Noch können Herscheider Bedenken äußern

Neue Stromleitung: Bürgerwunsch nicht erfüllt

+
Blick aus der Vogelperspektive: Vom Wiebruch aus verläuft die Stromleitung in Richtung Industriegebiet Friedlin. Durch den Neubau der Trasse soll die Anzahl der Masten reduziert werden; dafür wird die Höhe der Masten nahezu verdoppelt.

Herscheid - Die von vielen Bürgern und der Gemeinde erhoffte Verschwenkung im Bereich Friedlin erhält einen Korb: Beim Neubau einer Höchstspannungsleitung setzt das Unternehmen Amprion auf den Verlauf in der bestehenden Trasse.

Weniger, dafür aber höhere Strommasten – das ist die gravierendste Veränderung der Maßnahme. Im Durchschnitt sollen die Stahlgittermasten 65 Meter hoch werden und damit gut 30 Meter höher, als die jetzigen. Betroffen ist die Trasse, die von Lüdenscheid kommend über Schönebecke in Richtung Wiebruch und von dort an Friedlin und Brenscheid vorbei über die Gemeindegrenze nach Plettenberg verläuft. 

Bei einer Informationsveranstaltung vor zwei Jahren in der Schützenhalle hatte das Unternehmen Amprion die Hintergründe und Auswirkungen der Planungen vorgestellt. Anwohner aus dem Bereich Friedlin und Grünenthal, aber auch die Gemeindeverwaltung hatten im Anschluss Änderungswünsche geäußert. Um mehr Abstand zwischen die Leitungen und die Ortschaft zu bringen, regten sie einen alternativen Verlauf zwischen Wiebruch und Friedlin an. 

Diese Anregungen verliefen ins Leere, wie Bürgermeister Uwe Schmalenbach kürzlich erklärte: „Es ist bedauerlich, dass Amprion keinen Vorschlag macht, um die Situation in Herscheid zu ändern.“ Bei der Reduzierung von zwei auf eine Leitung würde ein Spielraum entstehen, der für Verschwenkungen genutzt werden könnte, meint der Bürgermeister. Aber diese Variante ziehe Amprion nicht in Betracht. 

Projektsprecher Claas Hammes erklärte auf Nachfrage der Heimatzeitung, dass Amprion in den letzten zwei Jahren im ständigen Dialog mitStädten und Gemeinde sowie den Anwohnern gestanden habe. „Wir haben versucht, auf Änderungswünsche Rücksicht zu nehmen“, betont Hammes. Angesichts der Gesamtleitungslänge von 113 Kilometern sei dies nicht überall möglich, gesteht der Projektsprecher: „Man kann es nicht allen recht machen.“ 

Ob die Herscheider Einwände doch noch Erfolg haben, darüber entscheiden die kommenden Monate. Das Unternehmen Amprion hat die Planfeststellungsunterlagen bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht. Diese werden ab Anfang November für einen Monat auch im Herscheider Rathaus zu jedermanns Einsicht ausgelegt. In dieser Zeit haben die Bürger (und auch die Träger öffentlicher Belange) die Gelegenheit, Bedenken einzureichen.

 Diese werden von der Bezirksregierung (vermutlich im kommenden Jahr) bei einem Erörterungstermin behandelt und abgewogen. Bedingt durch mögliche Klageverfahren könnte sich die Realisierung der Pläne verzögern. „Ich gehe nicht davon aus, dass der Bau vor 2021 beginnen wird“, schätzt der Bürgermeister.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare