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Corona erschwert Arbeit im Jugendzentrum:
Kontakte müssen wieder aufgebaut werden

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Von: Dirk Grein

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Viele Jugendliche leiden unter der Corona-Pandemie.
Viele Jugendliche leiden unter der Corona-Pandemie. © Foto: polizei-beratung.de

Rückzugsort, Treffpunkt, Kummerkasten: Das Jugendzentrum hat für die jungen Besucher in Herscheid viele Funktionen. Doch diese konnte die Einrichtung im letzten Jahr nur bedingt erfüllen – zu groß waren die Einschränkungen durch die Pandemie.

Herscheid - Leiterin Silke Obier und ihr Kollege Andreas Wehberg berichteten im Sozialausschuss über die vielschichtigen Probleme, die Corona für das Haus mit sich brachte; mehr als fünf Monate war es zu Beginn des Jahres 2021 geschlossen. Ende Mai folgte dann die Öffnung in kleinen Schritten – und die sahen zunächst feste Zeit- und Gruppenstärkenvorgaben vor; so durften sich nie mehr als fünf Jugendliche gleichzeitig im Haus aufhalten.

„Unter diesen Bedingungen macht offene Jugendarbeit keinen Sinn“, beschrieb Andreas Wehberg die Konsequenz, die folgende Faustformel recht treffend beschreibt: je mehr Regeln, desto weniger Besucher. Über das Internet, aber auch durch das Aufsuchen auf der Straße versuchten Andreas Wehberg und Silke Obier, Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. Doch mehr Betrieb im Jugendzentrum sollte sich erst einstellen, als Lockerungen der Coronaregeln möglich waren.

Diese Zeit nagte an den Jugendlichen: Immer wieder wurde über die Notwendigkeit der Regeln diskutiert. Der Satz „Die sind in der Pandemie nicht verhandelbar“, musste das Betreuer-Duo häufiger sagen. In der Summe führte die Pandemie nicht nur zu erheblichen Besucherverlusten, sondern auch zu Akzeptanzproblemen. „Wir waren für die Jugendliche die Kontrolleure und das hat für Distanz gesorgt“, bedauert Silke Obier.

Für alle Besucher gilt im gesamten Jugendzentrum Maskenpflicht, damit sind medizinische OP-Masken oder FFP2-Masken gemeint. Für Besucher ab 16 Jahre gilt zurzeit die 2G-Regel: Nur geimpfte oder genesene Besucher ab 16 Jahre (mit Nachweis) können die Angebote des Jugendzentrums nutzen. Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre gelten weiterhin durch die Schule als getestet; für sie gilt daher die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet). Zusätzlich zu den bekannten Öffnungszeiten in der Woche (montags bis freitags von 15 bis 21 Uhr) bietet das Jugendzentrum nun auch regelmäßige Öffnungstage am Wochenende an. Samstags wird das Haus dann zusätzlich in der Zeit von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen dazu sind im Internet zu finden auf der Seite www.jugendzentrum-herscheid.de

Das gemeinsame Ziel sei es deshalb, in den nächsten Wochen und Monaten – sofern es die Coronalage weiter zulässt – die Folgen der Pandemie mit den Besuchern aufzuarbeiten, verloren gegangene Kontakte wiederaufzubauen. Erste Erfolge hätten sich bereits eingestellt.

In Gesprächen erfuhren Silke Obier und Andreas Wehberg aber auch, wie sehr die Jugendlichen unter den derzeitigen Umständen leiden. Damit seien nicht nur die Einschränkungen in der Freizeitgestaltung gemeint, sondern auch von gravierenden psychischen Folgen wurde ihnen berichtet. Feste Freundschaften und Partnerschaften seien an Corona zerbrochen, Beziehungen zu Erwachsenen geschädigt. Umso wichtiger sei es, dass das Jugendzentrum als fester Anlaufpunkt und Anker für die Jugendlichen wieder zur Verfügung stehe.

Apropos: Das Duo Obier / Wehberg war während des Lockdowns und der Pandemie nicht untätig. Es nutzte die Zeit unter anderem dazu, die virtuellen Angebote auszubauen, Räume neu einzurichten und das Lager aufzuräumen. Besonders stolz ist Silke Obier auf „unseren tollen Computerraum“, mit dem der Arbeitsschwerpunkt „Digitale Medien und Medienpädagogik“ gefördert werden soll.

Ferienspaß: Neues wird beibehalten

Neben dieser täglichen Arbeit für und mit den Jugendlichen plant die Einrichtung bereits die nächsten Ferienspaßaktionen. Zuletzt habe man im Sommer 2021 das Jugendzentrum zu einer Weltraumbasisstation umgewandelt. Die Teilnehmerzahl war begrenzt auf 20 Kinder pro Woche, das erstellte Schutzkonzept sei aufgegangen: „Die Kinder konnten für ein paar Stunden die Pandemie gedanklich ausblenden“, sagt Andreas Wehberg.

Einige Bestandteile sollen bei den nächsten Aktionen beibehalten werden. So sei durchaus denkbar, in Zukunft auf die Zuteilung in feste Gruppen zu verzichten und stattdessen verstärkt offne Angebote zu ermöglichen. „Einige Kinder basteln nicht gern, andere können davon gar nicht genug bekommen“, nennt Silke Obier ein Beispiel.

Der Ferienspaß - hier ein Bild aus dem Sommer 2021 - liegt Silke Obier und Andreas Wehberg am Herzen.
Der Ferienspaß - hier ein Bild aus dem Sommer 2021 - liegt Silke Obier und Andreas Wehberg am Herzen. © Foto: Grein

Ohnehin müsse abgewartet werden, wie sich die Entscheidung des Vereins Holiday Kids auswirkt, der seine Aktivitäten aus personellen Gründen aufgegeben hat. Dadurch könnte die Nachfrage nach Aktionen des Jugendzentrums weiter steigen. Nach jetzigem Stand ist ein Ferienspaß zu Ostern (19. bis 22. April) und einer im Sommer (27. Juni bis 8. Juli) geplant. Gedacht seien diese Tage für Herscheider Kinder von sechs bis elf Jahre. Anmeldungen seien zurzeit noch nicht möglich, zumal die Einrichtung zunächst auf der Suche nach jugendlichen Betreuern sei.

Neben Ausflügen in Freizeitparks steuert das Jugendzentrum übrigens auf Anregung einiger Jugendlichen regelmäßig ein neues Ziel an: So habe sich eine Gruppe zusammengefunden, die sich für American Football begeistert. Per Bus sollen Spiele in der Nähe besucht werden.

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