Zeitlicher Zugzwang

Seniorenzentrum muss Konzept erarbeiten

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Musikalische Besucher: Das Duo Sonnenherz, das unter dem Namen Magic Sound bereits des Öfteren für Freude im Herscheider Seniorenzentrum gesorgt hatte, gab am Dienstagnachmittag ein Freiluftkonzert. 

Herscheid – Die Bewohner und die Angehörigen haben diese Nachricht herbeigesehnt. Für die Mitarbeiter und die Leitung des Seniorenzentrums Herscheid bedeutet die Aufhebung des Besuchsverbots ab Sonntag einen planerischen Kraftakt – und das unter zeitlichem Hochdruck.

Dass diese Lockerung so kurzfristig umgesetzt werden soll, davon wurde auch Anke Dahlhaus überrascht. Sie erfuhr am Dienstagabend über die Nachrichten von den Neuerungen, die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verkündet hatte. Dass die Besuchserlaubnis zeitnah irgendwann kommen würde, darauf habe man zwar spekuliert. „Dass es derart schnell kommt, das war jedoch nicht absehbar“, gesteht Anke Dahlhaus. Binnen vier Tagen muss nun ein Besuchskonzept erarbeitet und mit den Behörden sowie der Geschäftsleitung des Trägers (die CMS-Unternehmensgruppe) abgestimmt werden. Dabei müssen die weiterhin gültigen Schutzmaßnahmen genauestens beachtet und befolgt werden. So bleibt direkter Kontakt im Sinne von Umarmungen untersagt, auf das Einhalten der Mindestabstände und das Tragen von Schutzmasken wird dringend hingewiesen. 

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Gänzlich unvorbereitet ist das Seniorenzentrum indes nicht: Naheliegende Idee der Verwaltungsleitung ist es, das zurzeit ohnehin nicht nutzbare (weil gesperrte) Bistro zum Treffpunkt umzufunktionieren. Dieses verfügt über einen separaten Eingang und kann somit von den Angehörigen und den Bewohnern getrennt voneinander betreten werden. Im Bistro sollen Tische auf Abstand und mit trennenden Acrylglasscheiben aufgestellt werden. Eine weitere Besuchsmöglichkeit bestehe im Bereich des Foyers: Dort könnten Angehörige draußen, in der Sitzecke neben dem Haupteingang, den Kontakt zu den Senioren aufnehmen, die drinnen am geöffneten Fenster sitzen. 

Auch hier müssten Acrylglasscheiben für zusätzliche Sicherheit sorgen. Da größere Ansammlungen tunlichst vermieden werden sollen, müssen die Besuche im Vorfeld angemeldet und zeitlich abgesprochen werden. Die ersten telefonischen Anfragen erreichten das Seniorenzentrum übrigens bereits gestern Morgen, mitten in der Planungsphase, in der noch nicht genau feststand, wie diese Treffen im Detail ablaufen können. Die Freude über einen wichtigen Schritt in Richtung Normalität im Seniorenzentrum überwiegt zwar, dennoch ist sich Anke Dahlhaus bewusst, dass mit der Besuchserlaubnis auf sie und ihr Team eine weitere große Herausforderung zukommt. 

„Von unseren Mitarbeitern wird ein hohes Maß an Flexibilität erwartet“, sagt die Einrichtungsleiterin und verweist exemplarisch auf zusätzliche Dienste, die etwa durch die Begleitung der Besuche erforderlich werden. Aufgaben, die zumindest den Mitarbeiterinnen am Sonntag, der zugleich Muttertag ist, durch eine kleine Aufmerksamkeit des Hauses versüßt werden sollen. Ein kleines Geschenk erhalten auch die Bewohnerinnen, wobei sie sich vermutlich noch mehr über die Besuche ihrer Verwandten freuen. In den letzten Wochen konnten die Senioren zwar (mit Hilfe der Mitarbeiter) über das Internetprogramm Skype und über Handyvideos virtuell Kontakt halten. Doch das persönliche Wiedersehen, das ab Sonntag wieder möglich ist, dürfte einen wesentlich höheren Stellenwert bei den Bewohnern und ihren Familien genießen.

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