Über 100 Gäste bei Besuch von Landwirtschaftsministerin

Christina Schulze Föcking: "Sie ist eine von uns"

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Herscheid - Großer Andrang: Über hundert Besucher waren am Mittwochabend auf dem Hof von Kreislandwirt Dirk Voß auf die Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Unter ihnen waren nicht nur Herscheider, sondern auch Gäste aus Lüdenscheid und Breckerfeld.

Die meisten Besucher, bei denen alle Altersgruppen vertreten waren, hatten beruflich mit der Landwirtschaft zu tun. „Klasse, dass die Halle so gut gefüllt ist. So habe ich mir das gewünscht“, sagte Gastgeber Dirk Voß bei der Begrüßung.

Die Aussage an die Landwirtschaftsministerin war deutlich: „Sie ist eine von uns – im Gegensatz zu ihrem Vorgänger“ und „Wir wissen, dass wir verstanden werden. Der ländliche Raum braucht sie.“

Dass Christina Schulze Föcking Verständnis hat, zeigte sie den Landwirten zum Beispiel mit ihrer Aussage über das Enthornen von Rindern und das Kupieren von Schweineschwänzen: „Wie müssen Gelder in die Forschung stecken, um zu erfahren, wie wir dahin kommen, dass >Horning< nicht nötig ist.“ Das gleiche gelte für das Kupieren von Schwänzen. Sie sei sich sicher, dass die Bauern gerne darauf verzichten würden, das Ausmaß jedoch schlimmer würde, solange es keine Lösung gebe.

Wichtig sei für die Landwirte, dass die Bürokratie wieder heruntergeschraubt würde. Diese habe in den letzten Jahren das Leben der Bauern erschwert. „Man fragt sich, ob man seinen Kindern überhaupt noch zu dem Beruf raten kann“, ist Dirk Voß der gleichen Meinung. Christina Schulze Föcking gehe es nicht darum, dass die Betriebe immer größer würden, sondern, dass auch kleine und mittlere Betriebe bestehen können. Daher plant sie keine weiteren Erlasse, sondern weniger Bürokratie.

Auch das Landesjagdgesetz möchte Christina Schulze Föcking daher anpacken. In ihren Augen steht dies im Zusammenhang mit der Verbreitung der Schweinepest, und diese zu verhindern, sollte sie hier ausbrechen. Schulze Föcking möchte frühzeitig handeln. Zudem ist sie der Meinung, dass eine bundeseinheitliche Regelung zur Jagd nötig ist. Dass es eine Veränderung im Jagdgesetz geben muss, sah ein Besucher auch so. Fast alle Betriebe hätten 15 bis 20 Prozent ihrer Flächen durch Wildschweine umgewühlt. Bis Grünland wieder hergestellt sei, dauere es zwei bis drei Jahre und es reiche nicht aus, nur die Überläufer zu schießen (Applaus der übrigen Gäste). Es müsse noch eine andere Möglichkeit geben.

Auch im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes interessierte die Gäste das Thema Jagd. Ein Gast aus Breckerfeld gab zu bedenken, dass, sobald der Wolf zurück komme, es mit der Weidehaltung vorbei sei. Aus diesem Grund solle der Wolf seiner Meinung nach mit in das Jagdgesetz aufgenommen werden. Christina Schulze Föcking sah dies ähnlich und berichtete von einem Gespräch mit einem Schäfer, dessen Tiere drei Mal von einem Wolf heimgesucht worden waren. „Er schilderte, dass die Tiere in Panik sind und der Zaun nicht ausgereicht habe. Ich möchte im Vorfeld keine Angst machen, aber ich möchte auch nicht blauäugig an das Thema herangehen“, erklärte die Landwirtschaftsministerin. Sie könne sich vorstellen, die Jägerschaft für Beobachtungen mit ins Boot zu holen.

Ein Thema gestern, das den Besuchern wichtig war, war auch der Flächenverbrauch. Ein Gast sagte: „Wir verlieren als Landwirte 13 Hektar pro Tag in NRW. Das können wir uns auf Dauer nicht erlauben.“ Hinzu käme dann noch das Gewerbeflächenkonzept. Darauf reagierte auch der anwesende Landrat Thomas Gemke. „Jeder zweite arbeitet in der Industrie und die Firmen wollen sich erweitern. Wir müssen Kompromisse schaffen“, erklärte er.

Dirk Voß, der sich neben seiner Tätigkeit als Kreislandwirt in der Herscheider Politik engagiert, appellierte an dieser Stelle an die Landwirte: „Wir müssen rausgehen, mitreden und uns engagieren.“ Er habe Verständnis dafür, dass man die Industrieflächen erweitern wolle, aber es seien auch viele Flächen vorgeschlagen worden. Er selbst habe daher mit seiner Partei, der CDU, gesprochen und seinen Standpunkt erklärt, als es um die Flächenausweisung für Herscheid ging.

Ein weiteres Thema, das die Ministerin als wichtig ansah, war die Wertschätzung von Nahrungsmitteln. „Wir müssen es wieder hinbekommen, mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu verhandeln, damit die Landwirte für die Erzeugnisse genug bekommen. Ich glaube, die Landwirte würden auch weniger Tiere halten, wenn das am Ende an der Kasse bezahlt werde“, sagte sie.

Sie vertritt den Standpunkt, die Wertschätzung für die Nahrungsmittel sollte schon in der Schule beginnen und im Elternhaus weiter getragen werden. Unter anderem müssten auch die Schulbücher überarbeitet werden, um ein zeitgemäßes Bild von der Landwirtschaft zu vermitteln. Es gebe ein bestimmtes Bild, Landwirtschaft sei jedoch mehr. Daher begleitet Christina Schulze Föcking zum Beispiel auch Höfe-Touren, um Interessierte auf die Bauernhöfe zu bekommen. „Jeder Landwirt kümmert sich um seine Tiere, sonst würde er sich ins eigene Fleisch schneiden“, sagte die Ministerin in diesem Zusammenhang.

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