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Corona-Vorgaben als Bremsklotz: „Kein Bock mehr auf 3G“ im Jugendzentrum

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Von: Dirk Grein

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Großer Aufwand, überschaubare Resonanz: Vera und Andreas Wehberg konnten in Florian und Lani lediglich zwei Besucher bei ihrer Nerd-Bastelstunde begrüßen. Gemeinsam entwarf das Quartett Zauberstäbe und Teile einer Plattenrüstung – und tauchte dabei gedanklich in Phantasiewelten ab.
Großer Aufwand, überschaubare Resonanz: Vera und Andreas Wehberg konnten in Florian und Lani lediglich zwei Besucher bei ihrer Nerd-Bastelstunde begrüßen. Gemeinsam entwarf das Quartett Zauberstäbe und Teile einer Plattenrüstung – und tauchte dabei gedanklich in Phantasiewelten ab. © Foto: Grein

Die Herbstferien bedeuten für das Jugendzentrum einen erneuten Rückschritt: Weil die regelmäßige Testung der Kinder und Jugendlichen in den Schulen entfällt, lässt der Besuch vorübergehend nach.

Herscheid - Nach dem Corona-Lockdown und der monatelangen Schließung der Einrichtung sei man zuletzt auf einem guten Weg gewesen, erzählt Einrichtungsleiterin Silke Obier. 3 G und maximal 20 Personen gleichzeitig im Haus, so lauteten die wichtigsten Vorgaben. Daran hätten sich die jungen Besucher gern gehalten – für sie sei es wichtig gewesen, wieder mit ihren Freunden in das Jugendzentrum gehen zu können. Von einem „halbwegs normalisierten“ Betrieb spricht die Leiterin.

Doch in den Ferien gelten für die Jugendlichen wieder andere Regeln: Sie müssen sich – in Ermangelung der Schultestungen – selbst um einen Testnachweis kümmern. Dazu besteht die Möglichkeit eines „beaufsichtigten Selbsttests“ im Jugendzentrum oder aber des Besuchs des nur wenige Meter entfernten Testzentrums im DRK-Heim. Einmal die Woche kostenlos für Elf- bis 17-Jährige, über 18-Jährige müssen bezahlen, unter Elf-Jährige benötigen eine Bescheinigung der Eltern, so lauten die dortigen Vorgaben.

In der Summe sind das zu viele Regeln. „Kinder- und Jugendarbeit lebt von der Niedrigschwelligkeit“, nennt Silke Obier den Hauptgrund dafür, dass die Besuchszahlen in den Ferien – trotz regulärer Öffnungszeiten – eingebrochen sind. Ihr Kollege Andreas Wehberg ergänzt: „Die Kinder und Jugendlichen haben allmählich keinen Bock mehr auf 3 G.“ Eine Konsequenz: Mangels Masse wurde der geplante Ausflug in die Dortmunder Trampolinhalle abgesagt; auch dafür war ein Testnachweis erforderlich.

Die immer wieder wechselnden Regeln wirken auf die Arbeit wie ein Bremsklotz. Konzepte müssen angepasst, die Besucher informiert werden. „Wir geben nicht auf und machen weiter“, verspricht Silke Obier. So sind für die zweite Woche der Herbstferien eine Sportaktion und für den 23. Oktober eine Fahrt in den Movie Park geplant.

Was anderen als Yogamatte dient, nutzen die Bastler für ihre Cosplay-Kostüme. So entstanden aus dem biegsamen Kunststoff aufwendig angefertigte Helme.
Was anderen als Yogamatte dient, nutzen die Bastler für ihre Cosplay-Kostüme. So entstanden aus dem biegsamen Kunststoff aufwendig angefertigte Helme. © Foto: Grein

Deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren kamen auch zur Nerd-Woche. „Bedingt durch die Pandemie fehlt uns für dieses Angebot der Nachwuchs“, erklärt Andreas Wehberg. Im Jahr 2015 habe man die Aktion erstmals angeboten, die auf Anhieb guten Zuspruch fand.

Die Teilnehmer seien diesem Angebot zwar treu geblieben, aber sie sind inzwischen erwachsen. Wenn sich keine jüngeren Interessierten finden, dann „könnte das unsere vorerst letzte Nerd-Woche gewesen sein“, bedauert Andreas Wehberg, selbst ein bekennender Nerd.

Eine Woche mit ganz speziellen Angeboten

Das Wort Cosplay setzt sich zusammen aus den Komponenten Cos (für Kostüme) und Play (für Spielen). Beides zusammen macht für die Nerds mit ihrer speziellen Vorliebe für Comics, Filme und Computerspiele den Reiz aus: Sie entwerfen Kostüme und Ausrüstungsgegenstände, die sie von ihren Lieblingsfiguren kennen. Die Herausforderungen dabei sind vielseitig: Zunächst werden Skizzen und Vorlagen erstellt, Materialien zugeschnitten und dann gebogen. Beim Basteln im Jugendzentrum wurde hauptsächlich der Kunststoff EVA genutzt, aus dem unter anderem auch Yogamatten hergestellt sind. Die Nerds hingegen formten daraus Zauberstäbe und Teile einer Plattenrüstung. Das Fantasy-Abenteuerspiel, ein Filmquiz, der Lasertag sowie die LAN-Party waren weitere Bestandteile der sechsten Nerd-Woche des Jugendzentrums.

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