Brexit kann zu einem Risiko werden

Bürokratie, Umweltschutz, Coronavirus: GAH spricht über Herausforderungen

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An der Etikettiermaschine machte die Gruppe einen längeren Zwischenstopp und erläuterte die Probleme bei der Kennzeichnungspflicht.

Herscheid – Brexit, Digitalisierung, Umweltschutz, Coronavirus – Unternehmer sehen sich in diesen Tagen mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Umso wichtiger ist ein direkter Austausch mit der Politik. Der fand jetzt bei GAH Alberts in Grünenthal statt.

Neben den GAH-Geschäftsführern Alexander und Dietrich Alberts waren der heimische CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese, Christian Vietmeyer (Hauptgeschäftsführer des WSM Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung), Norbert Lindemann (stellvertretender Geschäftsführer des Herstellerverbands Haus und Garten) sowie Sebastian Moos (Vorsitzender der Ortsunion) anwesend.

„Nur wenn man miteinander redet, kann man sich verstehen – und nicht übereinander“, machte Dietrich Alberts deutlich.

Arbeitsplätze und Umwelt schützen

Eines der Kernthemen war der Umweltschutz. Unter anderem ging es um die europaweite Bepreisung von CO2, die aktuell von der Europäischen Kommission diskutiert wird, und was sie für ein Unternehmen wie GAH konkret bedeuten könnte.

„Wenn der Stahl, den wir für unsere Produktion einkaufen, durch Zölle um beispielsweise 20 Prozent verteuert wird, dann produzieren wir natürlich mit teurerem Stahl als der restliche Weltmarkt“, erklärte Dietrich Alberts. Länder wie Indien oder China, in denen die Zölle nicht gezahlt werden müssen, könnten dann die europäischen Preise unterbieten. „Und das, obwohl sie in der Herstellung nicht wettbewerbsfähiger sind als wir, aber einfach auf der Einkaufsseite einen Vorteil haben.“

Anhand der GAH-Produkte erläuterten Dietrich (2.v.r.) und Alexander Alberts (3.v.l.), welche bürokratischen Belastungen es für Unternehmen derzeit gibt. Zum Austausch kamen Dr. Peter Liese (2.v.l.), Norbert Lindemann (5.v.l.), Sebastian Moos (6.v.l.) und Christian Vietmeyer (8.v.l.). Christian Anheier (l.) führte durch die Produktion.

Deswegen müsse bis ins Detail bedacht werden, welche Folge durch solch einen Eingriff in die Marktwirtschaft entstehen können. „Und die zu regeln wird fast unmöglich sein, vermute ich“, so Dietrich Alberts. Peter Liese ergänzte: „Ich bin dafür, dass wir uns das genau anschauen und die Frage, wie sehr wir das europäische Klimaziel verschärfen, nicht leichtfertig behandeln.“

Man könne die Maßnahmen nicht einfach durchsetzten und „anschließend einen Zaun um Europa machen und alle, die importieren, müssen draufzahlen.“ Einig waren sich die Fachmänner in dem Punkt, dass die europäischen Klimaschutzziele nicht dazu führen dürfen, dass Deutschland gegenüber anderen Ländern die Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Herausforderung Online-Handel

Digitalisierung ist überall Thema, so auch in der Industrie. Einkäufe werden zu großen Teilen über Onlineshops abgewickelt. „Die Herausforderung ist, die ,Brot-und-Butter-Produkte’ durch Individualisierung und durch die Präsentation wieder attraktiv zu machen. Der Kunde möchte nicht mehr nur einkaufen, sondern entertaint werden“, sagte Dietrich Alberts.

Laut dem Marktforschungsinstitut Mintel gaben 92 Prozent der Deutschen an, im vergangenen Jahr einmal oder öfter online eingekauft zu haben. Wer vermutet, dass die Zahl vor allem auf die junge Generation zurückzuführen ist, irrt: Auch 89 Prozent der über 65-Jährigen bekundeten, 2019 mindestens einmal online bestellt zu haben. GAH hat darauf reagiert. Viele Produkte werden inzwischen über Amazon und andere Händler verkauft.

GAH-Geschäftsführer Dietrich Alberts.

Die Firmenhomepage bietet eine Übersicht. Alexander Alberts erläuterte, dass rund 25 Prozent des Absatzes inzwischen über E-Commerce abgewickelt werden. Neben den Herausforderungen bietet die Digitalisierung auch Chancen.

