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Corona und Logistik erschweren Planungen: Raiffeisen-Anbau verzögert sich

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Von: Dirk Grein

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Diese grüne Wiese zwischen Raiffeisen-Markt und Valberter Straße soll bald verschwinden. Im Zuge der Vergrößerung soll ein Großteil des Geländes abgetragen werden, um dort einen neuen Parkplatz anzulegen.
Diese grüne Wiese zwischen Raiffeisen-Markt und Valberter Straße soll bald verschwinden. Im Zuge der Vergrößerung soll ein Großteil des Geländes abgetragen werden, um dort einen neuen Parkplatz anzulegen. © Foto: Grein

Die ehemalige Werksleiterwohnung ist abgerissen, die angrenzende Fläche für den Ausbau somit freigeräumt. Doch wann erneut schweres Gerät am Mühlenweg anrollen wird, um die umfangreiche Erweiterung des Raiffeisen-Marktes fortzusetzen, kann noch nicht abgeschätzt werden.

Herscheid - Das Planverfahren zieht sich in die Länge, verlangt von den handelnden Personen Geduld: Erste Wunschvorstellungen, eine Eröffnung im Frühjahr 2022 feiern zu können, haben sich längst zerschlagen. Als maßgeblichen Grund für die Verzögerung nennt Marius Scholten, Geschäftsführer der südwestfälischen Raiffeisen-Genossenschaft, zum Einen Corona; die Pandemie habe die Kommunikation erschwert, manch ein Planungstreffen „Auge in Auge“ platzen lassen. Andererseits sei die gesamte Logistik komplizierter geworden, verweist Scholten auf explodierende Rohstoffpreise, Lieferschwierigkeiten bei benötigten Baumaterialien und ausgebuchte Auftragsfirmen.

Vergrößerung von 700 auf 2 000 Quadratmeter

Die veränderten Bedingungen habe die Genossenschaft bei ihrem Bauprojekt genau im Blick: Immerhin soll die Verkaufsfläche des Herscheider Marktes von zurzeit 700 auf demnächst 2 000 Quadratmeter mehr als verdoppelt werden. Ein großes Vorhaben also, das aufgrund der genannten Faktoren deutlich teurer in der Umsetzung werden dürfte, als ursprünglich vorgesehen.

Insbesondere die Coronazeit bestärkt die Planer jedoch: Während des Lockdowns zählte der Raiffeisenmarkt zu den systemrelevanten Betrieben, durfte daher weiter öffnen. In der öffentlichen Wahrnehmung habe der Markt profitiert, sei der ohnehin hohe Kundenzuspruch noch gestiegen.

Der alte Parkplatz wird zukünftig vorrangig als Zuwegung zu dem bald verlegten und wesentlich größeren Parkplatz genutzt. Auch der Haupteingang wird umziehen.
Der alte Parkplatz wird zukünftig vorrangig als Zuwegung zu dem bald verlegten und wesentlich größeren Parkplatz genutzt. Auch der Haupteingang wird umziehen. © Foto: Grein

Diese hohe Wachstumsrate habe sich auch nach dem Lockdown verfestigt und könnte dazu beitragen, die gestiegenen Baukosten auszugleichen. „Wir wollen das Projekt in Herscheid unbedingt durchziehen“, betont Marius Scholten mit Vehemenz. Auch seitens der an dem Planverfahren beteiligten Behörden gebe es keine grundsätzlichen Bedenken: „Alle Ampeln sind auf Grün gestellt“, hofft Scholten auf ein zügiges Voranbringen der Planungen.

Vervierfachung der Park-Kapazitäten

Neben der Abrundung des Sortiments verfolgt der Ausbau am Standort Herscheid ein zweites großes Ziel: die Verbesserung der Parksituation. So soll das bestehende Gebäude um einen gespiegelten Anbau erweitert werden. In diesem Zuge soll der Haupteingang verlegt werden in Richtung Valberter Straße.

Damit die Kunden möglichst kurze Wege haben, wird auch der Parkplatz mit umziehen in Richtung Haupteingang. Dafür muss unterhalb der Valberter Straße (zurzeit Wiese) viel Gelände abgetragen werden, um hier mehr als 45 Stellflächen schaffen zu können. „Das entspricht einer Vervierfachung der bisherigen Kapazitäten“, so Scholten.

Die Zufahrt auf das Gelände bleibe unverändert: Auch in Zukunft sollen die Kunden vom Mühlenweg aus den Raiffeisenmarkt ansteuern können. Über den bisherigen Parkplatz erreichen sie die zukünftigen Stellflächen.

Wann dort die ersten Fahrzeuge für eine Einkaufstour geparkt werden können, das vermag der Geschäftsführer der Genossenschaft nur grob zu schätzen. Sein Wunsch ist es, die Eröffnung im Frühjahr 2023 feiern zu können – vorausgesetzt, während der Planungs- und Bauphase treten keine weiteren, unvorhersehbaren Verzögerungen auf.

Landesbetrieb Straßen.NRW lehnt direkte Zufahrt von der Valberter Straße ab

Das Thema Raiffeisen-Markt beschäftigte am Montag die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses. In der öffentlichen Sitzung fasste Jan Koopmann (Bauamt) die Grundzüge der Erweiterung vor. Dabei ging er auch auf die Ergebnisse einer Verträglichkeitsuntersuchung ein. Die von der Gemeinde beauftragte Cima Management + Beratung GmbH fand heraus, dass durch die Vergrößerung keine Kaufkraftabflüsse in und um Herscheid herum zu befürchten sind. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung müsse für die benötigte Änderung des Bebaungsplanes nicht in Auftrag gegeben werden, weil dieser Bereich bereits als gewerblich genutzte Fläche ausgewiesen ist. Die von der Raiffeisen-Genossenschaft favorisierte Zufahrt auf das Gelände direkt von der Valberter Straße scheiterte an einem Einspruch des Landesbetriebs Straßen.NRW, der eine solche Zuwegungen von einer Hauptstraße nicht genehmigt habe, so Koopmann. Das Gelände bleibe somit weiter über den Mühlenweg erreichbar. Von der Straße Am Mühlengraben kommend werde lediglich eine kleinere Verkehrsfläche in Richtung Betriebsgelände angelegt, die als Wendemöglichkeit für Entsorgungsfahrzeuge gedacht ist. Ein Ausbau der Straße Am Mühlengraben als Zufahrt scheitere daran, dass diese laut Planungsrecht in dem Bereich zwischen Kurve und Valberter Straße nicht als Straße, sondern als Fuß- und Radweg ausgewiesen ist. Der Herscheider Planungsausschuss stimmte der beantragten Bebauungsplanänderung einstimmig zu; die Unterlagen sollen demnächst öffentlich ausgelegt werden.

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