1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

Corona macht das Landleben interessanter: Nachfrage nach Wohnraum steigt

Erstellt:

Von: Dirk Grein

Kommentare

Erneuerbare Energie nutzen – das möchte die Gemeinde nicht nur auf dem Rathausdach.
Erneuerbare Energie nutzen – das möchte die Gemeinde nicht nur auf dem Rathausdach. © Foto: Hochstein / Gemeinde Herscheid

„Manches wird aufgeschoben, aber nichts aufgehoben!“ – So fasst Bürgermeister Uwe Schmalenbach den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2022 zusammen. In der letzten Ratssitzung des Jahres gab er Einblicke, welche Projekte die Gemeinde trotz angespannter finanzieller Lage umsetzen möchte.

Herscheid - Bereits das Zahlenwerk für das laufende Jahr habe aufgrund der Corona-Pandemie und des Juli-Hochwassers unter erhöhtem Druck gestanden. Katastrophen wie diese schränken die kommunale Handlungsfähigkeit weiter ein. Hinzu komme: „Wir schleppen ein gehöriges Maß an Altlasten mit uns“, betonte der Bürgermeister.

Er stellte 2022 als Wendepunkt in der Herscheider Haushaltswirtschaft heraus. Der Gemeinde könne es gelingen, die Vorgaben des Haushaltssicherungskonzeptes zu erfüllen und erstmals seit mehr als zehn Jahren einen ausgeglichenen Haushalt zu gestalten. Dies jedoch nur aufgrund einer Steuererhöhung und einer Bilanzierungshilfe.

Anlass zur grenzenlosen Freude biete dieser Ausgleich daher nicht. Dennoch sprach der Bürgermeister davon, dass sich der Haushalt in die richtige Richtung entwickele. Zumal durch Fördermittel gezielte Investitionen in die gemeindliche Infrastruktur möglich seien. Ein Überblick.

Bauvorhaben

Zu Herscheids Vorzeigeprojekt hat sich das Bildungszentrum Rahlenberg entwickelt. Nachdem die moderne Grundschule ihren Betrieb aufgenommen hat, steht nun der dritte Bauabschnitt an. „Wir haben uns zunächst nur für einen Teilrückbau der alten Grundschule entschieden“, sagt der Bürgermeister. Zudem sei die Neugestaltung der Außenanlage geplant.

Als weitere maßgebliche Bauprojekte sind im Haushalt Mittel für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Rärin, den Umbau der Gemeinschaftshalle und die Sanierung des Eingangsbereichs und des Betriebsgebäudes im Freibad vorgesehen. Enthalten sind zudem Planungskosten für eine Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses in Herscheid.

Straßenverkehr

Im Frühjahr soll der Breitbandausbau auch in Herscheid beginnen. Dieser „dürfte nicht ohne begleitende Baumaßnahmen der Gemeinde funktionieren“, schätzt der Bürgermeister. Die – ohnehin überschaubaren – Finanzmittel für die Unterhaltung der Gemeindestraßen werden daher konstant gehalten. Auch der zweite Abschnitt des Radweges in Richtung Grünenthal soll – nach Verzögerungen – in 2022 umgesetzt werden.

Für die Anschaffung von Fahrzeugen sieht der Haushalt 243 000 Euro für Feuerwehr, Bauhof und Verwaltung vor. Unter diesen Investitionen befinde sich das erste gemeindliche Elektrofahrzeug.

Hüinghauser Konzept

Beim Strukturförderprogramm Regionale 2025 hofft die Gemeinde, das Projekt „Wander- und Naturerlebniszentrum Nordhelle“ weiter qualifizieren zu können. Der Verbund Oben an der Volme, dem Herscheid angehört, soll auch beim Leader-Förderprogramm Erfolge bringen: Eine Entwicklungsstrategie soll unter Einbindung der Bürger erfolgen, erklärte Schmalenbach: „Bei einer erfolgreichen Bewerbung stünden uns über 500 000 Euro für Projekte in Herscheid für den Förderzeitraum 2023 bis 2027 zur Verfügung.“ Ein möglicher Bestandteil könnte das angestrebte Dorferneuerungskonzept für Hüinghausen werden.

Bürgermeister Uwe Schmalenbach brachte in der Rahlenberg-Aula den Haushalt für 2022 ein.
Bürgermeister Uwe Schmalenbach brachte in der Rahlenberg-Aula den Haushalt für 2022 ein. © Foto: Grein

Klimaschutz

Die Installationen einer weitere Photovoltaikanlage auf einem gemeindlichen Gebäude und einer Solaranlage sollen in 2022 erfolgen. Für eine Anlage auf dem Bildungszentrum liege eine Förderzusage vor, wie der Bürgermeister versicherte. Damit gehe die Sanierung des Flachdachs der einstigen Hauptschule einher.

Der Kreis will eine Starkregensimulation für alle Gewässer erstellen lassen. Daraus könnten sich lokal weitere Maßnahmen für einen verbesserten Hochwasserschutz ergeben. „Ohne zusätzliches Personal oder externe Unterstützung können diese Zusatzaufgaben aber nicht bewältigt werden“, so Schmalenbach. Für 2022 seien aber vorrangig Maßnahmen zum Wiederaufbau durchzuführen; die Beseitigung der Hochwasserschäden an gemeindlicher Infrastruktur verursache Kosten von rund 750 000 Euro.

Wohnraum schaffen

Durchaus überraschend gab der Bürgermeister bekannt, dass die Gemeinde ein Neubaugebiet plane. Zuletzt waren die Grundstücke am Rotmilanweg schneller als gedacht vermarktet worden. Die Pandemie habe – das belegen neue Umfragen – bei vielen Menschen das Interesse am Landleben zusätzlich verstärkt. „Uns erreichen wöchentlich Anfragen nach einem Bauplatz in Herscheid, die wir derzeit nicht bedienen können“, so der Bürgermeister.

Durch die Prädikatisierung der Gemeinde zum Erholungsort werde der Wohnstandort weiter gestärkt.

Digitalisierung

Notwendige Beschaffungen bei der Schutzkleidung der Feuerwehr sowie der Austausch von Geräten auf den Spielplätzen finden im Haushalt Berücksichtigung. Mit rund 40 000 Euro sind die Mittel für die technische Ausstattung des Bürgersaals und des Rathauses im nächsten Jahr vergleichsweise gering. Doch die Aufwendungen für den Bereich der Digitalisierung werden in den Folgejahren steigen, prognostizierte Schmalenbach.

Beratungen folgen

Der Haushaltsplanentwurf wird in den kommenden Wochen von den Fraktionen und Ausschüssen beraten. Die Verabschiedung ist für Frühjahr 2022 vorgesehen.

Auch interessant

Kommentare