Zur Veranschaulichung zog Dietrich Alberts einen einfachen Winkel heran, den GAH herstellt: Darauf muss ein Etikett mit umfangreichen Informationen angebracht sein, das zum Beispiel die Artikelnummer sowie den Namen des Herstellers enthält. Auch bei kleinen Teilen sind solche Kennzeichnungen vorgeschrieben, was dazu führt, dass das Etikett manchmal größer ist als das eigentliche Produkt. Dann kann es passieren, dass eine eigentlich unnötige Verpackung angebracht wird.

Digitale Chancen nutzen

Peter Liese dazu: „Bei der Kennzeichnungspflicht ist die Lage ähnlich wie bei der Bonpflicht. Eine gut gemeinte Regel wird übertrieben und schadet der Umwelt.“ Er wolle sich für eine schnelle und unbürokratische Lösung einsetzen, die Unternehmen in diesem Punkt entlasten, versicherte Liese. Allgemein sprach er sich dafür aus, durch Bürokratieabbau Umwelt- und Klimaschutz voranzubringen. Alternativen zu den Etiketten könnten über das Internet führen.

Schon jetzt drucke GAH auf einige Etiketten die Adresse der Firmenhomepage, auf der sich Informationen zum Produkt und darüber hinaus auch zur Anwendung finden, erklärte Dietrich Alberts. Der Weg auf die Internetseite könnte über QR-Codes noch beschleunigt werden. Diese Codes werden mit dem Smartphone eingescannt und anschließend öffnet sich die Homepage automatisch. An den selbstentworfenen GAH-Verkaufsständen sind QR-Codes schon jetzt zu finden.

An der Etikettiermaschine machte die Gruppe einen längeren Zwischenstopp und erläuterte die Probleme bei der Kennzeichnungspflicht.

Sie führen beispielsweise zu Youtube-Videos, in denen erklärt wird wie man ein Produkt am besten verbaut. „Der Trend zum Selbermachen ist ja wieder da“, so Dietrich Alberts. Voraussetzung für den verstärkten Einsatz der Codes ist eine ausreichende Abdeckung mit Smartphones. Die sei mittlerweile aber wohl erreicht, vermutete Dietrich Alberts.

„In der jungen Generation sowieso und auch bei den Älteren.“ Eine unternehmensinterne Umfrage habe ergeben, dass 99 Prozent der Belegschaft mit Smartphones ausgerüstet sind. Deutschlandweit sind es den Marktforschern von Mintel zufolge 86 Prozent. Unter den über 55-Jährigen haben immerhin 78 Prozent ein Smartphone.

Brexit als Wirtschaftsrisiko

Der Austritt Englands aus der Europäischen Union, könnte ernste Konsequenzen auf die deutsche Wirtschaft haben, dann zum Beispiel, wenn England eigene Zertifizierungen für Produkte einführt. Auch darüber tauschten sich die Experten aus. Da GAH nur wenige Handelsbeziehungen nach England hat, gibt es für die Firma bislang noch keine Probleme.

Das Coronavirus: Auch für GAH Alberts ein Problem?

Die Aktienmärkte sind im Krisenmodus. Der DAX brach Anfang vergangener Woche um rund vier Prozent ein – vorrangiger Grund ist das Coronavirus, wegen dem die Wirtschaft in China auf Sparflamme läuft. Deshalb wird momentan beispielsweise deutlich weniger Öl gebraucht als sonst, was dazu führte, dass der Ölpreis im Februar auf ein Rekordtief fiel.

Für GAH Alberts ist das Virus bisher aber noch nicht zu einem Problem geworden. Das Herscheider Unternehmen stellt vor allem Produkte für Haus und Garten her, unterhält nur sehr wenige Handelsbeziehungen mit China. „Wenn die Menschen in den Ferien nicht verreisen, haben sie zu Hause Zeit, um sich um ihren Garten zu kümmern“, sagt Dietrich Alberts.

Die Nachfrage sei zurzeit relativ konstant. Problematisch werde es erst, wenn sich durch das Coronavirus eine Wirtschaftskrise entwickle, die dazu führt, dass die Kaufkraft der Kunden sinkt – dass also weniger Arbeit vorhanden ist, die Menschen weniger verdienen und somit auch weniger Geld für Investitionen zur Verfügung haben. Bisher sei man davon aber noch recht weit entfernt. 

Dietrich Alberts spricht zurzeit lediglich von einer „leichten Konjunkturschwäche“. Anders sehe es in der Automobilindustrie aus, ergänzt Christian Vietmeyer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung. Dort sei der Absatz zuletzt um knapp 20 Prozent eingebrochen.

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