen und Co. nicht bei Covcheck registriert sein.

Die Startseite auf der Webseite www.covcheck.info.

Das ist die Kurzzusammenfassung, wie die App funktioniert. David Stania hat sich bei der Entwicklung mit vielen Fragen beschäftigt. Stichwort Datensicherheit: „Alle Daten werden gemäß der Datenschutzverordnung in Deutschland gespeichert. Die Übertragung über das Internet erfolgt nur verschlüsselt. Die QR-Codes für die Anmeldung in den Teststationen sind nur vorübergehend oder einmalig nutzbar“, erklärt er. Es könne sich auch nicht irgendein Geschäft als Teststation anmelden, betont Stania. Voraussetzung sei die Testzentrumsnummer, die die Kreise den Betreibern ausgestellt haben.

Es dauerte gut zwei Wochen, bis der Herscheider alles fertig entwickelt hatte. Er habe das Programm seinem Geschäftspartner gezeigt, mit dem er seit zwei Jahren im Nebengewerbe die Firma Powerhouse Solutions betreibt. Sein Kollege sei begeistert gewesen, berichtet Stania.

Corona-App aus dem MK: Das erhoffen sich die Entwickler

Der Erfolg der App hängt nun davon ab – ähnlich wie bei Luca oder der Warnapp – , wie viele Menschen sie nutzen. „Die Akzeptanz muss natürlich da sein“, ist sich David Stania bewusst. Vor allem von den Betreibern der Teststationen wird vieles abhängen. Nur, wenn sie sich registrieren und damit einen „kleinen Teil“ ihres Gewinns pro Test an Entwickler Stania und seine Firma Powerhouse Solutions abtreten, können die Nutzer bei den Testzentren auch Termine und Ergebnisse über die App bekommen. Durch dieses Bezahlsystem über die Teststations-Betreiber bleibe die App für die Nutzer völlig kostenfrei, erklärt der Herscheider.

„Natürlich erhoffen wir uns von der App auch finanziell etwas“, sagt Stania, dem bewusst ist, dass die offensive Teststrategie womöglich in einem Jahr schon wieder vorbei sein könnte, wenn, wie er selbst sagt, „alles hoffentlich wieder beim Alten ist“. Dieser „Markt für ein vermutlich kurzes Zeitfenster“ sei auch der Grund dafür, warum sich zurzeit nur wenige Entwickler mit digitalen Lösungen beschäftigen. Er selbst probiert es – und sagt: „Das ist doch der Traum eines jeden Software-Entwicklers – dass man, wenn man alt und grau ist, sagen kann: Ich habe mit meiner Lösung eine kleine Macke auf dieser Erde hinterlassen.“ Und das aus einem kleinen 107-Einwohner-Örtchen namens Elsen in Herscheid...

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